Als „kleiner Bub“ in Mafia-Mord involviert: Später Prozess um Bluttat
Wien (APA) - Ein 35-jähriger Mann hat sich am Mittwoch wegen Beteiligung am Mord vor einem Wiener Schwurgericht verantworten müssen, weil er...
Wien (APA) - Ein 35-jähriger Mann hat sich am Mittwoch wegen Beteiligung am Mord vor einem Wiener Schwurgericht verantworten müssen, weil er vor fast 18 Jahren an einem grausamen Verbrechen der Chinesen-Mafia mitgewirkt haben soll. Er räumte ein, am Tatort gewesen zu sein und das Opfer - eine damals 19 Jahre alte Chinesin - gefesselt zu haben. Dass sie danach umgebracht wurde, hätte er aber nicht geahnt.
Sein Mandant sei im Tatzeitpunkt 18 Jahre alt gewesen, hätte nach seiner Flucht aus China in Wien die Hauptschule besucht und sich mit einem Mann angefreundet, der ihn wie einen kleinen Bruder behandelte, betonte Verteidiger Nikolaus Rast zu Beginn der Verhandlung: „Er war ein kleiner, unerfahrener Bub.“ Dass der Bekannte der Boss einer chinesischen Mafia-Bande namens „Snake Heads“ war, die sich auf Menschenhandel und Schlepperei spezialisiert hatte, hätte der Angeklagte erst viel später durchschaut.
Fest steht, dass der Mann für den Banden-Boss und dessen Umfeld Dolmetsch-Dienste leistete und dafür immer wieder Geld bekam. Fest steht auch, dass er eines Tages in eine Wohnung im 16. Bezirk gerufen wurde, wo die 19-Jährige und deren Freund festgehalten wurden. Dieser - ein 25-jähriger Chinese - soll der zweite starke Mann in der Mafia-Bande gewesen sein und dem Banden-Boss einen größeren Geldbetrag geschuldet haben. Außerdem dürfte die Nummer eins befürchtet haben, der 25-Jährige wolle ihn überflügeln. Folglich soll er die Hinrichtung des Konkurrenten befohlen haben.
Der 25-Jährige wurde von mehreren Banden-Mitgliedern mit einem Auto nach Bruck an der Leitha gebracht und dort mit einem Hackbeil getötet. Seine Freundin blieb zunächst als Gefangene in der Ottakringer Wohnung zurück, ehe der Kopf der Bande sich einige Stunden später entschloss, auch sie als Mitwisserin töten zu lassen. Vier Männer wurden auserkoren, die die 19-Jährige aus der Wohnung brachten - darunter auch der Angeklagte.
Er habe zunächst gar nicht mitbekommen, um was es in der Nacht auf den 23. August 2000 überhaupt ging, versicherte der 35-Jährige den Geschworenen. Als Dolmetscher habe er in einem Nebenraum ferngesehen bzw. geschlafen. Als er aufgefordert wurde, mit der Frau und drei Landsmännern wegzufahren, sei er davon ausgegangen, dass sie außer Landes gebracht werden sollte: „Mir ist gesagt worden, dass die Schulden bezahlt wurden.“
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