Landespolitik

Pflege: Land leistet bereits Vorschüsse

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Bei den Pflegeheimkosten ist Tirol vorbildlich, doch nach dem Aus für den Pflegeregress steigt der Druck. Das Land leistet Akontozahlungen.

Von Peter Nindler

Innsbruck –Der wirtschaftsliberale Thinktank Agenda Austria hat gestern einen Vergleich der Pflegekosten in den Heimen für 2015 veröffentlicht, in Tirol sind sie am niedrigsten. Ganz kann man die Zahlen in Tirol nicht nachvollziehen, ohne die Baukosten würden sie für 2017 „pro Tag und Platz im Durchschnitt bei 105 Euro/netto liegen“, wie Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (VP) betont. Rund 6000 Personen sind in den 90 Pflegeheimen untergebracht. Tilg verweist auf den Strukturplan „Pflege 2012–2022“, mit dem man auf die Herausforderungen schon frühzeitig reagiert habe. „Außerdem sind wir sehr effizient unterwegs, weil wir auch auf die mobile Pflege und die Tagesbetreuung setzen. Das entlastet massiv.“

Bei den Betten ist ein Ausbau um 1200 bis 2022 geplant, derzeit wurden bereits 700 errichtet. „Aufgrund der neuen Situation mit der Abschaffung des Pflegeregresses werden wir den Strukturplan notfalls anpassen müssen“, kündigt der Gesundheitslandesrat an. Gleichzeitig pocht er wie Landeshauptmann Günther Platter (VP) auf vollen Kostenersatz durch den Bund. „Uns wird bestätigt, dass auch in Tirol der Druck auf die Heime steigt“, so Tilg.

Mit bis zu 45 Millionen Euro an zusätzlichen Aufwendungen rechnet das Land nach der Abschaffung des Pflegeregresses, der Zugriff auf das Vermögen der Betroffenen fällt weg. Folgekosten entstehen auch durch den steigenden Bettenbedarf. Zudem wechseln die bisherigen Selbstzahler in die Mindestsicherung. Das bringt die Heimträger unter Druck, 20 bis 25 Millionen fehlen akut. Tilg: „Deshalb leistet das Land bereits Vorschüsse. Wir treten mit den Vorschüssen sozusagen in Vorlage für den Bund, um die Liquidität der Heime zu gewährleisten.“

Rund 190 Millionen Euro budgetiert das Land für die stationäre Pflege, Tilg hofft deshalb auf eine rasche Einigung mit dem Bund. Ein gestriges Gespräch zwischen Finanzminister Hartwig Löger (VP) mit den Landesfinanzreferenten u. a. mit Platter musste aufgrund einer Erkrankung abgesagt werden. Die Länder befürchten heuer Pflege-Mehrkosten von 532 bis 654 Millionen Euro.