Türkische Opposition ringt um gemeinsame Front gegen Erdogan

Ankara (APA/AFP) - Vor den vorgezogenen Neuwahlen in der Türkei ringt die Opposition weiter um die Bildung einer gemeinsamen Front gegen Prä...

Ankara (APA/AFP) - Vor den vorgezogenen Neuwahlen in der Türkei ringt die Opposition weiter um die Bildung einer gemeinsamen Front gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan. Der CHP-Vorsitzende Kemal Kilicdaroglu traf am Mittwoch die Chefin der neu gegründeten IYI-Partei, Meral Aksener, um über das Vorgehen bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen am 24. Juni zu beraten.

Es blieb aber unklar, ob sie einen gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten ins Rennen schicken. Der Parteirat der links-nationalistischen CHP hatte Kilicdaroglu am Dienstag autorisiert, mit anderen Parteien Wahlbündnisse einzugehen. Kilicdaroglu hatte zuvor die Opposition zur Einheit aufgerufen und betont, seine Partei sei zu „Opfern“ bereit. In den Medien wird seit Tagen spekuliert, dass die kleine proislamische Saadet-Partei den früheren Staatschef Abdullah Gül als Präsidentschaftskandidaten gewinnen will.

Sollte es gelingen, den AKP-Mitbegründer zu einer Kandidatur gegen seinen Parteifreund Erdogan zu bewegen, könnte er ihm ernsthaft gefährlich werden. Ihr Verhältnis ist seit längerem angespannt, doch hat Gül bisher vermieden, ihn offen herauszufordern. Am Mittwoch traf der Saadet-Vorsitzende Temel Karamollaoglu mit Gül zusammen. Zuvor hatte Karamollaoglu bereits Kilicdaroglu und Aksener getroffen.

Es schien am Mittwoch aber eher unwahrscheinlich, dass CHP und IYI-Partei eine mögliche Kandidatur Güls unterstützen würden. Aksener betonte nach dem Treffen mit Kilicdaroglu, dass sie an ihrer eigenen Kandidatur festhalte. Der CHP-Fraktionsvize Özgür Özel schrieb auf Twitter, die CHP habe eine Kandidatur Güls niemals erwogen. „Genug. Wir haben die Nase voll von all diesen Spekulationen“, schrieb er.

Die islamisch-konservative AKP Erdogans hat für die Wahlen bereits ein Bündnis mit der ultranationalistischen MHP seines Verbündeten Devlet Bahceli gebildet. Erdogan hofft, so bereits in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl die absolute Mehrheit zu erhalten. Mit der Wahl tritt in der Türkei eine Verfassungsreform in Kraft, die bei einem umstrittenen Referendum im April 2017 mit knapper Mehrheit gebilligt worden war und die Befugnisse des Präsidenten erheblich stärkt.