Zentralrat der Juden mahnt: Es darf kein „Weiter-so“ geben

Berlin (APA/dpa) - Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat zunehmenden Antisemitismus in Deutschland be...

Berlin (APA/dpa) - Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat zunehmenden Antisemitismus in Deutschland beklagt und davor gewarnt, das Problem kleinzureden. Leider glaube die nicht-jüdische Mehrheit in Deutschland, es gäbe kaum noch Judenhass, sagte Schuster am Mittwoch auf einer Kundgebung gegen Antisemitismus in Berlin. Die Realität sehe aber anders aus.

Jüdische Eltern trichterten ihren Kindern ein, nach dem Gottesdienst die Kippa abzusetzen oder ein Basecap darüber zu ziehen. „Sie sagen ihrer Tochter in der U-Bahn, sie soll die Kette mit dem Davidstern unterm Pullover verschwinden lassen. Sie verzichten zum 70. Geburtstag von Israel auf das T-Shirt mit Israel-Flagge“, so Schuster.

„Es reicht“, betonte er. Ein „Weiter-so“ dürfe es nicht geben. „Wir haben uns in Deutschland viel zu gemütlich eingerichtet. Ein bisschen Antisemitismus, ein bisschen Rassismus, ein bisschen Islam-Feindlichkeit - ist doch alles nicht so schlimm? Doch, es ist schlimm“, sagte der Zentralratspräsident.

„Deshalb fordere ich 100 Prozent Respekt“, so Schuster weiter. „Das heißt aber auch 100 Prozent Respekt vor unseren Werten und vor unserem Rechtsstaat.“ Wer sich den Spielregeln des Grundgesetzes widersetze, dürfe nicht mit Toleranz rechnen. „Es bringt unserer Gesellschaft nichts, eine Harmoniesoße über alles zu kippen.“