Prozess gegen Mesale Tolu in Istanbul fortgesetzt

Istanbul (APA/dpa) - Vier Monate nach der Entlassung von Mesale Tolu aus türkischer Untersuchungshaft ist der Prozess gegen die deutsche Jou...

Istanbul (APA/dpa) - Vier Monate nach der Entlassung von Mesale Tolu aus türkischer Untersuchungshaft ist der Prozess gegen die deutsche Journalistin und Übersetzerin fortgesetzt worden. Zum Auftakt des Prozesstages am Donnerstag in Istanbul forderte Tolu ihren Freispruch. Sie und ihr ebenfalls angeklagter Ehemann Suat Corlu riefen das Gericht dazu auf, die gegen sie verhängten Ausreisesperren aufzuheben.

„Als deutsche Staatsbürgerin will ich, dass mein Kind in dem Land, aus dem ich komme, in den Kindergarten geht“, sagte Tolu. Tolu und Corlu haben einen dreijährigen Sohn, für den in Tolus Heimatstadt Ulm nach ihren Angaben ein Kindergartenplatz reserviert ist.

Ein Urteil des Gerichts in Istanbul in dem Verfahren wegen Terrorvorwürfen wurde am Donnerstag noch nicht erwartet. An dem Prozess nahm der deutsche Botschafter Martin Erdmann als Beobachter teil. Die Staatsanwaltschaft wirft Tolu, Corlu und 25 weiteren Beschuldigten Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vor. Die Angeklagten weisen das zurück.

Im vergangenen Jahr war es wegen der Inhaftierung von Tolu, dem „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel und dem Menschenrechtler Peter Steudtner zu einer Krise zwischen Berlin und Ankara gekommen. Als letzter dieser drei deutschen Gefangenen wurde im Februar Yücel freigelassen. Er konnte - wie zuvor auch Steudtner - ausreisen. Immer noch sitzen aber nach Angaben des deutschen Auswärtigen Amtes mindestens fünf Deutsche aus politischen Gründen in der Türkei in Haft. Erst in der vergangenen Woche war gegen den deutsch-türkischen Sozialarbeiter Adil Demirci U-Haft wegen Terrorpropaganda verhängt worden.