US-Zölle - IHS-Chef Kocher: Eskalation des Konflikts wäre gefährlich
Wien (APA) - Die ab 1. Mai drohenden US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte aus der EU seien an sich nicht die Gefahr, „aber dass sich da...
Wien (APA) - Die ab 1. Mai drohenden US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte aus der EU seien an sich nicht die Gefahr, „aber dass sich das aufschaukelt“, warnte der Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS) am Donnerstag zur APA.
Der Umfang der Zölle sei sehr begrenzt, wiewohl er einzelne Unternehmen natürlich schon tangiere. Gesamtwirtschaftlich sei die Auswirkung gering, auch Österreich wäre nur relativ gering betroffen.
Sollte sich der Konflikt jedoch aufschaukeln, dann wäre auch Österreich - über die Zulieferketten - betroffen, und dann spreche man schon über einige Zehntel Prozent des Wachstums, sagte der IHS-Chef im Klub der Wirtschaftspublizisten.
Nach jüngsten Angaben rechnet die deutsche Regierung damit, dass die Ausnahmeregelungen der USA für die EU-Staaten bei den neuen Zöllen auf Stahl- und Aluminiumprodukte nicht verlängert werden, sondern die Zölle am 1. Mai in Kraft treten, hieß es am Donnerstag in deutschen Regierungskreisen kurz vor der Reise von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Washington.
Der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erwartet nach Angaben vom Mittwoch in der nächsten Woche eine abgestimmte Position der EU zum weiteren Vorgehen im Handelsstreit mit den USA. „Wir tun gut daran, jede Eskalation zu vermeiden“, hatte Altmaier in Berlin gesagt.
Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) hatte Mitte März errechnet, dass der Schaden für die USA durch die Stahl- und Alu-Zölle höher wäre als für Europa. Die USA würden dreimal so viel BIP verlieren wie EU-28, und für die Arbeitsplätze wäre der Negativ-Effekt zweieinhalb mal so groß.
In den 28 EU-Staaten zusammen würden laut Wifo kurz- bis mittelfristig 20.000 Jobs durch die Stahl- und Alu-Zölle verloren gehen - davon 500 in Österreich -, in den USA allerdings 50.000 Jobs. Für das Wirtschaftswachstum wäre der Negativ-Effekt für die Vereinigten Staaten exakt drei Mal so groß wie für die Europäische Union: Jenseits des Atlantiks würden dadurch umgerechnet 6 Mrd. Euro an BIP wegfallen, in der EU lediglich 2 Mrd. Euro, davon rund 100 Mio. Euro in Österreich