Internationale Pressestimmen zu Besuch Macrons bei US-Präsident Trump
Washington/Paris (APA/dpa/AFP) - Über die Begegnung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron mit seinem amerikanischen Amtskollegen Don...
Washington/Paris (APA/dpa/AFP) - Über die Begegnung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron mit seinem amerikanischen Amtskollegen Donald Trump in Washington schreiben die Tageszeitung am Donnerstag:
„Nepszava“ (Budapest):
„Macron hat auf geniale Weise erkannt, dass Trump ein Instinktmensch ist. (...) Der französische Präsident weiß sehr wohl, dass es die beste Strategie gegenüber megalomanischen Instinktmenschen ist, sie in den Himmel zu loben. So freute sich Trump wie ein Kind über jeden Blumenstrauß aus dem Munde seines frisch gebackenen Pariser Freundes (...) Die Freundschaftsdiplomatie von Macron bedeutet aber nicht, dass sie ihr Ziel erreicht hätte. Der amerikanische Präsident bleibt so unberechenbar wie zuvor. Es gibt keine Garantie dafür, dass Macron in irgendeiner Weise auf ihn einzuwirken vermag. Was war dann der Sinn des Ganzen? Trump hat einen neuen Freund gewonnen. Davon hat er angeblich nicht viele.“
„El Mundo“ (Madrid):
„Eine so komplexe Persönlichkeit wie Macron hätte sich niemals mit einer Statistenrolle begnügt. Während er (US-Präsident Donald) Trump dazu ermunterte, ein neues multilaterales Abkommen mit dem Iran zu erzielen, um eine Eskalation der Spannungen zu verhindern, versicherte er auch, dass Frankreich nicht aus dem Pakt austreten werde. „Die Tür zur Welt zuzuschlagen, wird die Entwicklung der Welt nicht aufhalten“, warnte der französische Präsident. Das wurde allgemein als verschleierte Kritik an der Isolationspolitik von Trump interpretiert. Macron tut genau das Richtige, wenn er anstelle der Sprache der Waffen auf Diplomatie setzt.“
„De Telegraaf“ (Amsterdam):
„Macron stand als erster an der Seite von Trump, als es um eine militärische Vergeltungsaktion gegen Syrien ging. Er scheint der Staatschef zu sein, der am besten mit Trump zurechtkommt. Und er wurde belohnt mit dem ersten Staatsbesuch bei diesem amerikanischen Präsidenten. Während es vor den Kulissen sehr freundlich zugeht, sagen Insider, Macron folge mit ausgeklügelter Lobbyarbeit exakt seiner eigenen Agenda, um die USA zu veranlassen, zum Atomdeal mit dem Iran zu stehen, länger in Syrien engagiert zu bleiben und das Thema Strafzölle für Stahlimporte aus der EU fallenzulassen. Trump soll den Gegenwind von Macron, der ähnlich wie er als Geschäftsmann Millionen machte, zu würdigen wissen. Aber der Franzose vermag noch nicht einzuschätzen, welche Wirkung er letztlich auf seinen Freund Trump hat.“
„Lidove noviny“ (Prag):
„Es scheint, dass Frankreich Deutschland in der Rolle des Schlüsselpartners der USA in der Europäischen Union ablöst. Es ist bekannt, dass Trump einzelnen Staaten mehr vertraut als Gemeinschaften vom Typ der EU. Und gerade unter seiner Regierung verliert Deutschland zunehmend die Rolle des führenden Partners - dieselbe Bundesrepublik, deren Eingliederung in die europäischen Strukturen Washington einst unterstützt hatte, um den besiegten Feind zurück ins Spiel zu holen. Nach 1945 sollte dieser Gedanke die USA vor einem weiteren Kriegseinsatz in Europa bewahren. Doch Trump sieht in Deutschland eher einen Handelskonkurrenten und einen Feind als einen Verbündeten. Er zieht Frankreich auch deshalb vor, weil es im Unterschied zu Deutschland in der Lage ist, seine Armee etwa in Syrien einzusetzen. Vielleicht beginnt nun ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen den USA und Europa.“
„La Croix“ (Paris):
„Bisher hat Emmanuel Macron nicht gepunktet. Der iranische Präsident (Hassan Rouhani) hat (ihm) rasch eine Abfuhr erteilt. Und (sein US-Amtskollege) Donald Trump ist nicht auf Anhieb dem französischen Vorschlag gefolgt - auch wenn er ihn nicht verworfen hat.
Der US-Präsident bereitet sich auf Verhandlungen mit Nordkorea vor. Das ist ein Gegner, der ebenso schwierig ist wie Teheran. Das bringt ihn vielleicht dazu, vorsichtig gegenüber dem Iran zu sein, zumindest zeitweise. Er muss am 12. Mai ankündigen, ob die USA im (Atom-) Abkommen aus dem Jahr 2015 verbleiben oder nicht. Falls er sich für einen Verbleib entscheiden sollte, wäre das Manöver von Macron nützlich gewesen.“,
„Independent“ (London):
„Die bedeutende Lehre, die Teheran aus den jüngsten Entwicklungen zieht, besteht darin, dass es sich lohnt, über Atomwaffen zu verfügen. Denn es ist klar, dass der einzige Grund für Donald Trumps plötzliche Kompromissbereitschaft gegenüber Nordkorea darin besteht, dass Nordkorea es geschafft hat, Atomwaffen zu entwickeln, die eine direkte Gefahr für die USA darstellen. Die Iraner werden sich fragen, ob die Amerikaner immer noch versuchen würden, sie herumzuschubsen, wenn sie über Raketen mit Atomsprengköpfen verfügen würden.
Der zentrale Punkt des Atomdeals mit dem Iran - so fehlerhaft er auch sein mag - besteht darin, dass er die nuklearen Fortschritte des Iran verlangsamt. Sollte der Iran dem amerikanischen Beispiel folgen und sich davon lossagen, könnte er nur noch durch brutale amerikanische Militärmacht - vermutlich unterstützt oder gar ausgeführt durch Israel - davon abgehalten werden, sein Atomprogramm wieder zu beschleunigen.“
„Die Welt“ (Berlin):
„Macron gab sich größte Mühe, die Gemeinsamkeiten mit Donald Trump stärker zu betonen als die Unterschiede. (...) Donald Trump hat in dem smarten Franzosen seinen aktuellen Lieblingseuropäer gefunden. Wie belastbar die neue französisch-amerikanische ‚bromance‘ sein wird, ist angesichts der Wankelmütigkeit des amerikanischen Präsidenten nicht berechenbar. Es ist auch noch nicht absehbar, ob die unorthodoxe Männerfreundschaft zwischen diesen beiden Antipoden der politischen Kultur des Westens wirklich zu einer Annäherung zwischen Europa und den USA in den Streitfragen Iran-Abkommen, Syrien, Strafzölle führen kann. Aber Emmanuel Macron hat zumindest einen Weg gefunden, mit Donald Trump ins Gespräch zu kommen. Das ist mehr, als der Bundeskanzlerin bislang geglückt ist.“
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