Rom verlängert Frist für Alitalia-Verkauf auf Oktober

Der Beschluss wurde gefasst, da die aktuelle Frist schon am 30. April auslaufe und noch kein Käufer feststehe, sagte Industrieminister Carlo Calenda.

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Rom – Italien verlängert die Frist zum Verkauf der angeschlagenen Fluggesellschaft Alitalia um sechs Monate. Dies teilte Italiens geschäftsführender Premier Paolo Gentiloni am Donnerstag mit. Der Ministerrat unter Gentilonis Führung verabschiedete ein Dekret, mit dem die Frist für den Alitalia-Verkauf bis Ende Oktober verlängert wird.

Der Beschluss wurde gefasst, da die aktuelle Frist schon am 30. April auslaufe und noch kein Käufer feststehe, sagte Industrieminister Carlo Calenda. Die Frist für die Rückzahlung des Brückenkredits in Höhe von 900 Mio. Euro, den die Regierung der Airline gewährt hatte, wurde auf den 15. Dezember verlängert. Calenda berichtete, dass Alitalia bisher lediglich 100 der 900 Mio. Euro des Brückenkredits ausgegeben habe.

Regierungsvakuum behindert Verhandlungen

Gebremst wurde der Alitalia-Verkauf von der Ungewissheit rund um die neue Regierung in Rom. Verhandlungen laufen noch um die Regierungsbildung. Das Kabinett von Premier Paolo Gentiloni ist nur noch geschäftsführend im Amt. „Die Alitalia-Interessenten wollen nicht weiter verhandeln, bevor keine neue Regierung im Einsatz ist. Man muss Investoren die Möglichkeit geben, mit der neuen Regierung zu sprechen“, kommentierte Calenda bei einer Pressekonferenz nach der Ministerratssitzung am Donnerstag.

Italien hatte am 4. März ein neues Parlament gewählt. Verhandlungen zur Regierungsbildung sind noch im Gange. Noch unklar ist, wann in Rom eine neue Regierung im Amt sein wird.

Lufthansa, Easyjet und unbekannter Bieter

Neben der AUA-Mutter Lufthansa haben auch Easyjet und ein unbekannter dritter Bieter Interesse an Alitalia bekundet. Calenda hatte bereits vergangene Woche erklärt, Lufthansa habe die besten Chancen. Die AUA-Mutter dementierte am Donnerstag jedoch Interesse für Alitalia. „In der jetzigen Situation, in der sich Alitalia befindet, interessiert uns Alitalia überhaupt nicht“, so Lufthansas Finanzvorstand Ulrik Svensson bei der Bilanzvorlage am Donnerstag in Frankfurt laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA.

Alitalia müsse sowohl in der Größe, als auch in Sachen Kosten und Flugrouten umstrukturiert werden. „Diese Umstrukturierung muss in Italien erfolgen, das können nicht wir Aktionäre tun“, so Svensson. Als Alternative zu Alitalia sei Lufthansa an der Übernahme der in Verona beheimateten Airline Air Dolomiti interessiert. Italien sei für Lufthansa der zweitwichtigste Auslandsmarkt nach den USA.

Alitalia steckt seit Jahren in der Krise und hatte voriges Frühjahr Insolvenz angemeldet. Bisherige Eigner von Alitalia sind das Konsortium Compagnia Aerea Italiana (CAI) mit 51 Prozent und Etihad Airways mit 49 Prozent. (APA)


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