Ungarische Regierungszeitung griff bekannte Literaten an

Budapest (APA/dpa) - Die Regierung des rechtsnationalen Ministerpräsidenten Viktor Orban erhöht in Ungarn den Druck auf kritische Stimmen. D...

Budapest (APA/dpa) - Die Regierung des rechtsnationalen Ministerpräsidenten Viktor Orban erhöht in Ungarn den Druck auf kritische Stimmen. Die von der Regierung kontrollierte Tageszeitung „Magyar Idök“ griff am Donnerstag in einem Kommentar rund drei Dutzend prominente Literaten an.

Unter ihnen sind auch die durch Übersetzungen im deutschen Sprachraum bekannten Autoren Peter Nadas, Laszlo Krasznahorkai, György Konrad, György Dragoman und der 2016 gestorbene Peter Esterhazy.

Der Rundumschlag richtete sich auch gegen das Budapester Petöfi-Literaturmuseum (PIM) und dessen Direktor Gergely Pröhle. Der ehemalige Diplomat und Vize-Staatssekretär im Außenministerium und später im Ministerium für Humanressourcen leitet das Museum seit 2017. Er gilt als ein gemäßigter Vertreter aus dem Umfeld der Regierungspartei Fidesz.

Über die aufgezählten Schriftsteller heißt es in dem Kommentar: „In der Werkstatt des Herrn Generaldirektor Pröhle scharen sich jene links-liberalen Meinungsbildner zusammen, die die Ungarn und Ministerpräsident Viktor Orban verleumden. Und Herr Pröhle bezahlt die Rechnung, selbstverständlich nicht aus der eigenen Tasche, sondern vom Geld der ungarischen Steuerzahler.“

Bei der Parlamentswahl am 8. April hatte Orbans Fidesz-Partei erneut eine verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit errungen. Der seit 2010 amtierende Regierungschef hatte anschließend neue repressive Gesetze gegen Nichtregierungsorganisationen angekündigt. Die Regierungsmedien veröffentlichten seitdem immer wieder feindselige Kommentare über regierungskritische Aktivisten, Journalisten und Wissenschaftler. Ihre Namen wurden dabei teilweise in Listen zusammengefasst.