Schwechat: Hormon-Alarm bei „Testosteron“ von Saramonowicz

Schwechat (APA) - Hormon-Alarm im Theater Forum Schwechat, wo am Donnerstagabend die Komödie „Testosteron“ des polnischen Autors Andrzej Sar...

Schwechat (APA) - Hormon-Alarm im Theater Forum Schwechat, wo am Donnerstagabend die Komödie „Testosteron“ des polnischen Autors Andrzej Saramonowicz als deutschsprachige Erstaufführung (Übersetzung: Agnieszka Grzybowska) zur Premiere gelangt ist. Ein merkwürdiger Abend, der - man kann es kaum anders formulieren - in die Hosen ging.

Eine sechsköpfige Herrenrunde findet sich nach einer geplatzten Hochzeit an der Tafel ein. Das könnte ja ein witziger Plot sein. Eric Lingens ist der Beinahe-Ehemann Christian, Andreas Hajdusic sein Bruder Marius, Martin Schlager deren prahlerischer Vater, der Kellner Lars (Johannes Kemetter) - wie sich herausstellt - ein weiterer Sohn, Marius Schiener der Aufschneider Tretin, Boris Popovic der Musiker Tom.

Lädiert sind sie alle. Es wird gesoffen, geprügelt, schwadroniert und vor allem geschweinigelt. Da trifft es sich gut, dass einer der Herren sich als Ornithologe entpuppt. Prompt haben wir es - bruhaha! - mit Vögeln zu tun. Überhaupt sind die Herrschaften offenbar ziemlich notgeil und protzen wie akut Pubertierende mit allerlei Kenntnissen und Fähigkeiten. Wer die größten Eier besitzt, bleibt dem Publikum gnädigerweise doch vorenthalten.

„Männer sind Schweine“ wird in einem der musikalischen Intermezzi intoniert. Feministische Message eventuell? Fehlanzeige! Die Frauen, von denen im Stück lediglich die Rede ist, scheinen um keinen Deut besser: geldgierige Schlampen, für die Männer nur Mittel zum jeweiligen Zweck bedeuten. Sämtliche Klischees werden somit abgehakt - leider im ironiefreien und pointenarmen Raum, auch wenn die deutsche Fassung allzu vordergründig mit aktuellen Österreichbezügen spekuliert, unmotivierte Dialektpassagen inklusive.

Da rettet man sich zwischendurch in die Musik, auf den „Highway to Hell“, zu Fendrichs „Macho Macho“, schließlich zu den Beatles: „All you need is love“. Das stimmt nicht ganz. Es bräuchte auch ein erkennbares Konzept für dieses Stück. Schwank, Boulevard, Konversationstheater? Pollesch für Minderbemittelte? Trotz heißen Bemühens der Mitwirkenden (für die Inszenierung zeichnet Intendantin Manuela Seidl verantwortlich) bleibt man letztlich ratlos zurück. Ratlos und verblüfft, auf welchem Niveau man zwei unergiebige Stunden in einem Theater zubringen kann.

(S E R V I C E - Theater Forum Schwechat: Andrzej Saramonowicz, Testosteron. Regie: Manuela Seidl, mit Eric Lingens, Martin Schlager, Andreas Hajdusic, Johannes Kemetter, Marius Schiener, Boris Popovic. Vorstellungen bis 18. Mai, Tickets und Information: Tel. 01/7078272, www.forumschwechat.com)