Korea-Gipfel

Ein spontanes Tänzchen über dem Grenzstreifen

Historische Umarmung: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und Südkoreas Präsident Moon Jae-in.
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In einer historischen gemeinsamen Erklärung bekräftigen Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und Südkoreas Präsident Jae-in ihren Willen zur nuklearen Abrüstung. Das Treffen an der Grenze der beiden Länder steckte volle Symbolik und bot einige komische Momente.

Pjöngjang, Seoul – Ein Schritt in den Süden, einer nach Norden, und dann wieder zurück: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und der südkoreanische Präsident Moon Jae-in führten ein grenzüberschreitendes Tänzchen auf, als sie sich am Freitag an der Demarkationslinie trafen. Ein spontaner Ausbruch aus der detailliert geplanten und einstudierten Choreografie dieser mit viel Symbolik aufgeladenen historischen Begegnung.

Das Treffen begann mit einem Handschlag über den Grenzstreifen hinweg im entmilitarisierten Grenzort Panmunjom. Fast eine halbe Minute lang schüttelten die beiden Männer sich dort die Hände, bist ein freudestrahlender Moon den Nordkoreaner zum Grenzübertritt nach Süden einlud. Kim überschritt die Demarkationslinie und wurde so der erste nordkoreanische Machthaber seit 65 Jahren, der südkoreanischen Boden betrat.

Historischer Handschlag: Südkoreas Präsident Moon Jae-in und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un kündigten ein Ende des offiziell noch geltenden Kriegszustandes auf der Halbinsel an.
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Was folgte, war offenbar so nicht geplant: Kim bat den Südkoreaner mit einer einladenden Geste auf die nördliche Seite der Grenze. Südkoreas Präsident schien vor dem ungeplanten Grenzübertritt kurz zu zögern, doch der joviale Nordkoreaner ergriff seine Hand und führte ihn einige Schritte in den Norden, wo sie abermals die Hände schüttelten. Danach kehrten beide Händchen haltend nach Südkorea zurück und wurden von Kindern mit Blumen begrüßt.

Historische Vereinbarung

So historisch wie das Treffen selbst war auch die Vereinbarung, auf die beide Seiten sich einigten. Bis Ende des Jahres soll eine Friedensregelung für die beiden verfeindeten Nachbarländer erreicht werden. Nach fast 70 Jahren Spannungen und Krieg besteht damit auch die Aussicht auf eine Wiedervereinigung der beiden koreanischen Staaten.

Ein Gläschen in Ehren: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und seine Frau Ri Sol Ju stoßen mit Südkoreas Präsident Moon Jae-in an.
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Die südkoreanischen Gastgeber hatten einen kompletten Probedurchlauf für den Gipfel vollzogen, mit Doubles für Kim und Moon. „Wir haben jedes einzelne Detail geprüft, inklusive Licht und Blumendekoration“, sagte ein Sprecher Moons.

Sogar der Duft des Gipfelzimmers wurde beeinflusst. Zwiebeln und Kohle wurden auf dem Boden verteilt und mehrere Lüfter eingeschaltet, um den Geruch von frischer Farbe zu vertreiben.

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Kims nordkoreanische Sicherheitsbegleiter trafen ihre eigenen Vorkehrungen: Sie sterilisierten den Stuhl, auf dem Kim später während seiner Eintragung ins Gästebuch saß, und wischten Sitz, Armlehne und Stuhlbeine mit weißen Tüchern ab.

Gut gelaunte Staatschefs in Panmunjom.
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Moon und Kim wurden von einer südkoreanischen Ehrengarde in traditionellen Uniformen empfangen, während sie über einen roten Teppich schritten. Bei der Begrüßung durch eine Militärkapelle salutierte Moon, während Kim etwas unbeholfen nicht ganz stramm stand.

Der nordkoreanische Machthaber brach in Gelächter aus, als Südkoreas Präsident ihn per Fingerzeig auf etwas aufmerksam machte und witzelte in seinen Grußworten über Nudeln.

In einer weiteren symbolischen Geste pflanzten die beiden Männer mit weißen Handschuhen und Schaufeln ausgestattet später einen Baum nahe der Demarkationslinie.

Komische Momente

Komische Momente gab es etwa, als Kims Schwester Kim Yo-jong bemerkte, wie sie aus Versehen in den Aufnahmebereich der Kamera gelaufen war und stürmisch zur Seite auswich; oder als Kim eine gefühlte Ewigkeit brauchte, um sich in das Gästebuch einzutragen, und Moon nicht so recht wusste, wo er hinschauen sollte.

Das letzte Treffen zwischen einem nordkoreanischen Machthaber und einem südkoreanischen Präsidenten im Jahr 2007 verlief im Vergleich dazu etwas gedämpfter und weniger entspannt ab. Die gelöste Stimmung und das ungeplante Grenztänzchen 2018 ließen fast die atomare Bedrohung vergessen, die von Nordkoreas spontanem, unberechenbarem Machthaber nach wie vor ausgeht. (APA/AFP)