US-Sanktionen gegen Russland - Strabag: Keine operativen Auswirkungen
Wien/Washington/Moskau (APA) - Der börsennotierte Bauriese Strabag reagiert relativ gelassen auf die jüngsten US-Sanktionen gegen 38 russisc...
Wien/Washington/Moskau (APA) - Der börsennotierte Bauriese Strabag reagiert relativ gelassen auf die jüngsten US-Sanktionen gegen 38 russische Firmen und Einzelpersonen. „Die Strabag gehört nicht zu den sanktionierten Unternehmen - dazu gibt es auch keinerlei Anlass“, sagte Konzernchef Thomas Birtel am Freitag in einer Pressekonferenz. Der von den USA namentlich sanktionierte Oleg Deripaska hält 25,9 Prozent an der Strabag.
Seine Rasperia Trading Limited ist somit - neben der Familie rund um den ehemaligen Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner (26,4 Prozent) und dem Duo Uniqa/Raiffeisen (27,5 Prozent) - einer der drei Kernaktionäre des österreichischen Baukonzerns.
„Aus dem operativen Geschäft heraus sehen wir da überhaupt keine Risiken“, bekräftigte der Strabag-Chef. Das habe man „bereits sehr sorgfältig abgeklopft“.
Amerikanischen Firmen ist es nun laut US-Finanzministerium generell verboten, Geschäfte mit Personen und Unternehmen auf der Sanktionsliste zu machen. Auch Deripaskas Vermögen in den USA wurde aufgrund seiner Nähe zum Kreml eingefroren. Die erst vor wenigen Wochen verkündeten Maßnahmen der US-Regierung basieren auf einem Gesetz, das der Kongress 2017 in Reaktion auf die mutmaßlichen russischen Cyberinterventionen in den US-Präsidentschaftswahlkampf im Jahr davor verabschiedet hatte.
„Das Gesetz knüpft an eine Mehrheitsbeteiligung“, ortet Birtel „also keinerlei unmittelbare Betroffenheit“. Hausintern haben die Sanktionen bei der Strabag aber jede Menge Aktivitäten in der Rechtsabteilung ausgelöst. Der Konzern habe auch „einige US-Gesellschaften“.
Weiters bedürfen nun so manche Projektfinanzierungen eines vertieften juristischen Checks: „Finanzinstitute sehen sich auch bei Minderheitsbeteiligungen zusätzlich zu Due-Diligence-Prüfungen veranlasst,“ räumte Birtel ein. Das treffe etwa auf die Internationale Entwicklungsbank zu. „Das führt zu höheren Verwaltungskosten, hat aber operativ überhaupt keine Auswirkungen“, beteuerte der Strabag-Chef.
„Wo wir sehr aufpassen müssen, ist, dass solche Geschäftsvorfälle nicht zum Tragen kommen, wo sanktionierten Unternehmen materielle Unterstützung zuteilwird“, ergänzte er. Konkret sind damit etwa Dividendenzahlungen gemeint, die rechtlich unter die Lupe genommen werden müssen. Die Strabag will für das abgelaufene Geschäftsjahr 48 Prozent des Konzerngewinns an die Anteilshaber ausschütten - gegenüber 2016 soll die Dividende um 37 Prozent auf 1,30 Euro je Aktie angehoben werden.
Generell liegen die Russland-Aktivitäten der Strabag aber schon seit einiger Zeit brach. „Das Geschäft ist im Moment klein“, sprach Birtel von „einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag“, den der Konzern dort heuer vielleicht umsetzen werde. Dabei gehe es ausschließlich um private Projekte.
Die Russland-Investmentstory, die beim Börsengang 2007 lanciert wurde, ist jedenfalls nie aufgegangen. Die Strabag wollte die Bauleistung dort langfristig jedes Jahr verdoppeln und bis zu einem Drittel des gesamten Konzernvolumens erwirtschaften - in Relation zur Bauleistung im abgelaufenen Geschäftsjahr (14,6 Mrd. Euro) hätten das beispielsweise knapp 5 Mrd. Euro sein sollen. Bei den - nach unten redimensionierten - Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi setzte die Strabag immerhin noch Bauvorhaben im Volumen von 500 Mio. Euro um, ursprünglich erhofft hatte sie sich Aufträge über rund 1 Mrd. Euro.
Die Finanzkrise ab 2008 machte dem Baukonzern allerdings einen Strich durch die Rechnung. Ebenfalls dämpfend wirkten der Ukraine-Konflikt und westliche Handelssanktionen. Hinzu kommt nun die von US-Präsident Donald Trump zusätzlich veranlassten Strafmaßnahmen gegen Russland.
( 0471-18, Format 88 x 80 mm)
~ ISIN AT000000STR1 WEB http://www.strabag.com ~ APA366 2018-04-27/13:53