Der Öko-Saga zweiter Teil: Maja Lundes „Geschichte des Wassers“

Wien (APA) - Kann man mit Literatur die Welt verbessern? Die norwegische Autorin Maja Lunde versucht es wenigstens. Nach dem Bestseller „Die...

Wien (APA) - Kann man mit Literatur die Welt verbessern? Die norwegische Autorin Maja Lunde versucht es wenigstens. Nach dem Bestseller „Die Geschichte der Bienen“ setzt sie ihr „Klimaquartett“ mit „Die Geschichte des Wassers“ fort. Der Roman, in dem sich zwei Erzählebenen abwechseln, ist gut gebaut, bietet aber wenig Überraschendes und hat einige Längen.

Maja Lunde verbindet wie schon in „Die Geschichte der Bienen“ die Folgen von Klimaveränderungen mit dem persönlichen Schicksal ihrer Figuren und trägt damit vielleicht mehr zur Bewusstseinsbildung bei als so manche Klimastatistik oder Film-Dokumentation. In zwei Erzählebenen thematisiert sie in „Die Geschichte des Wassers“ schrumpfende Gletscher, Kämpfe zwischen Fortschrittsgläubigen und Naturschützern, bauliche Eingriffe wie Stauwerksmauern, Ressourcenausbeutung, Wasserknappheit und Flüchtlingswellen.

Die fast 70-jährige norwegische Umweltaktivistin Signe bekam noch als Kind Gletschereis geschenkt, um damit im Sommer einen Schneemann zu bauen; 2017 ist vom Eis des Gletschers nur mehr wenig übrig und das Wenige wird als Luxusartikel exportiert. Mit ihrem Segelboot „Bla“ (norw. blau - so auch der Originaltitel, der wohl in der Übersetzung von Ursel Allenstein marketingtechnischen Überlegungen weichen musste) und einer besonderen Fracht, der später noch eine wichtige Rolle zukommt, begibt sich Signe auf die Reise nach Südfrankreich, wo sie ihren ehemaligen Geliebten zur Rede stellen will. In Rückblenden erschließt sich ihre Geschichte: Der Streit um die Stauung eines Flusses für die Stromgewinnung zerreißt ihre Familie. Während die Mutter vor allem den Profit sieht, will der Vater die Natur schützen.

Eine zerrissene Familie findet sich auch in der deutlich beklemmenderen zweiten Ebene: David, der auf dem Weg von seiner Frau und seinem kleinen Sohn getrennt wurde, flüchtet mit seiner Tochter Lou im Jahr 2041 aus dem Dürre geplagten, verödeten Südeuropa, in dem verheerende Waldbrände herrschen, in die nördlichen „Wasserländer“, die aber keine Flüchtlinge mehr aufnehmen wollen oder können. Eindrücklich schildert Maja Lunde, die dafür aufwendig recherchierte, die Lage in den Camps: Reibereien zwischen den Bewohnern, Ungewissheit, Entwurzelung, Traumatisierung. Ein bisschen Hoffnung keimt erst auf, als Vater und Tochter in der Nähe des Lagers in einem verlassenen Garten ein altes Segelboot entdecken. Denn nur wo Wasser ist, ist Leben.

Der Leser kann sich gut in die Lebenswelten der Figuren einfühlen, besonders rührt die Situation der beiden Flüchtenden an. Man ist froh, dass die Autorin ihren Figuren zumindest die Hoffnung lässt. Maja Lundes Dystopie bietet reichlich Denkanstöße und erinnert daran, dass selbst etwas für uns so Selbstverständliches wie Wasser nicht unendlich vorhanden ist. Das bewährte „Strickmuster“ der 1975 geborenen Norwegerin funktioniert auch im zweiten Buch. Ob sich die Leser so noch zwei weitere Bücher bei der Stange halten lassen, wird sich weisen.

(S E R V I C E - Maja Lunde: „Die Geschichte des Wassers“, btb Verlag, 480 S., 20,60 Euro)