Crossing Europe: Filmischer Fokus auf Rechtspopulismus in Deutschland
Linz (APA) - Rechtspopulismus und Nationalismus sind ein großes Thema der diesjährigen Festivalausgabe von „Crossing Europe“. So begleitet d...
Linz (APA) - Rechtspopulismus und Nationalismus sind ein großes Thema der diesjährigen Festivalausgabe von „Crossing Europe“. So begleitet der Film „Meuthen‘s Party“ den AfD-Politiker Jörg Meuthen im Landtagswahlkampf in Baden-Württemberg, wo er Spitzenkandidat war und mit seiner Partei aus dem Stand mehr als 15 Prozent schaffte. „Montags in Dresden“ taucht in die Welt von Pegida-Aktivisten ein.
Der grau melierte Wirtschaftsprofessor Meuthen ist immer freundlich, immer verbindlich. In moderatem Ton schleift er radikale Äußerungen von Parteikollegen ab, diskutiert mit Gegendemonstranten und gibt ihnen das Gefühl, dass man durchaus auch gemeinsame Positionen habe. Nur wenn Rechtsausleger Markus Frohnmaier anruft, muss die Kamera ausgeschaltet werden.
Interessant sind die Einblicke in die Recherchemethoden der AfD: Im Internet und von „den Menschen“ erfahre man interessante Dinge, erläutert ein Mitarbeiter Meuthens. So sei es etwa in einer Gemeinde „Talk of the Town“ gewesen, dass dort ein bei den Silvesterübergriffen in Köln eingeloggtes Handy aufgetaucht sei. Die Medien hätten das nicht veröffentlichen wollen, kritisiert er - bevor er zugeben muss, dass auch er die Sache nicht verifizieren konnte. Regisseur Marc Eberhardt folgt Meuthen als Chronist. Seinen Kommentar verfasst er non-verbal, indem er die harten Töne auf AfD-Veranstaltungen mit mächtigen, klassisch-sakralen Klängen übermalt.
Der Film „Montags in Dresden“, für den Regisseurin Sabine Michel ein Jahr lang Pegida-Aktivisten begleitet hat, ist ähnlich gestrickt. Auch sie beschränkt sich auf eine rein beobachtende Warte und bedient sich eines Stilmittels, um eine subjektive Ebene zu schaffen: Wenn die wöchentliche Demo voll im Gange ist und „Wir sind das Volk“, „Merkel muss weg“ oder - angesichts von Migranten am Straßenrand - „Haut ab“ skandiert wird, blendet Michel auf Schwarz-weiß und weckt so Assoziationen an die 1930er-Jahre.
Im Zentrum der Beobachtungen steht nicht die Pegida-Bewegung an sich, sondern eine Reihe von Menschen, die mitmachen - ein fundamental christlicher Geschäftsführer, der fürchtet, dass wir „denen, die kommen, nichts entgegenzusetzen haben“, weil die „ihren Gott mitbringen“. Oder eine alleinerziehende Mutter, die ihren autistischen Sohn zur Kundgebung mitnimmt, und aus Angst vor Bürgerkrieg im Keller kistenweise Konserven bunkert.
Weitere Filme im Festivalprogramm befassen sich ebenfalls mit dem Thema Rechtspopulismus: In „Jupiters Moon“ - gemeint ist der angeblich Leben ermöglichende Mond Europa - erzählt der ungarische Filmemachers Kornel Mundrucz eine fiktionale Geschichte über einen Flüchtling, der sich nach einer Schussattacke in ein höheres Wesen verwandelt. Ein weiterer Beitrag zum Thema ist die britisch-russische Produktion „Brexitannia“ über den Brexit. In „Germania“ begleitete Regisseur Lion Bischof die gleichnamige Münchner Studentenverbindung. Beiträge aus Österreich zu diesem Themenkomplex fehlen allerdings.
(S E R V I C E - http://crossingeurope.at/)
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