Musikalische Schädel-Jagd: Johann Allachers „Der Knochentandler“

Wien (APA) - „Der Tod muss ein Wiener sein“, schrieb schon Georg Kreisler. Und Tote gibt es im Wien des Johann Allacher reichlich. „Der Knoc...

Wien (APA) - „Der Tod muss ein Wiener sein“, schrieb schon Georg Kreisler. Und Tote gibt es im Wien des Johann Allacher reichlich. „Der Knochentandler“, der zweite Roman des Wiener Autors, der für seine humorvollen Dialektgedichte bekannt ist, ist ein witziger, abwechslungsreicher Regionalkrimi mit origineller Handlung und reichlich Lokalkolorit.

In „Der Knochentandler“ gibt es ein Wiedersehen mit Hauptfigur Eric „Erki“ Neubauer, der schon in Allachers „Der Watschenmann“ (2016) mit dem Gesetz in Schwierigkeiten geriet. Langzeitstudent Erki hatte seiner Freundin eigentlich versprochen, sich von seinem Stammlokal fernzuhalten, aber Caterina weilt in den USA und Erki landet eben wieder im „Tschecherl“. Nach einer durchzechten Nacht erwacht er schwer verkatert und voller Gewissensbisse in seinem Bett, neben ihm eine Tasche mit einem alten Totenschädel. Kurz darauf steht die Polizei wegen eines Mordes vor der Tür. Erki gehört zu den letzten Personen, die den getöteten Altwarenhändler lebend gesehen haben - nur kann sich der Student leider an nichts erinnern.

Als er Fragen zu stellen beginnt - und aufsehenerregende Antworten zutage fördert - und den Schädel am Falco-Grab am Zentralfriedhof zu Geld machen will, wird es für Erki lebensgefährlich, denn auf einmal sind alle hinter dem Totenkopf her. Erki gerät ins Visier undurchsichtiger und vor allem skrupelloser Geschäftsleute mit Verbindungen zum Balkan. Und auch ein renommierter Musikkritiker verbirgt finstere Abgründe. Was mit einem verkaterten Morgen beginnt, endet schließlich in einer rasanten Fahrrad-Verfolgungsjagd auf der Augartenbrücke.

Johann Allacher, Musiker und Wiener Dialektdichter, hat sein Buch der Musik der Stadt und ihren Musikern gewidmet, dabei zeichnet er ein Bild der Hauptstadt abseits von Walzerseligkeit. Mit Schmäh geht es durch Vorstadt-Beisln mit ihrem bunten, skurrilen Publikum, in die Staatsoper und auf den gar nicht so friedlichen Zentralfriedhof. Neben Musik ziehen sich Wiederauferstehung und Morbidität durch das Buch, dem ein Falco/Qualtinger-Zitat vorangestellt ist: „In Wien musst erst sterben, dass sie dich hochleben lassen. Aber dann lebst lang.“

Mit seinem wendigen Plot unterhält der Autor seine Leser sehr gut. Sprachlich ist Allacher wohl Geschmacksache: Seine humorvoll gemeinten Umschreibungen kann man auch auf die Dauer witzig finden, muss man aber nicht. Insgesamt ein leicht zu lesender, vergnüglicher Stadtkrimi.

(S E R V I C E - Johann Allacher: „Der Knochentandler“, Emons Verlag, 256 Seiten, 11,30 Euro)


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