Knigge für Russland: Was man im Land der Zaren besser nicht macht

Die Russen gelten als laut, herzlich und unkompliziert. Trotzdem kann man sich auch in Russland mit dem falschen Verhalten ordentlich ins Fettnäpfchen setzen.

Blick auf den Kreml.
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Moskau – Die herzliche Gastfreundschaft der Russen ist weltweit bekannt. Wenn sich die Gäste aber daneben benehmen, hört auch für den gastfreundlichsten Russen der Spaß auf. Wir haben eine Knigge zusammengestellt, damit der Russland-Aufenthalt nicht zur Fettnäpfchen-Falle wird.

1. Essen: Beim Essen kann man in Russland einiges falsch machen. Es versteht sich von selbst, dass ordentliche Manieren auch bei Russen gerne gesehen sind. Wird man eingeladen, sollte man unbedingt den Teller leer essen und nichts zurücklassen, sonst fühlen sich Hausherrin oder Hausherr gekränkt. Auch in Restaurants kann es passieren, dass man gefragt wird, warum man nicht aufgegessen hat. Das könnte als Beleidigung gegenüber dem Koch gewertet werden. Das Zahlen sollte immer der Mann übernehmen. In Russland gehört das zur Etikette.

Beim Essen sollte man in Russland einiges beachten.
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2. Schuhe anlassen: Wird man in ein Privathaus oder eine Wohnung eingeladen, sollte man unbedingt die Schuhe an der Tür ausziehen. Darauf legen Russen enormen Wert. Sie selbst ziehen ihre Schuhe, sobald sie nach Hause kommen, immer aus und wechseln zu Hausschuhen („Tapotschki“). In der Regel bieten sie Gästen auch Hausschuhe an.

Schuhe sollten vor der Tür bleiben. (Symbolfoto)
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3. Rauchen und Trinken: Den Gedanken an Russland verbindet man fast zwangsläufig mit Vodka und Zigarren. Wer jetzt glaubt, er könne im Russland-Urlaub ungehemmt dem Tabak- und Alkoholkonsum frönen, der sei gewarnt: Trinken im öffentlichen Raum ist verboten. Alkohol kann mittlerweile nur zu Hause oder in zugelassenen Einrichtungen konsumiert werden. In einigen Kinos und Einkaufszentren sind Bier und Wein erlaubt, aber nur, wenn sie dort gekauft wurden. Mit dem Rauchen verhält es sich ähnlich: In weiten Teilen des öffentlichen Raums gilt Rauchverbot. Man darf auf der Straße – aber nicht näher als 15 Meter vom U-Bahn- oder Bahnhofseingang entfernt – im eigenen Auto sowie in speziellen Raucherzimmern, die auf Russisch „kurilka“ heißen, rauchen. Es kam sogar schon zu Gerichtssprüchen, wo Raucher, die auf dem Balkon geraucht hatten, ihre Nachbarn entschädigen mussten.

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Symbolfoto.
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4. Anrede: Frauen sollte man nicht als „Frau“ (Russisch: „schenschina“) bezeichnen, das kommt einer Beleidigung gleich. Besser ist, man nennt sie Fräulein, auch wenn sie schon gehobeneren Alters sind. Nichts falsch kann man machen, wenn man sein Gegenüber einfach mit dem Namen anspricht. Ebenso sollte man sich bei Fragen zu Gehalt, Alter und allzu persönlichen Dingen zurückhalten. Darüber wollen Russen – wenn überhaupt – nur mit Freunden und Familie sprechen.

Frauen in Russland werden oft mit "Fräulein" angesprochen.
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5. Fortbewegung: Die ersten Fehler, die man als Russland-Reisender machen kann, fangen schon am Flughafen an. Man sollte keinesfalls die erstbesten Taxis am Ausgang nehmen, denn die Fahrer schlagen ungefähr das Dreifache vom regulären Preis drauf. Straßen überqueren könnte gerade in Großstädten gefährlich sein, daher sollte man im besten Fall immer Ausschau nach einer Unterführung halten. In öffentlichen Verkehrsmitteln sollte man übrigens wie bei uns auch Älteren oder Schwangeren den Platz anbieten. Männer stehen in der Regel sogar für Frauen auf.

(Symbolfoto)
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6. Personalien: Die Polizei in Russland kann Personen jederzeit auf offener Straße anhalten und ihre Identität überprüfen. Dazu sollte man also unbedingt Personalausweis oder Reisepass dabeihaben. Hat man das nicht, können die Beamten einen bis zu drei Stunden in Gewahrsam nehmen. Polizisten können Personen auch verhaften, wenn diese betrunken sind, daran sollte man auch als Tourist denken. Außerdem streng verboten: Drogen- oder Waffenbesitz.

Polizeibeamte in Russland.
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7. Stolz: Die russische Seele ist seit jeher für ihren Stolz bekannt. Als Ausländer sollte man darauf unbedingt Rücksicht nehmen: Viele Missverständnisse geschehen allein aufgrund dieser Tatsache. Viele Russen sind sehr patriotisch und halten die Errungenschaften ihrer eigenen Landsleute in großen Ehren. Im Gespräch sollte man also keinesfalls auf negative Entwicklungen im Land oder Fehlverhalten russischer Persönlichkeiten hinweisen, das könnte die Stimmung zum Bröckeln bringen. Hinzu kommt, dass Hierarchiedenken in Russland sehr ausgeprägt ist. Das sollte man sowohl bei Geschäfts- als auch bei Privatreisen berücksichtigen.

(Symbolfoto)
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8. Kleidung: Russen legen auf ihr eigenes Aussehen viel Wert – und so verhält es sich auch mit der Erscheinung ihres Gegenübers. Nicht umsonst besagt ein russisches Sprichwort: „Man heißt einen nach seiner Kleidung willkommen und nimmt nach Klugheit von ihm Abschied“. Vor allem hochpreisige Markenkleidung ist den Russen wichtig, weil sie ein Indikator für Macht und Wohlstand ist.

Die weiße Bluse darf im Schrank keinesfalls fehlen.
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