Der Tiroler Schütze aus Südafrika

Vor über 50 Jahren ging Walter Simeoni aus Innsbruck nach Südafrika – und machte Karriere. Seiner Heimat ist er treu geblieben.

Walter Simeoni nmitten seiner Schützenkollegen beim Alpenregionstreffen.
© Simeoni

Innsbruck, Kapstadt — Das Alpenregionstreffen der Schützen vor wenigen Tagen in Mayrhofen lockte Tausende Gäste und Schützen an. Walter Simeoni dürfte dabei wohl die längste Anreise gehabt haben. Er ist in Igls bei den Schützen — und das, obwohl er vor über 50 Jahren nach Südafrika ausgewandert ist.

Es sei damals ein Abenteuer gewesen, das ihn von der Heimat weggelockt hatte. Anfang 20 war Simeoni damals. „Mehr als Innsbruck habe ich nicht gekannt. Ich habe dann das erste Mal im Leben das Meer gesehen", erzählt er, als er im TT-Verlagsgebäude auftaucht und seine Geschichte erzählt. Der Bursche aus „ärmlichen Verhältnissen", wie er sich selbst bezeichnet, hat dann aber Karriere gemacht. Über Dubai landete er 1967 in Kapstadt. Und begann in der Textilindustrie zu arbeiten. Schnell stieg er dort empor. Das Handwerk als Textilwebmeister, das er zuhause gelernt hatte, war der Nährboden für seinen Erfolg. Nach drei Jahren war er schon Vertreter für eine der größten Firmen des Landes. Dann ging es in verschiedenste Management-Positionen bis hin zum Firmen-Chef von zwei mittelgroßen Unternehmen. In den vergangenen 20 Jahren wurde Simeoni dann zum Direktor befördert. Letztlich wurde er Vorsitzender einer großen Textil- und Investment-Gruppe mit 18.000 Angestellten in 28 Firmen. Nebenbei war der Innsbrucker auch noch sechs Jahre Präsident der Internationalen Textil Manufacturing Federation (ITMF) in Zürich.

Walter Simeoni mit dem chinesischen Textilminister.
© Simeoni

„Hart arbeiten. Sechs Tage die Woche. 60 bis 70 Stunden die Woche", das seien seine Erfolgsrezepte gewesen, erklärt er. Auch heute noch würde er so arbeiten. Was der mittlerweile 73-Jährige derzeit auch noch macht. Er hat eine App mitentwickelt, die Baumwollanbauern auf aller Welt zur Verfügung gestellt wird und ihnen beim Anbau hilft. Der Ruhestand ist bei Simoni ganz offensichtlich einer in Unruhe.

Noch immer lebt der Tiroler in Südafrika. Die Zeiten der Apartheid in dem Land seien längst vorbei. Erinnerungen daran hat Simeoni noch lebhafte. Es waren bewegte und schwierige Zeiten, erzählt er. Die berufliche Vita von Simeoni ist lang. Er war teilweise Vorstandschef der größten südafrikanischen Textilfirma. Seine Heimat hat der mehrfache Vater nie vergessen. Mittlerweile kommt er alle acht bis zehn Wochen nach Tirol. „Seit ich im Ausland war, weiß ich zu schätzen, wie schön es in Österreich ist. Die Menschen hier wissen gar nicht, in welchem Paradies sie hier leben", sagt er.

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Zurück zum Schützentreffen im Zillertal. Von dem zeigte sich Walter Simoeni ganz besonders begeistert. Er zeigt sich stolz, dabei gewesen zu sein — mindestens so stolz wie auf seine eigene Karriere. Die als Abenteuer begann — und letztlich zwei Welten vereinte. (mw)


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