„Alles Theater“: Das ewige Enfant terrible Hubsi Kramar wird 70

Wien (APA) - Ungewöhnlich hat Hubsi Kramar im März im Wiener Rabenhof seinen 70er gefeiert: über drei Monate zu früh und mit einem Leonard C...

Wien (APA) - Ungewöhnlich hat Hubsi Kramar im März im Wiener Rabenhof seinen 70er gefeiert: über drei Monate zu früh und mit einem Leonard Cohen-Abend. „Sympathische Anmaßung“, urteilte der „Presse“-Kritiker, schließlich ist Kramars Sangeskunst nicht gerade das, was den rastlosen Off-Theater-Mann bekannt und beliebt gemacht hat. Am Mittwoch (27. Juni) steht nun auch kalendarisch sein Geburtstag an.

„Ich kann eigentlich nicht singen, aber als Bühnenmensch bin ich schamlos. Wenn du nicht eine gewisse Chuzpe hast, darfst du eh gar nicht erst auf die Bühne“, rechtfertigte sich Kramar noch vor seiner Geburtstagsgala. Doch 2018 ist sowieso ein multiples Jubiläumsjahr für den Schauspieler und Regisseur, Autor und Aufrührer: Vor 50 Jahren stand er zum ersten Mal auf der Bühne, vor 40 Jahren produzierte er seine erste Solo-Show, vor 20 Jahren trat er erstmals als Adolf Hitler auf. Und noch immer weist der prononcierte Linke unermüdlich darauf hin, dass man als Künstler wie Staatsbürger eine Verantwortung habe, vor der man sich nicht drücken dürfe. „Ich galt mit 60 noch immer als das Enfant terrible der Szene. Das sagt doch alles!“

Geboren wurde Hubsi Kramar am 27. Juni 1948 in Scheibbs im Mostviertel. Nach der Matura zog es den einstigen Bürgersohn, der sich gegen sechs Geschwister behaupten musste, zunächst in die Welt, bevor er in den 1970ern am Max Reinhardt Seminar und später an der Filmakademie studierte. Auch bei Jerzy Grotowski in Polen, bei Jerome Savary in Paris und am La MaMa Theatre in New York nahm er Unterricht. Dem Kulturmanagement widmete er sich dann in Harvard.

Ab Ende der 1970er-Jahre gründete er mehrere eigene Theatergruppen, so die Showinisten als freies Theater für satirische Revue, das Theater Direkt, TAT-Teata oder WEARD t.atr. Am Theater der Jugend und dem Theater Gruppe 80 war Kramar unter anderem als Regisseur tätig.

Angesichts der damaligen schwarz-blauen Regierung besuchte er im Jahr 2000 als Adolf Hitler kostümiert den Opernball und wurde verhaftet. Seine schnauzbärtige Kunstfigur, die er nicht auf reine Parodie angelegt haben will („Ich suche in der Figur ja eher den kleinen Hitler in mir selber.“), machte ihn einer breiten Öffentlichkeit so bekannt wie später sein „Tatort“-Polizeichef Ernst Rauter, den er seit 2004 als Vorgesetzter von Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) verkörpert.

Mit dem 3raum-anatomietheater in der ehemaligen Veterinärmedizinischen Universität in Wien-Landstraße verwirklichte er sieben Jahre lang seinen Traum einer eigenen Theaterfamilie. Dort feierte er mit Mitstreitern wie Lucy McEvil, Stefano Bernardin und Markus Kofler u.a. mit Oscar-Wilde-Inszenierungen Erfolge und sorgte 2009 mit seiner Kellersoap „Pension-F.“, einem satirischen Format über den Umgang der Medien mit dem Amstettener Inzestfall, für Aufsehen und weltweites Medieninteresse. 2012 lief der Mietvertrag aus. Er sperrte zu und war „heilfroh, dass nach 40 Jahren die 18-Stunden-Tage ein Ende hatten“.

Neben seiner Theaterarbeit war Kramar ab Mitte der 70er-Jahre auch in über 60 TV- und Kinorollen zu sehen, darunter Axel Cortis „Jakob der letzte“, Dieter Berners „Alpensaga“ oder auch Steven Spielbergs „Schindlers Liste“. Auch im „Tatort“ oder dem „Kaisermühlen Blues“ war Kramar zu Gast.

„Ich bedanke mich dafür, dass ich 70 wunderbare Jahre leben und schaffen durfte. Am schönsten ist es für mich, anderen Freude zu bereiten. Mein Leben: Alles Theater. Und was für eins!“, lautet Kramars Botschaft an das Rabenhof-Publikum, wo sein Leonard Cohen Abend „Dance Me To The End Of Love“ ab 12. November wieder aufgenommen wird. Aber Leben und Liebe sind noch lange nicht zu Ende getanzt. Er habe kürzlich die überraschende Anfrage für einen Stepptanz-Abend bekommen, erzählte Kramar der APA. „Das mach ich dann als Gala zu meinem 90er...“

(S E R V I C E - http://hubsikramar.net)

(B I L D A V I S O – Bilder von Hubsi Kramar wurden am 16.3. über den AOM verbreitet und sind dort abrufbar.)