1918/2018 - Steirische Wanderschau „Im Zeitalter der Extreme“

Graz (APA) - In der Steiermark haben fünf Schulen, 48 Gemeinden und 45 Fachleute aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Vereinen in einem...

Graz (APA) - In der Steiermark haben fünf Schulen, 48 Gemeinden und 45 Fachleute aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Vereinen in einem Projekt eine Wanderausstellung zum Thema „1918/2018 - Im Zeitalter der Extreme“ gestaltet. Die Demokratie als nicht selbstverständliche politische Konzeption wird u.a. in ihrer „Polarnacht“ von 1934 bis 1945 skizziert, auch ihr erster „Sonnenaufgang“ in Österreich 1918.

Die Schau wird nun im Museum für Geschichte in Graz gezeigt. Die Polytechnische Schule Eisenerz hat beispielsweise ein „Eisenerzer Kriegstagebuch 1914-1918“ auf einer Schautafel zusammengestellt. Das örtliche Stadtmuseum hat viel Bildmaterial hergegeben - so werden vergessene Kapitel der Regionalgeschichte mit globalem Geschehen verknüpft: Anfangs wurden im Ersten Weltkrieg am Erzberg wegen Arbeitskräftemangel noch jüdische Landsturmmänner eingesetzt, die von russischen Kriegsgefangenen „abgelöst“ wurden.

Das Gymnasium der Ursulinen hat auf Englisch verschiedene Szenarien entworfen - „The EU now and in the future“, in einem Best-case-Szenario und in einem nicht so optimalen umgesetzt. Feindbilder der unmittelbaren Nachkriegszeit haben Schüler in Zeitzeugeninterviews bezüglich Übergriffen sowjetischer Soldaten zu skizzieren versucht.

Die Zeitzeugengespräche enthüllten bisweilen überraschende Schwerpunkte der Geschichtskenntnisse der Befragten. Rund 150 wurden geführt, dabei waren das Wie und Wo der Schlacht von Stalingrad 1942/43 ausführlich bekannt, so der Gesamtleiter des Projekts, Christian Ehtreiber von der Arge Jugend gegen Gewalt und Rassismus. „Der Marshallplan, der Österreich nach 1945 auf die Beine half, wurde von niemanden auch nur erwähnt“, sagte Ehtreiber.

Das Thema Migration wird von zwei Seiten beleuchtet und auch der Zusammenhang von Wohlstand und sozialer Sicherheit hergestellt: Österreich-Ungarn und das nachmalige Österreich waren noch bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg Auswanderungsstaaten. Erst danach kam es zu einem Zuzug von Migranten.

Dass Demokratie nicht bloß „Macht der Gewohnheit“ und eine Selbstverständlichkeit sowie die selbstverständliche Konzeption des Zusammenlebens ist, stellen Schüler auf einer Schautafel mit Zahlen dar: Im Demokratieindex der Zeitschrift „Economist“ sind von 193 Staaten nur 19 als „vollständige Demokratien“ gelistet. Dies seien gerade einmal 11,4 Prozent der Staaten mit nur 4,4 Prozent der Weltbevölkerung. 62 Prozent der Weltbevölkerung leben in 57,5 Prozent der Staaten in „unvollständigen Staaten“ oder „Hybridregimes“.

Neben den Schautafeln werden in kleinen Vitrinen staatliche Dokumente aus extremen Zeiten gezeigt, mit denen man heute gar nichts mehr anfangen kann oder die historisch belastet sind - Soldbuch der deutschen Wehrmacht, Ariernachweis, Familienstammbaum, Arbeitsbuch - aber auch der letzte Feldpostbrief eines Soldaten an seine Familie.

Die Ausstellung ist bis 9. Juli jeweils Mittwoch bis Sonntag von 9 bis 17 Uhr zu sehen, danach wandert sie nach St. Jakob im Walde im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld. Station wird sie bis Ende 2019 in allen steirischen Regionen machen, die sich laut Bildungslandesrätin Ursula Lackner (SPÖ) um die Schau „gerauft“ haben.

(S E R V I C E - Nähere Info unter www.argejugend.at bzw. auf Facebook unter www.facebook.com/argejugend/ abrufbar.)