Ehemaliger Boxer 2 - Begleiter wollte tödlich Verletztem noch wehtun

Wien (APA) - Neben dem ehemaligen Boxer muss sich auch einer seiner damaligen Begleiter - ein 27-jähriger Bauingenieur aus Afghanistan, der ...

Wien (APA) - Neben dem ehemaligen Boxer muss sich auch einer seiner damaligen Begleiter - ein 27-jähriger Bauingenieur aus Afghanistan, der 2016 aufgrund von Schwierigkeiten mit den Taliban nach Österreich geflüchtet war - vor dem Schwurgericht verantworten. Ihm legt die Anklage versuchte absichtlich schwere Körperverletzung zur Last.

Der Mann soll versucht haben, dem bereits tödlich Verletzten noch einen wuchtigen Tritt gegen den Kopf zu versetzen. Der von acht Messerstichen verwundete 22-Jährige war aus der U-Bahn-Station geflüchtet, ehe ihn die Kräfte verließen und er sich auf den Gehsteig setzte, wobei er sich mit dem Rücken gegen einen Stromkasten lehnte. Der Afghane soll in Verletzungsabsicht zu dem blutüberströmten Mann gelaufen sein, diesen mit seinem Kick aber verfehlt haben, wie Gerichtsmediziner Christian Reiter bestätigte. Bei der Leichenöffnung fanden sich keine Hinweise auf Blutunterlaufungen im Schädelbereich, die bei einem Treffer unumgänglich gewesen wären.

„Ich war in einem betrunkenen Zustand. Aber ich wusste nicht, dass der Mann schon verletzt wurde. Ich habe das Messer nicht gesehen“, erklärte der mitangeklagte Afghane, der sich ebenso wie der des Mordes beschuldigte Tschetschene seit 1. Oktober in Haft befindet. Er sei „aufgebracht“ gewesen, weil die Serben auf ihn und seine Freunde losgegangen waren.

Als Zeugen vernommen wurde der 25-jährige Serbe, der dank rascher notärztlicher Hilfe insgesamt fünf Stiche in Brust und Achselhöhle überlebt hatte. Er behauptete, die Aggression wäre vom Hauptangeklagten und dessen Begleitern ausgegangen. Speziell der Cousin des 22-Jährigen hätte sich „wie ein Tier benommen“, führte der Mann aus. Und weiter: „Er hat mit seinem Körper gezeigt, dass er mich angreifen will. Da habe ich auf ihn eingeschlagen.“ Auf den Bildern aus der Videoüberwachung ist eine angebliche Angriffshaltung des Tschetschenen allerdings nicht zu sehen. Es sei „nicht alles aufgenommen“, meinte der Serbe dazu.

Der 25-Jährige wurde in dem Ermittlungsverfahren ursprünglich unter einem anderen Namen und einer anderen Nationalität als Zeuge geführt. Wie sich im Zuge der Erhebungen herausstellte, war er mit einem gefälschten bulgarischen Reisepass nach Österreich gekommen. Er ist in seiner serbischen Heimat zur Verbüßung einer vierjährigen Haftstrafe, die aus einer Verurteilung wegen Drogenhandels resultiert, zur Festnahme ausgeschrieben. Mittlerweile befindet sich der 25-Jährige in Auslieferungshaft.

Die an sich bis 15.30 Uhr ausgeschriebene Mordverhandlung wird sich erheblich verzögern. Um 15.30 Uhr warteten noch einige geladene Zeugen auf ihre Einvernahme. Mit den Urteil dürfte nicht vor 20.00 Uhr zu rechnen sein.