Viele Hürden für neuen Lift in Kramsach
Der Kramsacher Sepp Kreidl lässt nicht locker: Er und sein Verein wollen eine neue Sesselbahn auf das Sonnwendjoch bauen. Zahlreiche Gemeinden stehen hinter ihnen.
Kramsach – Die Stützen und zwei leerstehende Gebäude erinnern noch an die Sonnwendjochbahn in Kramsach. Bis vor drei Jahren brachte die in die Jahre gekommene Aufstiegshilfe Zigtausende Wanderer ins Rofangebirge mit dem beliebten Wanderziel Ziereiner See. Dann kam das Aus, die Anlage war vollkommen überaltert, eine Sanierung technisch und finanziell nicht mehr möglich. Für den Kramsacher Unternehmer Sepp Kreidl steht aber fest, dass die Bahn in Form eines Doppelsesselliftes wiederbelebt werden muss. „Wir brauchen ihn wie die Butter aufs Brot“, meint der Unternehmer. Für ihn müssten in der Region schon lange die Alarmglocken schrillen, „man muss nur die Entwicklung am Hotelsektor betrachten“. Denn in Kramsach gebe es immer weniger Gästebetten.
Seit einem Jahr versucht er daher, mit dem Verein „Naturjuwel Rofan“ den Neubau voranzutreiben. Mittels Crowdfunding (Infos auf www.rofan.tirol) will er Geld für den rund 5,2 Mio. Euro teuren Neubau auftreiben. „Im Rahmen der Aktion können wir uns derzeit auf rund 300.000 Euro stützen. Wertvoll ist die finanzielle Zusage der Gemeinde Kramsach. Und die liegt bei jährlichen 100.000 Euro über 14 Jahre. Bei Bedarf sollte das auch noch für weitere sechs Jahre der Fall sein. In den nächsten zwei bis drei Wochen wollen wir eine Genossenschaft gründen“, verrät Kreidl. „Warum ich mir das antue, frage ich mich schon zwischendurch“, sagt er grübelnd zur TT. Dabei tickt für ihn auch die Uhr. Kreidl möchte die Stützen der alten Bahn nützen, aber deren Tage sind gezählt. Bis 30. Juni, so ist bei der zuständigen Abteilung des Landes Tirol zu erfahren, will man dort wissen, wie es weitergeht. Aber man räume Kreidl notfalls noch etwas mehr Zeit ein, wie man von Georg Zepharovich erfährt. Aber nicht unendlich, warnt er.
Ein wesentlicher Punkt für den Kramsacher Unternehmer ist die Unterstützung durch die Bürgermeister der Region. Daher war die Sonnwendjochbahn neu auch Thema bei der Sitzung des regionalen Planungsverbandes. Und da stellten sich acht Bürgermeister auf die Seite des Vereins, genauso wie der TVB Alpbachtal Tiroler Seenland und an die Region angrenzende Gemeinden. Der Lift alleine wäre jedoch zu wenig, darüber sind sich alle einig. Daher ist am Berg ein zwei Millionen Euro teurer barrierefreier Erlebnisweg geplant.
Als nächster Schritt wird eine Abordnung der Bürgermeister bei LHStv. Josef Geisler vorsprechen. Kernthema werde ein Zuschuss für Kleinstskigebiete und sonstige finanzielle Unterstützung sein. Und da kann Kreidl auf die volle Unterstützung des VP-Landtagsabgeordneten Alois Margreiter (Bürgermeister von Breitenbach) bauen. „Wir brauchen eine Attraktion nördlich des Inns, da gibt es sonst nichts“, stimmt dieser Kreidl zu. Und ein solches Projekt sei möglich, erinnert Margreiter an den Kufsteiner Kaiserlift, der ebenfalls neu gebaut wurde. Das Um und Auf seien aber die Betriebskosten „und wer im Falle des Abgangs diese trägt“, fügt der Landespolitiker an.
Wesentlich sind laut Margreiter auch die Grundbesitzer und die Gemeinde Münster. Nur der dortige Bürgermeister Werner Entner zeigt sich verschnupft: „Offiziell habe ich vom Projekt erstmals im Planungsverband gehört. Weil es sich vor allem auch um Münsterer Gebiet handelt, wird man mit uns reden müssen.“ Zudem zeigt Entner jetzt schon einen großen Stolperstein auf: Er schließt eine Flächenwidmung am Berg aus, „denn da habe ich die Erschließungspflicht am Hals“. Auch allfälligen finanziellen Leistungen steht er kritisch gegenüber. Der Dorfchef wird in der nächsten Zeit den Gemeinderat mit dem Projekt beschäftigen.
Es gibt also für Sepp Kreidl noch viel zu tun, bis die Bahn anfahren kann. (zw, wo)
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