Arbeitszeit: Entschlossene Stimmung 2 - „Sind schon flexibel“
Wien/St. Pölten (APA) - Mit Transparent anwesend war etwa Michael Träger, Betriebsratschef bei der Robert Bosch AG. Er sei da, weil ihm die ...
Wien/St. Pölten (APA) - Mit Transparent anwesend war etwa Michael Träger, Betriebsratschef bei der Robert Bosch AG. Er sei da, weil ihm die „Thematik 12-Stunden-Tag und 60-Stunden-Woche am Herzen“ liege: „Die Art und Weise, mit der die Bundesregierung bei diesem Thema mit den arbeitenden Menschen umgeht, läuft nach dem Motto ‚friss und stirb‘ - nicht mit oder, sondern mit und“, kritisierte er im Gespräch mit der APA.
Peter Grandits, Konzernbetriebsrat beim Bauriesen Porr von der Gewerkschaft Bau Holz (GBH), erklärte, dass seine Kollegen Tonnen am Tag bewegen würden. „Ich kann das Wort Flexibilität nicht mehr hören“, sagte er unter Applaus. „Wir am Bau sind die flexibelsten, die es überhaupt gibt. Wir fahren zur Baustelle, wir arbeiten im Schichtbetrieb, im Tunnel - Tag und Nacht.“
Der Porr-Betriebsrat lud den Kanzler (Sebastian Kurz, ÖVP) und den Vizekanzler (Heinz Christian Strache, FPÖ) dazu ein, einfach nur zwölf Stunden bei 33 Grad an einer Autobahnbaustelle zu stehen. Es könne nicht sein, dass sich die Arbeitswelt um 100 Jahre zurückentwickle.
Christian Hackl von der PRO-GE und Betriebsrat bei Manner sagte: „12-Sunden-Arbeitstage mag man eben nicht. Das lassen wir uns nicht gefallen. Wir gehen auf die Barrikaden.“
Korinna Schumann, ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende, warnte im Besonderen davor, dass die Pläne der Bundesregierung bei der Umsetzung Frauen noch stärker in die Teilzeit oder gar aus dem Arbeitsmarkt drängen würden. Das habe mit Kinderbetreuung und Pflege der älteren Verwandten zu tun. Die zweifache Mutter Natascha Feigl von der Gewerkschaft vida, eine Heimhelferin, sagte, sie habe „Angst“ wegen der Arbeitszeitpläne. „Wir rennen schon mit sehr vielen Stunden draußen. 60 Stunden sind unmöglich, wirklich unmöglich“, sagte sie. „Sehr viele alleinerziehende Frauen haben keine Omis, die auf die Kinder aufpassen können.“
Der Arbeitsinspektor Ferdinand Loidl (GÖD) ging auf höhere Unfallrisiken nach besonders vielen Arbeitsstunden ein. Staatsbedienstete seien auch betroffen: Über das Arbeitszeitgesetz und das Arbeitsruhegesetz in ausgelagerten Betrieben des Bundes. Ein „absolutes No Go“ seien die Pläne für die Verkürzung der derzeit vorgeschriebenen Ruhe zwischen zwei Arbeitstagen im Gastgewerbe, die auf acht Stunden sinken sollen. „Da sollten wir alle dagegenhalten.“ Er sprach sich für eine Arbeitszeitverkürzung aus.
Alle Betriebsräte riefen zum Besuch der ÖGB-Demonstration am Samstag ab 14 Uhr in Wien auf: „Je mehr desto besser.“
Auch in Niederösterreich, der Steiermark, Tirol und dem Burgenland fanden bzw. finden am Montag Konferenzen gegen die von ÖVP und FPÖ geplanten Änderungen bei der Arbeitszeit statt. In St. Pölten fanden sich rund 1.650 Betriebsräte, Personalvertreter und Jugendvertrauensräte aus allen sieben Fachgewerkschaften und aus allen Bezirken Niederösterreichs zu einer Konferenz ein. AK-NÖ-Präsident und ÖGB-NÖ-Vorsitzender Markus Wieser betonte laut einer Aussendung: „Wir sagen ganz klar, Flexibilisierung ist keine Einbahnstraße. Wenn die Regierung trotzdem meint, Geisterfahrer spielen zu müssen, dann werden wir ihr zeigen, dass sie nicht in eine Einbahn, sondern in eine Sackgasse fahren.“
~ WEB http://www.oegb.at ~ APA475 2018-06-25/17:25
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