Fußball-WM: Schweden-Trainer Andersson - Der Mann, der nicht vergisst
Jekaterinburg (APA/dpa) - Schwedens Fußball-Nationalmannschaft war jahrelang vor allem Zlatan Ibrahimovic. Seit Janne Andersson das Team übe...
Jekaterinburg (APA/dpa) - Schwedens Fußball-Nationalmannschaft war jahrelang vor allem Zlatan Ibrahimovic. Seit Janne Andersson das Team übernommen hat, ist es wieder eine typisch schwedische Auswahl. Der 55-Jährige, dem ein fotografisches Gedächtnis nachgesagt wird, hat aus dem Team eine Einheit geformt. Dabei war die Teilnahme an der WM in Russland bei seinem Amtsantritt 2016 nicht einmal das Ziel.
Nach den Nationalteam-Rücktritten von Stürmerstar Ibrahimovic, Torhüter Andreas Isaksson oder Mittelfeld-Routinier Kim Källström sollte Andersson eigentlich ein Team für die EM 2020 aufbauen. Es kam ganz anders. Im Play-off setzten sich die Schweden gegen Italien durch, bei der WM brachten sie Deutschland an den Rande des Aus, am Mittwoch (16.00 Uhr/live oe24-TV) folgt in Jekaterinburg das Entscheidungsspiel gegen Mexiko.
Dass die Schweden in Russland überhaupt dabei sind, darin sind sich die schwedischen Medien und Spieler einig, ist vor allem ein Verdienst Anderssons. Der Mann aus Halmstad könne jede Spielszene nacherzählen, verfüge über ein fotografisches Gedächtnis, erzählt man sich beim schwedischen Team. Vor allem aber machte er aus einer Truppe, in der sich alle um Ibrahimovic versammelten, zu oft aber auch hinter ihm versteckten, ein starkes Kollektiv.
Eine der ersten Fragen von Andersson bei der Amtsübernahme soll gewesen sein: „Was für ein Team wollen wir sein?“ Die Antwort: Ein echtes, richtiges Team - ein schwedisches. „Es ist schwer zu beschreiben, was das Schwedische an ihm ist, aber ja, er ist der schwedischste Trainer, den ich je hatte“, sagte Innenverteidiger Pontus Jansson. „Er ist ein sehr guter Trainer und ein sehr guter Mensch. Er mischt sein Wissen als Trainer mit dem Wissen, das er als Mensch hat. Das ist seine Stärke“, ergänzte Stürmer Ola Toivonen.
Vor seinem Wechsel zum Nationalteam hatte Andersson mit Außenseiter IFK Norrköping überraschend den schwedischen Meistertitel geholt. „Er hört auf Leute und schafft Harmonie im Team“, sagte Scout Tom Prahl, der lange Jahre mit ihm zusammengearbeitet hat, über den Nationaltrainer.
Das hatte sich auch bei den Solidaritätsbekundungen für Jimmy Durmaz gezeigt, der nach dem von ihm verschuldeten Freistoß, der zur Niederlage gegen Deutschland geführt hatte (1:2), rassistischen Beleidigungen ausgesetzt war. „Ich war traurig über einige Kommentare, die über ihn gemacht wurden“, sagte Andersson. „Das war sehr unglücklich. Wir haben versucht, ihm zu helfen.“
Die Spieler hatten eine Welle der Solidarität für ihren Teamkollegen losgetreten. Verordnet war sie keineswegs von Andersson. Das Bedürfnis kam aus der Mannschaft, weil er das Klima dafür geschaffen hat. Wenig verwunderlich, dass der Teamchef auch kein Gehör für die Rückkehrgelüste von Ibrahimovic fand, nachdem die Schweden überraschend die WM erreicht hatten. Der Topstar hatte die Mannschaft 2016 verlassen - und Andersson ist keiner, der vergisst.
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