Aufregung in Lienz: Fotograf gab sich als Bergretter aus
Einen bisher einmaligen Vorfall meldet die Bergrettung Osttirol. Ein junger Mann hatte sich der Ortsstelle Prägraten als Bergretter vorgestellt. Er wird angezeigt.
Von Christoph Blassnig
Lienz –Die Bergretter haben so etwas noch nicht erlebt. „Wir sind zutiefst erzürnt und fassungslos“, ärgert sich Peter Ladstätter, Obmann der Bergrettung Osttirol, noch Tage nach dem Vorfall.
Anlass war eine Vermisstensuche vergangene Woche im Virgental. Die Polizei bat um Unterstützung bei einer Personensuche. Die Leitstelle Tirol informierte am Mittwoch um 15.58 Uhr den Einsatzleiter Siegfried Kratzer. Dieser erkundigte sich beim Alpinpolizisten Gabriel Villgrater genauer und forderte daraufhin bei der Leitstelle Tirol die Alarmierung der Bergrettungs-Ortsstelle Prägraten sowie Luftunterstützung durch die Libelle Tirol an.
20 bis 30 Minuten später traf ein junger Mann beim Bergrettungsheim Prägraten ein. Bekleidet war er mit einem Gilet der Bergrettung. Er sei von der Ortsstelle Lienz, gab der Mann an, und dass er bereit sei, die Mannschaft bei der Suche zu unterstützen. Einsatzleiter Siegfried Kratzer erkundigte sich, woher der Neuankömmling die Alarmierung bekommen habe. Per E-Mail von der Leitstelle, antwortete er. Er wurde gebeten abzuwarten, ob seine Dienste noch benötigt würden. Seine Angaben zur Alarmierung durch die Leitstelle konnten jedoch nicht stimmen, da keine weiteren Ortsstellen alarmiert worden waren.
Eine Viertelstunde später traf Alpinpolizist Gabriel Villgrater persönlich in Prägraten ein. Einsatzleiter Kratzer fragte ihn nach dem Namen des Unbekannten. Der Alpinpolizist, selbst Mitglied bei der Ortsstelle Lienz, wurde hellhörig, schließlich kennt er seine Kameraden in Lienz, den jungen Mann jedoch nicht.
Der vermeintliche Bergretter wurde nun vom Alpinpolizisten mehrmals nach seiner Zugehörigkeit befragt. Schlussendlich gab er an, der Ortsstelle Lavant anzugehören. Einer Ortsstelle, die es gar nicht gibt.
Weitere Befragungen durch die Polizei förderten endlich die wahre Identität des Mannes zutage. Wohnhaft im Bezirk, besitzt der österreichische Staatsbürger seit 2016 die Gewerbeberechtigung als freier Pressefotograf. Die Jacke habe er von seinem Onkel, der bei der Bergrettung sei. Daraufhin wurde der Mann der Ortsstelle verwiesen.
„Wir räumen dem Fotografen, der sich vermutlich verkäufliches Bildmaterial erhofft hatte, eine Frist bis Freitag ein, das zu Unrecht in seinem Besitz befindliche Kleidungsstück beim Lienzer Obmann Thomas Zimmermann abzugeben“, erklärt Peter Ladstätter. Der tatsächliche Besitzer möge sich ebenfalls melden. „Es kann vorkommen, dass ein Kleidungsstück im Einsatz verloren geht oder kaputt wird“, meint Ladstätter. „Das Abzeichen des Bergretters ist jedenfalls geschützt. Niemand darf es tragen, der nicht Angehöriger der Bergrettung ist.“ Nach einer Sitzung der Bergretter am Samstag ist für die Freiwilligen klar, dass ein solches Verhalten nicht ungestraft bleiben darf. Die Bergrettung Osttirol wandte sich bereits an die Landesleitung mit der Bitte, alle rechtlichen Möglichkeiten zu prüfen und den Mann bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige zu bringen.
„So viel Dreistigkeit im Angesicht eines tragischen Sucheinsatzes dulden wir nicht“, sagt Obmann Ladstätter. „Die Sensationslust dieses Herrn ist widerwärtig und auf das Schärfste zurückzuweisen.“ Auch der Geschäftsführer der Leitstelle Tirol, Bernd Nogler, zeigte sich laut Ladstätter zutiefst schockiert. Der betreffende Fotograf werde aus dem Verteilerkreis genommen.
Für eine Stellungnahme war der junge Mann nicht zu erreichen.
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