Türkei-Wahl - CHP-Chef will „Diktator“ Erdogan nicht gratulieren

Ankara (APA/AFP/dpa) - Der türkische Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu hat es abgelehnt, dem „Diktator“ Recep Tayyip Erdogan zu seinem Wa...

Ankara (APA/AFP/dpa) - Der türkische Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu hat es abgelehnt, dem „Diktator“ Recep Tayyip Erdogan zu seinem Wahlsieg zu gratulieren. „Man kann nicht einem Mann gratulieren, der die Demokratie nicht verteidigt“, sagte der Vorsitzende der linksnationalistischen Republikanischen Volkspartei (CHP) am Dienstag im Hinblick auf den Präsidenten. „Warum sollte ich einem Diktator gratulieren?“

Präsident Erdogan hatte die Präsidentschaftswahl am Sonntag klar in der ersten Runde gewonnen und sich auch eine neue Mehrheit im Parlament gesichert. Der CHP-Kandidat Muharrem Ince kam nach einem energischen Wahlkampf mit 30,6 Prozent auf den zweiten Platz, konnte Erdogans Wahlsieg aber nicht ernsthaft gefährden. Die CHP fiel bei der Parlamentswahl auf 22,6 Prozent - vermutlich, weil sie Stimmen an die verbündete, neugegründete IYI-Partei verlor.

Kilicdaroglu hatte seinem parteiinternen Rivalen Ince den Vortritt bei der CHP-Präsidentschaftskandidatur gelassen. Ince seinerseits war zwei Mal vergeblich gegen Kilicdaroglu bei Wahlen für den Parteivorsitz angetreten.

Forderungen aus den eigenen Reihen, nach dem schwachen Abschneiden der CHP bei den Wahlen am Sonntag den Parteivorsitz zu räumen, wies Kilicdaroglu zurück. „Was geschehen wird, wird von den Leuten in der Partei entschieden“, sagte er.

Kilicdaroglu kritisierte zudem die Umstände der Wahlen. Sie hätten unter dem Ausnahmezustand stattgefunden, es habe „Repressionen, Erpressungen und Drohungen“ gegeben. Die Regierung habe zudem „alle Staatsmittel genutzt“. Die Medien seien zu „95 Prozent unter der Kontrolle der Regierung“.