Offensive auf Rebellenhochburg in Syrien - Zehntausende geflohen

Damaskus/Beirut (APA/dpa/AFP/Reuters) - Die syrische Armee hat nach Angaben von Staatsmedien mit einer Offensive auf die Rebellenhochburg Da...

Damaskus/Beirut (APA/dpa/AFP/Reuters) - Die syrische Armee hat nach Angaben von Staatsmedien mit einer Offensive auf die Rebellenhochburg Daraa im Süden des Bürgerkriegslandes begonnen. Artillerie und Luftangriffe bereiteten den Vormarsch der Truppen auf den Südosten der Stadt vor, meldete die staatliche syrische Agentur Sana am Dienstag.

Ziel sei es, die Verbindung zwischen Daraa und dem Nachbarland Jordanien zu kappen. Stellungen von „Terroristen“ in der Stadt im Süden des Landes seien aus der Luft angegriffen worden, berichtete das Staatsfernsehen am Dienstag. Auch ein Aktivist aus der Stadt meldete Beschuss und Kämpfe.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von russischen und syrischen Luftangriffen. Zudem hätten Hubschrauber Fassbomben abgeworfen worden. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk von Aktivisten vor Ort. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Wegen der heftigen Kämpfe in der Region sind bereits Zehntausende auf der Flucht. 50.000 Menschen seien in der gleichnamigen Provinz vor Bombardierungen geflohen, teilte das UNO-Welternährungsprogramm WFP mit. Es zitierte einen Flüchtling, der berichtete, die Menschen schliefen unter freiem Himmel, in Schulen oder Moscheen. „Wir brauchen jede Hilfe, die wir bekommen können“, sagte er demnach.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen meldete die teilweise Zerstörung des Al Hrak-Krankenhauses im Gouvernement Daraa. „Es gilt als das einzig funktionierende Spital in der eskalierenden Konfliktregion, das über 90.000 Menschen versorgt“, schrieb die Organisation in einer Pressemitteilung am Dienstag. „Allein im vergangenen Jahr hat das Krankenhaus über 15.700 Notfälle behandelt.“

Die Stadt Daraa war einer der ersten Orte, in dem im Frühjahr 2011 Proteste gegen Syriens Regierung ausbrachen. Sicherheitskräfte gingen damals mit Gewalt gegen die Demonstranten vor. Daraa wird teilweise von Rebellen beherrscht. Die Region um die Stadt gehört zu den letzten Gebieten Syriens unter Kontrolle von Regierungsgegnern.

Bereits vor einer Woche hatte die Armee mit Angriffen im Umland der Stadt begonnen. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden seitdem fast 40 Zivilisten getötet.

Moskau als Verbündeter der syrischen Regierung, die USA und Jordanien hatten sich im Juli 2017 auf eine sogenannte Deeskalationszone in der Provinz Daraa geeinigt. Syriens Machthaber Bashar al-Assad drohte jedoch, das Gebiet zurückzuerobern, sollte es keine politische Einigung geben. Eine solche zeichnet sich nicht ab. Am Wochenende hatten russische Jets Aktivisten zufolge erstmals seit rund einem Jahr wieder Luftangriffe auf die Provinz Daraa geflogen.

Trotz der neuen Offensive will Jordanien keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen. „Unsere Grenzen werden geschlossen bleiben und die UNO können die Bevölkerung in ihrem Land unterstützen“, erklärte Außenminister Aiman Safadi auf Twitter. Das Königreich hat dem UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR zufolge mehr als 650.000 Flüchtlinge aufgenommen, eine schwere Last für das rohstoffarme Land.

In der Nähe des Flughafens von Damaskus schlugen nach syrischen Angaben zwei israelische Raketen ein. Der Angriff habe sich in der Nacht zum Dienstag ereignet, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Die Raketen seien von israelischen Flugzeugen aus der Richtung der Golan-Höhen abgefeuert worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Geschoße hätten auf Waffenlager und Depots ausländischer Milizen gezielt, die für das syrische Regime kämpften. Es gebe keine Informationen über Opfer oder Schäden.

Israel hat in den vergangenen sieben Jahren des Bürgerkriegs immer wieder Stellungen des Iran und seiner Verbündeten in Syrien angegriffen. Der Iran unterstützt unter anderem Kämpfer der Hisbollah in dem Land, durch die Israel sich bedroht sieht. Die israelische Armee wollte sich zu den Berichten nicht äußern.