Pfundser Bär begnügte sich mit einer Honig-Mahlzeit

Experten vermuten männliches Tier auf Wanderschaft und hoffen auf DNA-Spuren. Gestern keine weiteren Schäden, Imker warnte Kollegen.

© Kurt Kirschner

Von Helmut Wenzel

Pfunds –„Alles lag zerstört am Boden herum, der Bienenstock und die Waben. Der Honig war weg.“ Das musste der Obmann des Pfundser Imkervereins, Herbert Hueber, am Montag feststellen, als er bei seinen Carnica-Wanderbienen in 1900 m Seehöhe im Radurschl eintraf. Nachdem auch Gerhard Krenslehner von der Polizeiinspektion Pfunds sowie Amtstierarzt Peter Kammerlander zum Lokalaugenschein gekommen waren, konnte die Fakten- und Spurenlage gemeinsam bestätigt werden (die TT berichtete gestern Mittwoch): Ein Braunbär hatte den Bienenstock geplündert und Almrosenhonig geschlürft.

„Der Bär hat mit seinen Tatzen einige Kratzer und Abdrücke hinterlassen“, schilderte Kammerlander. Haare oder Losung, um eine DNA-Analyse zu machen, habe man noch nicht gefunden. „Mit Hilfe der DNA könnte der Bär beim Monitoring zugeordnet werden“, erläutere Tirols Bärenanwalt Martin Janovsky am Mittwoch. Aufgrund der bisherigen Informationen vermutet er „ein scheues, männliches Tier auf Wanderschaft. Die Herkunft ist wahrscheinlich Südtirol.“

Beim Amt für Jagd und Fischerei in Bozen war gestern über den „Radurschl-Ausflügler“ nichts bekannt. „Fest steht, dass Bären in Südtirol jährlich einige Dutzend Bienenstöcke plündern und dass das Land den Imkern volle Entschädigung zahlt“, hieß es aus dem Bozner Landhaus. „Zudem werden immer wieder Nutztiere wie Schafe und Ziegen gerissen.“

Der betroffene Pfundser Imkerobmann hat seine Kollegen im Dorf unverzüglich gewarnt. Hueber empfiehlt, elektrische Weidezäune aufzustellen, damit der Bär auf weitere süße Mahlzeiten verzichten muss. Beim Land werde er die Abgeltung seines Schadens beim Wanderbienenstock beantragen.

Wo ist der Braunbär gestern Mittwoch geblieben? – Vermutlich hat er das Hochtal bei Pfunds bereits verlassen. „Wir haben keine weiteren Hinweise, dass der Bär noch im Radurschl ist“, bestätigte Polizist Krenslehner am Mittwoch. Die Wahrscheinlichkeit, dass Wanderer in den Zirbenwäldern gefährdet sind, wertet Experte Janovsky als äußerst gering.

Dem kann Touristiker Toni Monz nur zustimmen. „Ich bin jeden Tag im Radurschl. Die Spuren, die der Bär hinterlassen hat, befinden sich auf einem sehr entlegenen Platz.“ So lange kein „Problembär“ die Wälder durchstreife, sehe er „nicht den geringsten Handlungsbedarf“.


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