Theaterfest NÖ: Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ in Stockerau
Stockerau (APA) - „Viel Lärm um nichts“ bei den Festspielen Stockerau: Die Premiere der Shakespeare-Komödie wurde am Dienstagabend freundlic...
Stockerau (APA) - „Viel Lärm um nichts“ bei den Festspielen Stockerau: Die Premiere der Shakespeare-Komödie wurde am Dienstagabend freundlich aufgenommen. Fake News, Dirty Campaigning und Sexskandale, Halbwahrheiten, Gerüchte und Intrigen in der High Society, Macht- und Liebesspiele, dazu eine von Krieg und Besatzung beschädigte Welt: das ist der aktualitätsgetränkte Stoff, aus dem das Stück gestrickt ist.
Der Gouverneur von Messina ist in der Textfassung von Karl Ferdinand Kratzl sowie Intendant und Regisseur Zeno Stanek zur Gouverneurin mutiert. Cornelia Köndgen spielt diese starke Frau mit Punk-Frisur und viel Empathie wie eine gute Fee. Gemeinsam mit ihrem weiblichen Gefolge bietet sie den militanten Machos die Stirn.
Neben Köndgen brilliert vor allem Karin Lischka als sprühende, den Männern abholde Beatrice, Doris Hingsamer liebt und leidet als Hero, Rina Juniku gibt die betroppezte Zofe. Martialisch und schnell mit der Waffe im Anschlag sind die Herren, allen voran Don Pedro (Rainer Stelzig) und sein eifersüchtiger Halbbruder Don Juan (Christian Strasser). Sympathisch wirkt der verliebte Benedikt (Okan Cömert), wunderlich der Priester (Karl Ferdinand Kratzl).
Inmitten der Ruinenszenerie (Bühne: Roland Ploner) steht wenigstens noch ein altes Sofa, auf dem sich die erschöpften Damen gelegentlich ausruhen. Eine Stolperfalle scheint hingegen der Teppich davor zu sein. Stolprig wird es auch, wenn zu sehr der Klamauk durchbricht, etwa die beiden Wachen Holzapfel und Schlehwein auf Holzhammer-Slapstick à la Dick & Doof eingeschworen sind, die Damen gleich zu Beginn Aerobic betreiben - sie tun es dann nie wieder, also warum? - oder aus der Soundmachine „Reality“ strömt. Da wird allzu vordergründig und ohne dramaturgische Stringenz auf schnelle Gags und Aha-Effekte geschielt. Shakespeare‘sche Poesie kommt nur ganz selten auf - am ehesten durch die kurzen musikalischen Einwürfe bewirkt, die wieder dem fabelhaften Karl Ritter zu verdanken sind.
Stanek versteht diese Saison in Stockerau im Rahmen des Theaterfests Niederösterreich als Auftakt zu einer Shakespeare-Trilogie, der 2019 „Romeo und Julia“ folgen soll. Als Rahmenprogramm werden heuer eine Notte Italiana, ein Abend mit der Schützenkapelle Stockerau und Auftritte von Andy Lee Lang & The Max Hagler Orchestra, der Comedy Hirten sowie von Molden, Resetarits, Soyka und Wirth geboten.
(S E R V I C E - Festspiele Stockerau: „Viel Lärm um nichts“ von William Shakespeare. Regie: Zeno Stanek, Musikalische Leitung: Karl Ritter, Textfassung: Karl Ferdinand Kratzl, Zeno Stanek, Bühne: Roland Ploner, Kostüme: Ingrid Leibezeder, Anna Katharina Jaritz. Mit Cornelia Köndgen, Karin Lischka, Karl Ferdinand Kratzl, Okan Cömert, Doris Hindinger u.a.; Vorstellungen bis 4. August, Tickets und Information: Tel. 02266/67689, www.festspiele-stockerau.at)
(B I L D A V I S O – Pressebilder stehen im Pressebereich von www.festspiele-stockerau.at zum Download bereit.)
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