WM 2018

Deutschland will gegen Südkorea historisches Aus verhindern

DFB-Coach Joachim Löw gibt Einblick in die Marschroute für den Neustart.
© Reuters

Auf Rechenspiele will sich beim Weltmeister im letzten Gruppenspiel niemand einlassen. Das Achtelfinale hat das DFB-Team in der eigenen Hand.

Kasan - Titelverteidiger Deutschland geht nach dem Last-Minute-Sieg gegen Schweden mit einem guten Gefühl ins letzte Gruppenspiel bei der Fußball-WM in Russland gegen Südkorea. Die DFB-Auswahl befindet sich vor dem Duell in Kasan am Mittwoch (16 Uhr/TT.com-Live-Ticker) in einer guten Position im Pool-F-Aufstiegsrennen, muss bei einem Sieg mit zwei Toren Unterschied nicht auf das Parallelspiel Mexiko gegen Schweden blicken.

"Wir müssen verinnerlichen, dass es in erster Linie von uns abhängt. Es hängt davon ab, wie wir die Dinge umsetzen", sagte DFB-Teamchef Joachim Löw. Er peilt in seinem 101. Pflichtspiel auf der DFB-Bank seinen 80. Sieg an. Das letzte Gruppenspiel hat bei dieser WM noch große Bedeutung, da die Deutschen überraschend nicht voranliegen. Sie sind hinter Leader Mexiko (6) und haben wie Schweden, das auch ein Torverhältnis von 2:2 aufweist, erst drei Punkte gesammelt.

Ausgangslage Gruppe F

MEXIKO (3:1 Tore, 6 Punkte) kommt weiter

- bei einem Sieg oder Unentschieden gegen Schweden.

- bei einer Niederlage gegen Schweden, wenn Deutschland nicht gegen Südkorea gewinnt.

- bei einer Niederlage mit einem Tor Unterschied gegen Schweden, wenn Deutschland ebenfalls mit einem Tor Unterschied gegen Südkorea gewinnt, dabei aber weniger Tore schießt.

- bei einer Niederlage mit einem Tor Unterschied und mindestens zwei geschossenen Toren gegen Schweden, wenn Deutschland mit dem gleichen Ergebnis gegen Südkorea gewinnt.

DEUTSCHLAND (2:2 Tore, 3 Punkte) kommt weiter

- bei einem Sieg gegen Südkorea mit zwei Toren Unterschied.

- bei einem Sieg gegen Südkorea, wenn Schweden nicht gegen Mexiko gewinnt.

- bei einem Sieg gegen Südkorea, wenn Schweden mit einem anderen Ergebnis gegen Mexiko gewinnt und Deutschland anschließend die bessere Tordifferenz als Mexiko hat oder bei gleicher Tordifferenz mehr Tore als Mexiko geschossen hat.

- bei einem 1:0-Sieg gegen Südkorea, wenn Schweden ebenfalls mit 1:0 gegen Mexiko gewinnt. Sollten Deutschland und Schweden jeweils mit 2:1 gewinnen, käme es zu einem Vergleich der Fairplay-Wertung von Deutschland und Mexiko. Sollte auch hier Gleichheit herrschen, müsste das Los entscheiden.

- bei einem Unentschieden gegen Südkorea, wenn Schweden gegen Mexiko verliert.

- bei einem Unentschieden gegen Südkorea, wenn Schweden gegen Mexiko ebenfalls ein Remis erreicht. Dann muss Deutschland mehr oder gleich viele Tore bei seinem Unentschieden erzielen als bzw. wie Schweden.

- bei einer 0:1-Niederlage gegen Südkorea, wenn Schweden gegen Mexiko ebenfalls 0:1 verliert, dann käme es zu einem Vergleich der Fairplay-Wertung von Deutschland und Schweden. Sollte auch hier Gleichheit herrschen, müsste das Los entscheiden.

- bei allen weiteren Niederlagen mit einem Tor Unterschied gegen Südkorea, wenn Schweden gegen Mexiko ebenfalls mit dem gleichen Ergebnis verliert.

SCHWEDEN (2:2 Tore, 3 Punkte) kommt weiter

- bei einem Sieg gegen Mexiko.

- bei einem Unentschieden gegen Mexiko, wenn Deutschland gegen Südkorea verliert.

- bei einem Unentschieden gegen Mexiko, wenn Deutschland gegen Mexiko ebenfalls ein Remis erreicht, aber Deutschland weniger Tore dabei schießt.

- bei einer 0:1-Niederlage gegen Mexiko, wenn Deutschland ebenfalls 0:1 verliert, dann käme es zu einem Vergleich der Fairplay-Wertung beider Teams. Sollte auch hier Gleichheit herrschen, müsste das Los entscheiden.

SÜDKOREA (1:3 Tore, 0 Punkte) kommt weiter

- bei einem Sieg mit zwei oder mehr Toren Unterschied gegen Deutschland, wenn Schweden gegen Mexiko verliert.

- bei einem Sieg mit einem Tor Unterschied gegen Deutschland, wenn Schweden mit zwei oder mehr Toren Unterschied gegen Mexiko verliert.

- bei einem Sieg mit einem Tor Unterschied gegen Deutschland, wenn Schweden mit einem Tor Unterschied verliert, aber dabei weniger Tore schießt.

Ein historisches Out nach der Vorrunde, das den Deutschen noch nie passierte, ist deshalb zumindest noch denkbar und würde die Fortsetzung einer Serie mit sich bringen. Mit Italien (2010) und Spanien (2014) scheiterten die jüngsten beiden Titelverteidiger in der Folge in der Gruppenphase.

Das wollen die Deutschen auch ohne den gesperrten Abwehrspieler Jerome Boateng mit aller Macht verhindern, das 0:1 gegen Mexiko soll die einzige Niederlage im Turnierverlauf bleiben. "Sie können sicher sein, dass wir alles dafür tun, dass uns das nicht auch passiert", sagte Offensivspieler Marco Reus. Der späte Treffer von Toni Kroos in der 95. Minute zum 2:1-Sieg gegen Schweden soll eine Initialzündung gewesen sein. "Wir haben das ganze Ding noch gedreht und sind als Mannschaft noch enger zusammengerückt", berichtete Angreifer Timo Werner. Der Leipziger wird wieder an vorderster Front erwartet und peilt seinen ersten WM-Treffer an.

Mats Hummels könnte wieder in die DFB-Startelf zurückkehren.
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Bisher haben nur Kroos und Reus für die Deutschen getroffen. Thomas Müller, bei den WM-Auflagen 2010 und 2014 noch jeweils fünfmal erfolgreich, wartet noch auf sein Premierentor auf russischem Boden. Es ist aber davon auszugehen, dass Löw trotz schwächerer Darbietungen weiter auf den Bayern-Offensivspieler setzen wird. Eine andere Personalie ist offen und betrifft die Position im zentralen Mittelfeld neben Kroos. Sami Khedira scheint die besten Karten zu haben. In der Innenverteidigung wird Niklas Süle neben dem wiedergenesenen Mats Hummels erwartet.

Die beiden Teams treffen zum dritten Mal bei einer WM aufeinander. Die Deutschen behielten 1994 in der Gruppenphase mit 3:2 und 2002 im Halbfinale knapp mit 1:0 die Oberhand. Einen Spaziergang gegen den Weltranglisten-57. dürfen sie daher auch mit Blick in die Vergangenheit nicht erwarten. "Sie haben unheimlich schnelle und wendige Spieler und haben schon viele Gegner vor Probleme gestellt", warnte Reus.

"Unsere Chance liegt bei einem Prozent"

Salzburgs Stürmer Hwang Hee-chan und Co. sind nach einem 0:1 gegen Schweden und 1:2 gegen Mexiko noch ohne Punkt, aber noch mit einer Achtelfinalchance. Dazu muss der WM-Vierte von 2002 nicht nur gewinnen, sondern auch auf eine höhere Niederlage der Schweden hoffen. "Unsere Chancen liegen bei einem Prozent", sagte Mittelfeldspieler Ju Se-jong. Man wolle jedenfalls das Beste daraus machen und über Konter zum Erfolg kommen. "Wenn wir solide verteidigen und gut kontern, haben wir eine Chance", so Ju.

Dem zweifachen Asienmeister, der zuletzt 1990 ohne Punkt bei einer WM ausschied, geht der an der Wade angeschlagene Kapitän Ki Sung-yeung stark ab. Andere Probleme vor der Partie hatte Abwehrspieler Jang Hyun-soo, der in der Heimat von Fans gemobbt wird. Auf der Seite des Präsidialamtes sind mehr als 300 Petitionen gegen den 26-jährigen Verteidiger des FC Tokio eingegangen. Sie tragen Namen wie "Vertreibt Jang und seine Familie aus Korea". Die Zeitung "JoongAng Ilbo" sieht in der Aktion eine regelrechte "Hexenjagd". Jang hatte beim 1:2 gegen Mexiko mit einem Handspiel den Elfmeter zum 0:1 verursacht.

Wer löst das Achtelfinal-Ticket: Emil Forsberg (l.) mit Schweden oder Javier Hernandez mit Mexiko?
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Zwei Siege für Mexiko zu wenig?

Erstmals seit 2002 hat Mexiko zwei WM-Spiele in Folge gewonnen. Die Mittelamerikaner sind dennoch auch im abschließenden Gruppenspiel am Mittwoch (16.00 Uhr MESZ/live oe24-TV) in Jekaterinburg gegen Schweden gefordert. Sechs Punkte könnten in Gruppe F für den Aufstieg zu wenig sein.

Mit einem Remis wären die Mexikaner Gruppensieger und würden im Achtelfinale vermutlich Brasilien aus dem Weg gehen. Mit einem Sieg stünde aber Schweden in der nächsten Runde. Für Mexiko könnte selbst der viel beachtete Auftaktsieg gegen Weltmeister Deutschland (1:0) am Ende wertlos sein.

"Wir wissen, dass wir noch nichts erreicht haben", sagte Mexikos Torhüter Guillermo Ochoa. "Wir haben gewusst, dass es bis zum letzten Spiel gehen wird, und das ist jetzt der Fall. Wir sind vorbereitet, alle drei Spiele zu gewinnen - und das wollen wir tun."

Bei den Schweden ist nach der bitteren 1:2-Niederlage gegen Deutschland, in der fünften Minute der Nachspielzeit von Toni Kroos fixiert, ebenfalls nicht von größeren Umstellungen auszugehen.

Der Schock des späten Gegentreffers gegen den Weltmeister scheint überwunden. "Wir haben alles zu gewinnen und sind mental stark", betonte Schwedens Teamchef Janne Andersson. Die Skandinavier setzen auf ihre Stärke bei Standardsituationen. "Hoffen wir, dass die Größe unserer Spieler eine Rolle spielen kann, weil wir gut sind in diesen Situationen", meinte Andersson, warnte aber auch vor den "technisch starken" Mexikanern.

Die Schweden benötigen einen Treffer. Das Sturmduo bilden nach dem Team-Rücktritt von Superstar Zlatan Ibrahimovic nach der EM 2016 der gegen Deutschland erfolgreiche Ola Toivonen und Marcus Berg. Schwedens Glauben ist auch ohne Ibrahimovic da. "Wir haben es in unserer eigenen Hand, darüber sind wir glücklich", sagte Berg. "Es wird extrem schwer, uns vom Aufstieg aus der Gruppe abzuhalten." (APA/dpa/Reuters)