Neustift sagt Nein zu Seilbahnprojekt

Überraschung im Stubaier Tourismusort: Für die geplante Gondelbahn von Neustift in die Schlick muss die Gemeinde eine Genehmigung zur Überspannung erteilen. Das fand im Gemeinderat aber keine Mehrheit.

  • Artikel
  • Diskussion
© i.n.n.

Von Denise Daum

Neustift –Ohne das Wort überstrapazieren zu wollen – aber es war tatsächlich ein Knalleffekt: Der Neustifter Gemeinderat lehnte am Dienstagabend eine Überspannung eines Grundstücks der Gemeindegutsagrargemeinschaft für die geplante Seilbahn in die Schlick ab. Fassungs- und gleichermaßen ratlos verließen Projektwerber den Sitzungssaal. Aber was bedeutet der Beschluss? Und was geschah bisher?

Seit Jahren besteht in Neustift der Wunsch nach einer Anbindung des Tourismusortes an das Skigebiet Schlick 2000. Die Pläne sind seit Langem ausgearbeitet. Ein historischer Schulterschluss von Stubaier Gletscher, Schlick 2000 und Tourismusverband Stubai stellte die Finanzierung des 19 Millionen Euro teuren Bahnprojekts sicher. Erst im November vergangenen Jahres konnte Martin Pittl, Geschäftsführer der Schlick und der eigens gegründeten Gesellschaft Goldsutten GmbH, nach jahrelangen Verhandlungen die Gründe für die Talstation im Neustifter Ortsteil Neder sichern. Damit war man einer Realisierung des Projekts so nah wie noch nie.

Am Dienstagabend hatte nun der Neustifter Gemeinderat über einen Optionsvertrag zur Überspannung eines Grundstücks zu entscheiden. Dabei handelt es sich um 550 Meter Wald im Besitz der Gemeindegutsagrargemeinschaft. Martin Pittl präsentierte das Projekt den Gemeinderäten. TVB-Geschäftsführer Roland Volderauer betonte dessen Notwendigkeit, nicht zuletzt, um der Abwanderung der Gäste entgegenzuwirken. Seit den 80er-Jahren kämpfe Neustift mit sinkender Wertschöpfung. „Es braucht ein zeitgerechtes Wintersportprojekt im Dorf.“ Der TVB Stubai ist mit knapp 1,5 Millionen an der Goldsutten GmbH beteiligt und stellt zudem ein zinsloses Darlehen in Höhe von 7,5 Mio. Euro zur Verfügung.

In der fast zweistündigen Diskussion zeigte sich, dass es nicht um die Überspannung des Grundes geht, sondern um das Projekt als solches. Wieder einmal ist der Neustifter Gemeinderat gespalten. Gegner bemängeln, dass es sich um einen reinen Zubringer handle, die dazugewonnenen Skiflächen (2,5 Kilometer) zu wenig seien und der Verkehr dadurch zunehme. GR Daniel Illmer erklärte, dass in seinen Augen der Eingriff in die Natur „brutal“ sei und in keiner Relation zu den „bescheidenen“ Skiflächen stehe, die dazukommen.

3 x Futterkutter-Kochbuch zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Bürgermeister Peter Schönherr – seit jeher Unterstützer des Projekts – schickte voraus, dass die Gemeinde mit keinem Cent an der Bahn beteiligt ist. „Es geht um das Stärken eines bestehenden Skigebiets, das wir als Tourismusort dringend brauchen.“ Die Eingriffe in die Natur werde sich die Behörde beim naturschutzrechtlichen Verfahren genau ansehen – das sei nicht Aufgabe des Gemeinderats. Schönherr erinnerte daran, dass Neustift keine alternative Einnahmequelle zum Tourismus habe.

Das alles überzeugte die Gegner nicht: Die Gemeinschaftsliste von Vize-BM Andreas Gleirscher stimmte geschlossen dagegen, genauso wie die Gemeinderäte Friedl Siller, Patrick Berger und Norbert Gleirscher. Daniel Illmer enthielt sich der Stimme, wodurch mit acht Ja- und acht Neinstimmen keine Mehrheit gefunden werden konnte und der Antrag als abgelehnt gilt.

Eigentlich ist das Seilbahnprojekt mit der fehlenden Genehmigung zur Überspannung nun gestorben. Theoretisch kann der Gemeinderat aber auch jederzeit erneut darüber abstimmen.

Die Entscheidung des Gemeinderats sei unverantwortlich, sagt TVB-Aufsichtsratsvorsitzender Armin Pfurtscheller. Er zitiert gar die Bibel: „Denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Die Wertschöpfung werde immer geringer, in allen anderen Tourismus­orten Tirols werde fleißig die Infrastruktur verbessert – nur in Neustift herrsche Stillstand. Aufgeben will Pfurtscheller aber maximal einen Brief, nicht das Bahnprojekt.

Die weitere Vorgehensweise ist noch unklar. Schlick-Chef Martin Pittl war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.


Kommentieren


Schlagworte