Liebe in Zeiten mobiler Dating-Apps in der Kunsthalle Bremen
Bremen (APA/dpa) - Der Liebe in Zeiten mobiler Dating-Apps widmet sich die Kunsthalle Bremen in der Ausstellung „What is Love? Von Amor bis ...
Bremen (APA/dpa) - Der Liebe in Zeiten mobiler Dating-Apps widmet sich die Kunsthalle Bremen in der Ausstellung „What is Love? Von Amor bis Tinder“. Ab 7. Juli sind mehr als 40 Kunstwerke zum Thema Eros, Narzissmus und Online-Dating zu sehen. In einer Art Liebeshöhle mit pink-violetten Wänden und roten Plüschsofas treffen Gemälde von Anselm Feuerbach, Pablo Picasso und Edvard Munch auf Gegenwartskunst.
„What is Love?“ reicht von Adam und Eva bis zu aktuellen Dating-Apps, wie Kuratorin Jasmin Mickein ankündigt. Dabei gehe es auch um Tinder, eine vieldiskutierte Dating-Apps: „Dieses gesellschaftlich relevante Thema soll unser Haus öffnen für junge Leute.“
Die vom US-Unternehmen Tinder als Hauptsponsor unterstützte, bis 21. Oktober geöffnete Schau zeigt auch eine Dokumentation des niederländischen Performers Dries Verhoeven. Tagelang hat er im Container gelebt und einzig über Grindr, einer Dating-App für Schwule, Kontakt mit der Außenwelt aufgenommen. Mit den Bekanntschaften seiner Kunstexperimente „Wanna Play?“ in Berlin und Utrecht hat er anschließend gebacken, getanzt und geredet. Schneller Sex war tabu. „Wenn nur noch Sex über unseren Marktwert entscheidet, werden Zärtlichkeit und Verletzlichkeit zu Tabus“, sagte Verhoeve.
Zu den jüngsten Künstlern der Schau gehört Eylül Aslan, die heute in Berlin lebt. Ihr Fotobuch setzt sich mit „Trompe-l‘oeil“, also der visuellen Täuschung bei Online-Dates, auseinander. Über Tinder hatte Aslan 20 Männer gesucht, sie getroffen und gefragt, was diese am Körper der Künstlerin und an sich selbst mögen und was nicht. Doppelkinn nein, Bauch ja - diese Details hat die 28-Jährige fotografiert und gegenübergestellt. Die größte Überraschung für die Türkin: „Ich habe immer gehört, dass die Leute meine Augen so schön finden, aber fast niemand hat sie hier als hübsch eingeordnet.“
Zwölf von Aslans hoch sensiblen Fotos zeigen jetzt in Bremen, wie oberflächlich die Selbstinszenierungen auf Dating-Plattformen sein können. „Es tut mir leid, dass so viele junge Leute unter dem Druck stehen, perfekt zu sein. In Wirklichkeit gibt es doch so eine Perfektion gar nicht. Schönheit ist subjektiv. Was für den einen attraktiv ist, ist für den anderen hässlich“, sagt Aslan. Sie selbst habe Tinder nur für dieses Kunstprojekt genutzt und nicht, um einen Mann fürs Leben zu finden.
Katharina Dacrés, Lena Heins und Jakob Weth von der Hochschule für Künste Bremen führen mit ihrem Video „<3“ die Unnatürlichkeit vieler Chats vor Augen: Mann und Frau sitzen sich gegenüber, ohne aufeinander zu reagieren. Keine Antwort auf die Frage „Bist Du echt? Zwinker, Zwinker“. Tinder eröffne neue Perspektiven und sei gut fürs Ego, räumt Weth ein. „Wir zeigen aber auch, wie die Kommunikation im digitalen Raum verkümmert.“
Das Video der Masterstudenten basiert auf Original-Chats. „Es war ein kurzer Moment voyeuristischer Freude, als wir in die Chat-Verläufe von anderen gucken konnten. Das war ein bisschen, als würde man heimlich Liebesbriefe lesen“, sagt Katharina Dacrés. Online-Dates seien eben etwas sehr Privates. Die wenigsten Tinder-Paare würden öffentlich zugeben, dass sie sich so kennengelernt haben. Viele täten so, als seien sie sich im Supermarkt begegnet.
(SERVICE - Internet: https://www.kunsthalle-bremen.de/)
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