WM 2018

Nur bei den Polen kribbelt es heute nicht mehr

Radamel Falcao und James Rodríguez sind auch heute wieder die kolumbianische­n Hoffnungsträger.
© Reuters

In der Gruppe G haben mit Japan, Senegal und Kolumbien noch drei Teams die Chance auf das Achtelfinale.

Kasan –Auf seine Nationalhelden und Maskottchen René Higuita und Carlos Valderrama muss Kolumbien im entscheidenden Gruppenspiel gegen Senegal womöglich verzichten. Der einstige Kult-Torhüter mit Spitzname „El Loco“ („Der Verrückte“) hat nach eigenen Angaben diesmal keine Akkreditierung. Südamerikas früherer Fußballer des Jahres mit dem Wuschelhaar, Valderrama, scherzte in einem gemeinsamen Interview mit Higuita: „Mir ist das Geld ausgegangen.“ Irgendwie werden es die beiden Vögel schon auf die Tribüne in Samara schaffen, wenn das Team um Bayern-Star James Rodríguez heute (16 Uhr, live ORF eins) um den Einzug ins Achtelfinale kämpft.

Einig sind sich die beiden extrovertierten Lockenköpfe: Die „Cafeteros“ müssen auch nach dem starken 3:0 gegen Polen nochmal zulegen. Denn die Auftakt-Niederlage gegen Japan hängt dem Viertelfinalisten von 2014 noch nach: Gegen Senegal reicht nur ein Sieg zum Weiterkommen. „Kolumbien muss sich verbessern“, forderte Higuit­a beim Fernsehsender RT. „Ich glaube, jetzt gilt es, mehr Fußball zu spielen.“

Der frühere Mittelfeld-Stratege Valderrama, zu seiner Zeit ein hochbegabter Spielmacher und WM-Kapitän 1990, 1994 und 1998, fordert­e mehr Ballbesitz. „Wie René schon sagte: Kolumbien muss mehr den Ball haben. Wir haben die Mannschaft dafür und die Fähigkeiten. Ballbesitz ist die Charakteristik unseres Spiels“, betonte der 56-Jährige.

Der stets nüchterne Pékerman verkörpert so ziemlich das Gegenteil von Higuita und Valderrama und wird das Ganze ernsthafter angehen. Im Prinzip sieht er die Lage aber ähnlich. „Mental sind wir in einer guten Form, aber wir müssen weitermachen und uns verbessern“, sagt­e der gebürtige Argentinier nach dem Befreiungsschlag gegen die Polen.

Die Hoffnungen der Kolumbianer ruhen mehr denn je auf dem wiedererstarkten James und auf Radamel Falcao vom AS Monaco, der gegen Polen sein erstes WM-Tor feierte. „Er hat sich das verdient, weil er viel trainiert hat. Ich hoffe, er kann noch viel mehr Tore schießen“, meinte Rodríguez. Dem bisher überzeugenden Senegal mit Sadio Mané würde dagegen schon ein Remis reichen.

Ähnliches gilt auch für die Japaner, die bei einem Sieg oder einem Unentschieden gegen die bereits ausgeschiedenen Polen fix in der K.-o.-Runde dabei sind. Die im bisherigen Turnierverlauf so starken Asiaten, die sich die Kraft für ihre WM-Auftritte auch in Seefeld geholt hatten, können dabei auf Routinier Keisuke Honda setzen, der in seiner Jokerrolle aufgeht. „Sie gibt mir eine neue Perspektive“, meinte der 97-fache Teamspieler, dem sich heute auch Robert Lewandowski gegenüberstellt. Der fühlt sich übrigens nach seiner Manöverkritik an den Mitspielern falsch verstanden: „Ich stehe immer hinter meinen Mitspielern und dem Trainer und sage nichts Negatives über meine Kollegen“, betonte der 29-Jährige. (t.w., dpa)