Fußball-WM: Island geht erhobenen Hauptes - Trainerzukunft offen

Rostow am Don (APA/dpa/Reuters) - Als das letzte „Huh“ bei der Fußball-WM in Russland verklungen war, suchten Islands traurige Kicker Trost ...

Rostow am Don (APA/dpa/Reuters) - Als das letzte „Huh“ bei der Fußball-WM in Russland verklungen war, suchten Islands traurige Kicker Trost bei ihren Familien. Kurz vor Schluss des Spiels gegen Kroatien (1:2) hatte dem großen Außenseiter am Dienstag nur ein Tor zu einer weiteren Sensation gefehlt. Trotz des Aus in der Gruppenphase dürfen die Isländer nach ihrer WM-Premiere aber erhobenen Hauptes die Heimreise antreten.

Am Ende blieb nur ein Punkt vom Auftaktspiel gegen Argentinien (1:1). Der nach Einwohnern kleinste WM-Teilnehmer hätte sich zwei Jahre nach dem Sensationslauf ins EM-Viertelfinale mehr verdient gehabt. „Wir haben gezeigt, aus welchem Holz wir geschnitzt sind“, erklärte Teamchef Heimir Hallgrimsson. „Natürlich sind wir alle enttäuscht, aber ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Wir haben gezeigt, dass wir zurecht bei diesem Turnier dabei waren.“

Die Zukunft ist allerdings offen. Ob Hallgrimsson den Weg mit seinen Schützlingen weitergehen wird, hat er noch nicht entschieden. Der 51-Jährige, der gerne in seinem Zivilberuf als Zahnarzt abschaltet, strebt offenbar nach Höherem. „Es gibt eigentlich keinen besseren Job auf der Welt als den des Nationaltrainers von Island“, sagte Hallgrimsson. „Es würde mir schwer fallen, das Team zu verlassen.“

Der Vertrag von Hallgrimsson läuft ebenso aus wie jener seines Assistenten Helgi Kolvidsson, der in Österreich einst bei Austria Lustenau, Wiener Neustadt und Ried als Trainer tätig war. Das Duo soll sich allerdings schon seit Monaten mit der im Herbst beginnenden Nations League sowie den dortigen Gegnern Schweiz und Belgien beschäftigt haben. Die Zukunftsentscheidung soll erst nach einem Urlaub fallen. „Wir nehmen uns zehn Tage, dann setzen wir uns in Ruhe zusammen und reden darüber, wie es weitergeht“, erklärte Hallgrimsson.

Ohnehin steht in Islands Team ein Umbruch bevor. Immerhin neun Spieler aus dem WM-Kader sind älter als 30 Jahre. Die Routiniers Kari Arnason und Olafur Ingi Skulason beendeten unmittelbar nach dem Kroatien-Spiel ihre Nationalteam-Karrieren. Weitere Akteure könnten folgen.

Einen Abgang von Hallgrimsson, der das Team seit 2013 zuerst gemeinsam mit Lars Lagerbäck und nach der erfolgreichen EM 2016 alleine geführt hat, würden die Spieler bedauern. „Natürlich wären wir traurig, wenn der Trainer geht. Er hat das super gemacht und hat einen großen Anteil an unserem Erfolg“, meinte Stürmer Alfred Finnbogason. „Aber ich würde verstehen, wenn er etwas Großes probieren würde. Das hätte er verdient.“

Genauso verdient haben sich die Isländer einen würdigen Empfang in der Heimat, in der die Fans beim Public Viewing erneut zu Tausenden mitfieberten. „Ich weiß, dass das ganze Land stolz auf uns ist“, sagte Finnbogason. „Es war für uns alle in Island sehr inspirierend zu sehen, wie Sie Ihr Glaube an das Team und seinen möglichen Erfolg trotz aller Widrigkeiten so weit gebracht hat“, bestätigte Ministerpräsidentin Katrin Jakobsdottir der Mannschaft auf Twitter.

Obwohl das erhoffte Wunder gegen den ungeschlagenen Gruppensieger Kroatien ausgeblieben war, mischte sich in den Frust über die vorzeitige Heimreise auch Stolz. „Wir nehmen viele Erinnerungen mit und sind stolz, dass wir dabei waren“, erklärte Finnbogason, und dachte auch schon weiter: „Ich hoffe, dass wir unser Niveau stabilisieren können. Wir müssen dafür sorgen, dass wir weiter erfolgreich bleiben und den nächsten Gipfel erklimmen.“