Cannabis-Schmuggler

Hund führte Innsbrucker Polizisten zu Drogenbande

Von Belgrad (Foto) aus starteten die Fernbusse mit der Drogenladung an Bord nach Innsbruck.
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Mit seinem guten Riecher machte ein Polizeihund sein Herrchen auf eine Innsbrucker Tiefgarage aufmerksam. Dort stießen die Beamten auf 13 Kilogramm Cannabis.

Von Thomas Hörmann

Innsbruck –Der gute Riecher eines Polizeihundes, erfolgreiche Ermittlungen der Innsbrucker Drogenfahnder und ein halbwegs gesprächiger Verdächtiger: Das waren die Zutaten des Rezepts, mit dem eine Cannabis-Schmuggelachse von Serbien nach Innsbruck stillgelegt werden konnte. Das Besondere an dem Fall: Für den Transport der heißen Ware wählten die Beschuldigten eine relativ risikolose Methode. Sie setzten dabei auf Fernbusse. Dadurch blieb ihnen die gefährliche Reise über mehrere Grenzen erspart.

Doch der Reihe nach: Es war Anfang April, als ein Polizeibeamter mit seinem vierbeinigen Kollegen eine dienstliche Gassi-Runde durch den Innsbrucker Stadtteil Dreiheiligen unternahm. Der Weg führte das Duo auch in eine Tiefgarage in der Zeughausgasse. Und die ließ den Polizeihund argwöhnisch werden. Immer wieder zog es das Tier zu einer abgeschlossenen Box in der Garage. Das Verhalten des Hundes bewog schließlich den Beamten, sich die Sache genauer anzusehen. Und zwar mit Hilfe eines Durchsuchungsbefehls von der Staatsanwaltschaft. Um in die Box zu gelangen, benötigten die Beamten keinen Rammbock – der Besitzer, der den Garagenplatz weitervermietet hatte, überließ der Polizei seinen Schlüssel.

Die Aktion endete mit einem vollen Erfolg: Der Polizist und seine Kollegen stießen in der Tiefgarage auf 13 Kilogramm Cannabis im Schwarzmarktwert von etwa 130.000 Euro. Der Verdacht richtete sich schnell gegen den Mieter der Garage. Und der legte die Karten bei der Einvernahme relativ rasch auf den Tisch. Der Mann gab zu, dass sein Drogenlager ursprünglich sogar umfangreicher war. Die 13 Kilo seien nur der Rest, bei einer etwas früheren Kontrolle hätten die Beamten sogar um die 18 Kilo finden können. Die Differenzmenge habe er aber bereits weitergegeben, räumte der Garagenmieter ein. Beim serbischstämmigen Innsbrucker handelt es sich offenkundig um den Verteiler der kleinen Organisation. Der Mann befindet sich seit Anfang April in der Innsbrucker Justizanstalt: „Gegen den Beschuldigten wurde die Untersuchungshaft verhängt“, bestätigt Thomas Willam, Sprecher der Innsbrucker Staatsanwaltschaft.

Im Zuge der Ermittlungen gelang es den Drogenfahndern der Innsbrucker Kriminalpolizei, drei weitere Verdächtige auszuforschen, die teils mit dem Verkauf des Cannabis in Innsbruck, aber auch mit dem Schmuggel befasst waren. Dabei fanden die Beamten heraus, dass die illegale Ware vorwiegend von Serbien nach Tirol importiert wurde. Und zwar mit Fernbussen, die regelmäßig auf dieser Route verkehren. Die Ermittler gehen davon aus, dass sich die Schmuggler dabei nicht einmal die Finger schmutzig machen mussten. Sie verstauten die verbotene Fracht in den Bussen, ohne selbst die Reise mitzumachen. In Innsbruck wartete dann bereits ein Komplize, der die Taschen mit dem Cannabis aus den Bussen holte. Der Haken an der Methode: Eigentlich sollten den Busfahrern herrenlose Gepäckstücke auffallen. Es sei denn, sie drücken gegen eine kleine Gewinnbeteiligung beide Augen zu. Und das, so vermuten die Ermittler, sei im aktuellen Fall keineswegs ausgeschlossen, aber auch nicht beweisbar.

Es gilt als offenes Geheimnis, dass auf diese Weise nicht nur Drogen, sondern auch billige Zigaretten und sogar Waffen über die Grenzen gelangen, so ein Beamter. Die Route der Fernbusse führt meist von Serbien nach Ungarn (und damit in die EU) und von dort nach Österreich: Eine Strecke von insgesamt rund 1100 Kilometern, auf der das Kontrollnetz nicht sehr dicht ist.

Bei zwei der insgesamt vier Beschuldigten, einem Einheimischen und einem Serben, dürfte es sich um Helfer handeln, die an der Verteilung des Cannabis in Innsbruck beteiligt waren. Sie kamen vorerst mit einer Anzeige auf freiem Fuß davon. Der vierte Verdächtige gilt als Lieferant, der das Suchtgift in seiner serbischen Heimat besorgt und den Transport nach Innsbruck organisiert hat. Der Mann konnte sich bisher dem Zurgriff der Tiroler Behörden entziehen. „Gegen den Beschuldigten besteht mittlerweile ein europäischer Haftbefehl“, bestätigt Staatsanwalt Willam. Vermutet wird, dass sich der Gesuchte in seiner Heimat aufhält.