„Lifeline“ wartet noch auf Genehmigung zum Anlegen in Malta

Dresden/Valletta/Tripolis (APA/AFP/dpa) - Das seit Tagen im Mittelmeer ausharrende Flüchtlingsschiff „Lifeline“ wartet immer noch auf die Ge...

Dresden/Valletta/Tripolis (APA/AFP/dpa) - Das seit Tagen im Mittelmeer ausharrende Flüchtlingsschiff „Lifeline“ wartet immer noch auf die Genehmigung, in Malta anlegen zu dürfen. Nach einem dramatischen Appell des Kapitäns darf das Schiff nun aber zumindest in die Hoheitsgewässer des Inselstaats einfahren, um dort „Windschutz zu suchen“, wie die Hilfsorganisation Mission Lifeline aus Dresden am Mittwoch auf Twitter mitteilte.

Die maltesische Seenotrettungsleitstelle gab dem Schiff demnach eine Position vor der Küste durch. Der Kapitän Claus-Peter Reisch hatte die maltesischen Behörden nach Angaben von Mission Lifeline am späten Dienstagabend darum gebeten, „wenigstens“ in maltesische Gewässer einfahren zu dürfen, um das Schiff und die mehr als 230 Flüchtlinge an Bord vor den hohen Wellen und dem starken Wind zu schützen.

Das Schiff hatte die Flüchtlinge am Donnerstag vergangener Woche nahe der libyschen Küste aufgenommen. Malta und Italien verweigerten der „Lifeline“ jedoch das Anlaufen eines Hafens. Das Schiff wartet deshalb seit Tagen in internationalen Gewässern vor der Küste der Mittelmeerinsel.

Am Dienstag hatte es dann so ausgesehen, als sei für die „Lifeline“ eine Lösung in Sicht. Nach der italienischen Regierung signalisierte auch der französische Präsident Emmanuel Macron, dass eine Einigung mit Malta gefunden worden sei. Demnach kann das Schiff einen maltesischen Hafen anlaufen, wenn sich genügend Länder bereit erklären, Flüchtlinge von Bord des Schiffes aufzunehmen.

Neben Italien und Frankreich erklärten sich italienischen Medienberichten zufolge auch Portugal und Spanien bereit, Flüchtlinge aufzunehmen. In Deutschland signalisierten Schleswig-Holstein und Berlin Bereitschaft.

Unterdessen hat die libysche Küstenwache im Mittelmeer erneut 200 Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa aufgenommen. Sie seien vor der Küste im Westen des Landes an Bord eines Bootes gewesen, das wegen der rauen See nicht mehr habe weiterfahren können, teilte die Küstenwache Mittwoch früh fest.

Libyen ist das wichtigste Transitland für Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa wollen. Nach dem Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 herrscht in dem nordafrikanischen Land ein Bürgerkriegschaos.

Die Küstenwache fängt jedoch derzeit im Westen Libyens regelmäßig Boote ab. Nach italienischen Angaben hat sie in sechs Monaten rund 10.000 Migranten aufgenommen. Libyen gehe „ziemlich effizient“ vor, auch wenn noch viel zu tun sei, vor allem bei der Stabilisierung des Landes, sagte der Chef der italienischen Küstenwache, Admiral Giovanni Pettorino, am Dienstag der Nachrichtenagentur ANSA.