Diskussion um Nachwuchsarbeit

Wacker gegen Verband: Ein Konzept schlägt Wellen

Zuletzt jubelte der FC Wacker beim TT-Miniknabenturnier, das neue Nachwuchskonzept traf aber nicht überall auf Applaus. Zumindest nicht zum aktuellen Zeitpunkt.
© Thomas Boehm / TT

Weil der FC Wacker einen Teil der Talenteschiene (LAZ, VorLAZ/10–14 Jahre) nicht mehr besetzen will, steigen der Tiroler Fußballverband und Elternteile auf die Barrikaden.

Von Tobias Waidhofer

Innsbruck –Eine Philosophie. Ein Plan. Ein Weg. So lautet der Titel eines schwarzgrünen Konzepts für die künftig­e Nachwuchsentwicklung. Ein Ausbildungsleitfaden, der unter anderem vorsieht, dass schwarzgrüne Nachwuchs-Talente künftig nicht mehr in das VorLAZ und das LAZ (Landesausbildungszentrum/Teil der Talenteschiene des Tiroler Fußballverbandes) entsendet werden. Ziel: die eigene Trainingsqualität hochhalten, wie es bei den meisten Bundes­liga-Klubs ohnehin bereits üblich sei.

Aufregung gab es trotzdem. Warum? Wegen des Zeitpunkts sowie der Art und Weise. Bei einer Sitzung zwischen dem Tiroler Fußballverband, der die Talenteschiene mit VorLAZ, LAZ und Akademie (ab 14 Jahre) betreibt, und dem FC Wacker sollten die Fronten gestern aufgeweicht werden. Das ist zumindest teilweise gelungen. Was auch daran liegt, dass der FC Wacker für die Bundesliga-Lizenz einen Kooperationsvertrag in Sachen Akademie mit dem Tiroler Fußballverband vorweisen muss. Wird dieser Vertrag nicht unterschrieben, ist eine Strafzahlung von 150.000 Euro fällig. Geld, das dem Verein anderswo fehlen würde.

Wacker-Präsident Gerhard Stocker wollte sich gestern nicht zu Inhalten der Sitzung äußern: „Es ist ein laufender Entscheidungsprozess, deshalb gibt es von uns keinen Kommentar.“ Der Tiroler Verbandspräsident Josef Geisler präsentierte sich da schon gesprächsfreudiger: Der Entwurf für den Kooperationsvertrag stehe bereits. „Der wurde auch schon diskutiert und gutgeheißen.“ Unterschrieben sei freilich noch nichts. Festgesetzt soll sein, „dass sich die Vertragspartner während der Laufzeit mit Respekt und gegenseitiger Wertschätzung zu begegnen haben“. Eine Selbstverständlichkeit, die offensichtlich in der Vergangenheit so nicht immer gelebt wurde.

Und auch auf die Bestrebungen des FC Wacker, das LAZ und das VorLAZ nicht mehr mit Spielern zu besetzen, nahm Geisler Bezug: „Das ist natürlich die autonom­e Entscheidung des Vereins. Aber wenn der FC Wacker bei dieser Entscheidung bleibt, muss ich darüber nachdenken, ob es überhaupt vertretbar ist, im Akademiebereich einen Kooperationsvertrag zu vereinbaren.“

Das schwarzgrüne Konzept, das ja inhaltlich durchaus Sinn macht, will Geisler aber nicht per se verteufeln: „Ich bin offen für die Diskussion, es macht Sinn, darüber nachzudenken. Aber so ein Konzept muss man gemeinsam erstellen und nicht erst 5 vor 12 präsentieren.“ Gehört habe er von der Idee, an der die Schwarzgrünen ja schon seit Herbst 2017 gearbeitet hätten, das erste Mal am 15. Juni – also vor zwei Wochen.

Am Zeitpunkt und der Art der Kommunikation stießen sich auch zahlreiche Eltern von Wacker-Nachwuchsspielern, die ihrem Ärger in einem offenen Brief Luft machten. Auch das könnte gewirkt haben: Heute steht jedenfalls beim Wacker-Nachwuchs ein Elternabend auf dem Programm. Einen Vorschlag hatt­e der Tiroler Verbandspräsident Geisler zum Abschluss auch noch: „Ich hätte überhaupt nichts dagegen, wenn Trainer des FC Wacker beim LAZ und dem VorLAZ mitarbeiten würden.“

Der Tiroler Fußball braucht definitiv mehr Doppelpässe und weniger Sololäufe. Das gilt für alle Beteiligten.