Schlumberger stemmt sich mit höheren Preisen gegen flauen Sektmarkt
Wien (APA) - Die Sektkellerei Schlumberger hat sich im vergangenen Jahr gegen einen insgesamt rückläufigen Sektmarkt gestemmt. Seit der Einf...
Wien (APA) - Die Sektkellerei Schlumberger hat sich im vergangenen Jahr gegen einen insgesamt rückläufigen Sektmarkt gestemmt. Seit der Einführung der Schaumweinsteuer im Jahr 2014 ist der Sektabsatz im Handel um 25 Prozent auf nunmehr 21 Millionen Flaschen eingebrochen. 2013 wurden noch 27 bis 28 Millionen Flaschen Sekt im Jahr verkauft.
„Die Talsohle wurde noch immer nicht erreicht“, sagte Arno Lippert, seit Jahresanfang 2018 neuer Chef von Schlumberger, am Mittwoch im APA-Gespräch. 2017 war der Schaumweinmarkt nach wie vor um 4 Prozent rückläufig, aufgrund von Preiserhöhungen gab es aber eine Wertsteigerung. Auch das Sekthaus Schlumberger hat die Umsätze im Vorjahr praktisch nur aufgrund höherer Preise gesteigert.
Der Umsatz der Schlumberger-Unternehmensgruppe, zu der auch die Sekt-Marken Goldeck und Hochriegl sowie die Schokoladen-Spirituose Mozart zählen, stieg 2017 um 2,6 Prozent auf 182,2 Mio. Euro, das Betriebsergebnis (EBIT) erhöhte sich um mehr als ein Drittel auf 6,4 Mio. Euro. Das Konzernjahresergebnis kletterte von 3,1 auf 3,9 Mio. Euro, geht aus dem gestern veröffentlichten Jahresabschluss hervor.
Eine Besserung der Marktsituation ist nicht in Sicht. Auch im ersten Quartal 2018 verkaufte der heimische Handel weniger Sekt. Laut Zahlen von Nielsen verringerte sich der Sektabsatz um 3,3 Prozent. Sekt gehört im Supermarkt zu jenen Produkten, die mit am häufigsten zum Aktionspreis verkauft werden. Der Aktionsanteil liegt im Schnitt bei 50 Prozent. Schlumberger-Sekt kostet im Handel ohne Aktion 14,99 Euro.
Noch schwieriger gestaltet sich der Sektmarkt in Deutschland, da dieser viel preisaggressiver sei, räumte Lippert ein. „Deutschland ist eine harte Nuss, die es noch zu knacken gilt.“ Der Markt ist riesig, im Schnitt werden pro Jahr 400 Millionen Flaschen Sekt getrunken. Marktführer im deutschen Handel ist die Firma Rotkäppchen. Bei Preisen von 2,99 Euro je Flasche kann Schlumberger nicht mithalten, und will auch nicht, wie Lippert sagte. 2017 verlief die Umsatzentwicklung von Schlumberger in Deutschland leicht rückläufig.
Für 2018 ist Schlumberger positiv gestimmt, wenngleich es einen Wermutstropfen gibt. „Trotz oftmaliger Zusicherungen namhafter Politiker wurden bisher keine Maßnahmen zur Abschaffung der diskriminierenden Schaumweinsteuer ergriffen“, heißt es im Geschäftsbericht im Ausblick für heuer. Für die Schlumberger-Gruppe wird dennoch ein Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich bei ähnlicher Verbesserung des Ergebnisses erwartet.
Die Zeichen für die diesjährige Ernte stünden gut, sagte Lippert. Schlumberger bezieht seine Trauben ausschließlich aus Österreich - großteils aus dem Burgenland sowie Niederösterreich. Auch die Produktion ist in Österreich. 2019 soll der Spatenstich für das neue Werk im Burgenland (Müllendorf) erfolgen. Die Produktionsstätte in Wien Heiligenstadt wird wie berichtet aufgelöst, die Kellerwelten sowie die Firmenzentrale bleiben. Die Kellerwelten will Schlumberger zum Touristenmagnet um- und ausbauen. Derzeit besuchen im Jahr zwar bereits rund 20.000 Touristen das mehrere Kilometer lange Kellerlabyrinth, künftig sollen es aber 120.000 sein, kündigte Lippert an.
Schlumberger gehört zu rund 99 Prozent der Sastre Holding mit Sitz in der Schweiz (Lausanne). Diese gehört über eine Stiftung dem deutsch-schwedischen Unternehmer Frederik Paulsen Jun. Am Handelsgericht Wien läuft derzeit ein Überprüfungsverfahren bezüglich der Angemessenheit der Barabfindung für die Minderheitsaktionäre. Der Interessensverband für Anleger (IVA) hatte eine „wesentlich zu niedrige Barabfindung“ für die Vorzugsaktionäre von 18,50 Euro kritisiert. Eine Nachbesserung könnte den Aktionären weitere 3 bis 4 Euro je Aktie bringen. Doch der Ball liege nun beim Gericht, da das Überprüfungsverfahren noch gar nicht richtig angefangen habe, sagte Anlegerschützer Wilhelm Rasinger zur APA.
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