Wahl am Sonntag

Linker Kandidat vor Sieg in Mexiko: Krach mit Trump droht

Präsidentschaftskandidat Andres Manuel Lopez Obrador grüßt Unterstützer.
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Mexiko wählt am Sonntag ein neues Staatsoberhaupt. Der Sieg scheint Andres Manuel Lopez Obrador sicher. Die Beziehungen zwischen Mexiko und den USA könnten damit auf einem neuen Tiefpunkt landen.

Mexiko-Stadt – Den Umfragen zufolge gibt es kaum einen Zweifel daran, wer die Präsidentenwahl in Mexiko am Sonntag gewinnen wird: Der Linke Andres Manuel Lopez Obrador, bekannt als „AMLO“. Unklar bleibt, und das treibt auch die Finanzmärkte um, was der 64-Jährige mit seiner Macht anfangen wird.

Der ehemalige Bürgermeister von Mexiko-Stadt hat einen Kampf gegen die Gewalt im Land angekündigt und ein Ende des „Neoliberalismus“ - ohne dazu jedoch Einzelheiten zu nennen. Zudem gilt er als willensstarker Charakterkopf mit scharfer Zunge, der auch wegen seiner Nutzung von Sozialen Medien mit US-Präsident Donald Trump verglichen wird. Sollten die beiden Männer aneinandergeraten, könnte sich das Verhältnis beider Länder weiter eintrüben.

„Zusammenprall der Egos“

Lopez Obrador würde in einer Zeit an die Macht kommen, in der die Spannungen mit dem Nachbarn im Norden ohnehin groß sind, sei es über die Verhandlungen zum NAFTA-Handelsabkommen oder die von Trump vorangetriebenen Pläne für eine Grenzmauer. Bekannte des Mexikaners warnen vor einem Funkenschlag, wenn die beiden Männer aneinandergeraten sollten. „Es wird einen Zusammenprall der Eitelkeiten, ein Zusammenprall der Egos geben“, sagt Juan Jose Rodriguez, ein ehemaliger Parteikollege, Freund und späterer Widersacher von Lopez Obrador, der ihn seit 40 Jahren kennt. „Wer weiß, wo das enden wird.“

Für Lopez Obrador ist es der dritte Anlauf auf das höchste Amt im Staat nach 2006 und 2012. Auch weitere Rückschläge wie zwei gescheiterte Anläufe auf ein Gouverneursamt und einen Herzinfarkt 2013 steckte er weg. In Umfragen liegt er deutlich vorne. Seine Beliebtheit geht auf die Wut in der Bevölkerung über Korruption und ein schleppendes Wirtschaftswachstum zurück, aber insbesondere über die Gewalt im Land. Die Mordrate stieg 2017 auf einen Rekordwert, der in diesem Jahr nach Regierungsangaben noch übertroffen werden dürfte. Die Gewalt macht dabei auch vor der Politik nicht halt: Seit dem Beginn des Wahlkampfes im September sind dem Sicherheitsberater Etellekt zufolge 113 Politiker getötet worden.

Obrador könnte Reformen von Vorgänger in Frage stellen

Besonders für Mexikos Märkte stellt Lopez Obrador eine große Unbekannte dar. Er hat die Öffnung der Öl- und Erdgasbranche für private Investoren infrage gestellt, das Herzstück der Wirtschaftsreform von Amtsinhaber Enrique Pena Nieto. Das macht Händler und Analysten nervös. Nicht umsonst machten der Kandidat und sein Wunsch-Finanzminister Carlos Urzua in den vergangenen Wochen die Runde bei Investmentfonds mit einer Botschaft, die beruhigen sollte: „Wir sind eigentlich nicht links, wir sind mitte-links“, wie Urzua der Nachrichtenagentur Reuters erklärte. Die Öffnung der Öl-Branche solle geprüft werden, hieß es zuletzt aus dem Wahlkampfteam.

Anleger befürchten auch höhere Sozialausgaben. Weiter hat der Kandidat den Bau eines neuen Flughafens für die Hauptstadt für 13 Milliarden Dollar kritisiert und mit einem Baustopp gedroht. Damit ging er auf Konfrontationskurs zum reichsten Mann des Landes, Carlos Slim. Auch bei diesen Themen steuerte das Wahlkampfteam von Lopez Obrador gegen: Am Montag erteilte Alfonso Romo, ein Berater des Kandidaten und im Gespräch für den Posten des Stabschefs, neuen Schulden eine Absage. „Die Zwangsjacke der Regierung wird sein, dass wir keine höhere Schulden haben wollen“, sagte er. „Und das werden wir erreichen.“ (APA/Reuters)