Steirische Slowenen feiern 30 Jahre Artikel-VII-Kulturverein
Bad Radkersburg (APA) - Vor 30 Jahren erhielt die im österreichischen Staatsvertrag erwähnte slowenische Sprachminderheit in der Steiermark ...
Bad Radkersburg (APA) - Vor 30 Jahren erhielt die im österreichischen Staatsvertrag erwähnte slowenische Sprachminderheit in der Steiermark erstmals einen eigenen Kulturverein. Zehn Jahre später fand der Verein in Form des Pavelhauses (Pavlova hisa) in Laafeld bei Bad Radkersburg eine würdige Bleibe. Am kommenden Samstag begehen Verein und Veranstaltungszentrum feierlich ihre Jahresjubiläen.
Der Artikel-VII-Kulturverein für Steiermark wurde 1988 gegründet, um der zu diesem Zeitpunkt weitgehend unbekannten, kleinen, aber historischen slowenischen Sprachminderheit in den zu Österreich gehörenden Teilen der südlichen Steiermark eine Plattform zu geben. Ziel war, die im Artikel VII des Österreichischen Staatsvertrags von 1955 garantierten Rechte der Volksgruppe wahrzunehmen und ein grenzübergreifendes Forum zur gedeihlichen Nachbarschaftsverständigung zu schaffen.
Bis zum Ende der Österreichisch-ungarischen Monarchie war in Teilen von Eibiswald, Leutschach sowie in fünf Dörfern östlich von Bad Radkersburg - Dedenitz (Dedonci), Goritz (Slovenska Gorica), Laafeld (Potrna), Sicheldorf (Zetince) und Zelting (Zenkovci) - Slowenisch die neben Deutsch übliche Umgangsprache. Danach setzte eine mehr oder weniger freiwillige Assimilierung und eine sukzessive Verdrängung des Slowenischen als Umgangssprache ein. Auch im Familiengebrauch wurde Slowenisch immer seltener.
In den vergangenen Jahrzehnten gelang es dem Verein von einer ursprünglich mitunter misstrauisch beäugten, lokalen Initiative zu einem Fixpunkt der steirischen Kulturszene zu werden. Mit thematisch vielseitigen Ausstellungen, Konzerten, Sprachkursen, Chöretreffen und anderen Aktivitäten ist das Pavelhaus nicht nur im steirisch-slowenischen Grenzgebiet aus dem Kulturleben nicht mehr wegzudenken.
Zu den größten Errungenschaften des Vereins zählen die langjährige Kooperation mit dem steirischen herbst, die viel beachtete Ausstellung „Gledat kaj delajo“ (Schauen, was sie machen) im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt 2012 Maribor (Marburg), die Einrichtung einer umfangreichen Präsenzbibliothek sowie die Herausgabe wissenschaftlicher und literarischer Schriftenreihen.
Traurige Bekanntheit erlangte der Artikel-VII-Kulturverein indes im Dezember 1995, als eine an den damals in Goritz ansässigen Verein geschickte Briefbombe des später identifizierten Attentäters Franz Fuchs durch glückliche Umstände nicht geöffnet wurde und von der Polizei entschärft werden konnte.
Die jetzige Heimstatt des Vereins, ein mustergültig renovierter und zum modernen Veranstaltungszentrum ausgebauter alter Bauernhof, bezieht seinen Namen von dem aus der benachbarten ungarischen Grenzregion stammenden ungarisch-slowenischen Dichter, Sprachwissenschafter und Ethnologen Avgust (Agoston) Pavel (1886-1946).
Für den Festakt haben Vertreter aus Politik und Diplomatie ihre Teilnahme angekündigt, darunter die steirische Landesrätin Ursula Lackner (SPÖ) und die slowenische Botschafterin in Österreich, Ksenija Skrilec. Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat eine Grußbotschaft angekündigt. Der aus Slowenien stammende Grazer Schriftsteller und Kulturschaffende Matjaz Grilj (Max Gad) sowie die Welt- und Volksmusikgruppe Aniada A Noar sorgen für den kulturellen Teil des Jubiläumsabends.
(S E R V I C E - http://www.pavelhaus.at)
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