Fußball-WM: Schwedens Schritt aus Zlatans Schatten

Jekaterinburg (APA/Reuters/sda/dpa) - Schwedens Fußball-Nationalteam ist mehr als die Summe seiner Spieler. Das haben die Skandinavier am Mi...

Jekaterinburg (APA/Reuters/sda/dpa) - Schwedens Fußball-Nationalteam ist mehr als die Summe seiner Spieler. Das haben die Skandinavier am Mittwoch zum Abschluss der WM-Gruppenphase gegen Mexiko (3:0) eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Wieder einmal wurde ein technisch stärkerer Gegner in die Schranken verwiesen. Als Belohnung gab es den Gruppensieg. Im Achtelfinale wartet am Dienstag (16.00 Uhr) in St. Petersburg die Schweiz.

Die Schweden sind in Russland aus dem langen Schatten von Zlatan Ibrahimovic getreten. Der Stürmerstar hatte seine Teamkarriere 2016 beendet. Seither steht das Kollektiv über allem. „Ich bin so unglaublich stolz und bewegt. Die Spieler waren so diszipliniert, so loyal in allem, was sie getan haben“, lobte Teamchef Janne Andersson nach der gnadenlos effektiven Vorstellung in Jekaterinburg. „Wir sind seit Samstag weiter gewachsen.“

Der Samstag, es war ein bitterer Tag für die Schweden. Ein Tor von Toni Kroos in der 95. Minute bescherte Deutschland einen 2:1-Sieg. Die übergebührlichen Jubelstürme der Deutschen hat man in Schweden nicht vergessen. „Schade für sie. Das Karma kann manchmal hart sein“, ließ Stürmer Marcus Berg dem Weltmeister nach dessen zeitgleichen WM-Aus gegen Südkorea (0:2) ausrichten. Statt Deutschland schafften es Schweden und Mexiko in die K.o.-Phase.

Gegen die Schweiz kämpfen die Schweden um ihr erstes WM-Viertelfinale seit Platz drei beim Turnier 1994 in den USA. Der Spielort St. Petersburg könnte für eine Heimatmosphäre sorgen, ist er doch keine eineinhalb Flugstunden von Stockholm entfernt. „Wir hoffen auf eine Wallfahrt“, sagte Angreifer Ola Toivonen. „Wir hoffen, ein gelbes Meer zu sehen“, ergänzte Teamkollege Mikael Lustig.

Der Zusammenhalt ist etwas, das auch die schwedische Mannschaft in der Nach-Ibrahimovic-Ära auszeichnet. Bei den Nordeuropäern kommen zahlreiche Titelträger der U21-EM von 2015 zum Zug. Ein echter Torjäger fehlt dem Team von Janne Andersson zwar, mit der kompakten Defensive brachten die Schweden im WM-Play-off im November aber schon den vierfachen Weltmeister Italien (1:0, 0:0) zur Verzweiflung.

„Es gibt nichts, was dies hier übertrifft“, hatte die Zeitung „Dagens Nyheter“ damals getitelt. Sollten die Schweden in Russland eine weitere Runde überstehen, müsste die Zeitung wohl neue Superlative erfinden. „Wir sind immer noch hungrig“, versicherte Mittelfeldmann Albin Ekdal. Und auch Kapitän Andreas Granqvist, vom Elfmeterpunkt sicher wie einst Ibrahimovic, weiß: „Solange wir weiter als Team arbeiten und zusammen kämpfen, sind wir schwer zu schlagen.“

Von Ibrahimovic, sonst nicht auf den Mund gefallen, gab es auch Stunden nach dem Achtelfinal-Einzug noch keinen Kommentar. Dem extrovertierten 36-Jährigen gehen langsam die Argumente für weitere Sticheleien aus, hatten die Schweden doch mit ihm zuvor zweimal die WM-Teilnahme verpasst. Seinen Comeback-Absichten, die er nach der erfolgreichen Qualifikation gehegt haben soll, wurde eine Absage erteilt. Das Team steht schließlich über allen.