Fußball-WM: Brasilien bleibt souverän auf Kurs zur „Hexa“
Moskau (APA/dpa/Reuters) - Nachdem der Aufstieg unter Dach und Fach war, genehmigte sich Tite erst einmal einen Drink. „Ich erlaube mir heut...
Moskau (APA/dpa/Reuters) - Nachdem der Aufstieg unter Dach und Fach war, genehmigte sich Tite erst einmal einen Drink. „Ich erlaube mir heute Abend einen Caipirinha, aber nur einen“, sagte Brasiliens Teamchef nach dem 2:0 gegen Serbien am Mittwochabend. Der Mission Hexa - dem sechstem WM-Titelgewinn - ist der Rekordchampion wieder einen Schritt näher gerückt. Im Achtelfinale wartet mit Mexiko nun ein Lieblingsgegner.
Mit der ersten titelreifen Leistung bei der WM in Russland vermied Brasilien nicht nur das gleiche Schicksal wie Deutschland. Der fünffache Weltmeister ist nun endgültig Titelfavorit. Diesen Status wies Tite allerdings von sich. „Wir leben nicht von Erwartungen, sondern von Realitäten“, betonte er auf die Frage nach seiner Meinung zur Einstufung als heißester Kandidat an den Wettmärkten. „Buchmacher und all das interessieren mich nicht. Für uns geht es nur darum, stärker zu werden und zu wachsen.“
Nach der Leistung gegen Serbien war der 57-Jährige aber „zuversichtlich“ mit Blick auf die anstehende Aufgabe. Das Team sei mit der riesigen Erwartungshaltung bisher gut umgegangen. „Es braucht eine Mannschaft, die dem Druck mental widerstehen kann, die im Gleichgewicht bleibt und die Ersatz hat, für die wichtigen Momente“, setzte Tite auch auf die Wechselspieler. Gegen Serbien schickte er von Beginn an erneut seine Paradeformation aufs Feld. Rechtsverteidiger Marcelo musste jedoch schon in der 10. Minute am Rücken verletzt vom Feld. Der Real-Profi gab danach aber Entwarnung.
Dass Brasilien nicht unverwundbar ist, zeigten die Serben in ihrer starken Phase nach der Pause. Mit dem Mute der Verzweiflung flogen viele Flanken in den brasilianischen Strafraum, Stürmer Aleksandar Mitrovic ließ zwei gute Möglichkeiten ungenutzt. Ein Kopfballtreffer von Thiago Silva (68.) nach einer Neymar-Ecke traf die Serben dann entscheidend. „Heute haben wir gelitten, aber wir wissen, wie wir damit umgehen müssen“, sagte Silva zur Drangphase des Gegners.
Es ist die defensive Stabilität, die Brasilien unter Tite auszeichnet. Mit Torhüter Alisson hat die Mannschaft auch einen starken Rückhalt. Und vorne sollen es die Ausnahmekönner richten, auch wenn Neymar weiter eher durch seine Einlagen als Tore im Mittelpunkt steht. Im Finish ließ der omnipräsente Superstar zwei Chancen auf seinen zweiten Turniertreffer ungenutzt. Die heimische Presse sah trotzdem eine Steigerung bei Neymar. Die Fäden zieht ein anderer: Philippe Coutinho zeigte erneut eine starke Vorstellung, glänzte u.a. als Passgeber beim 1:0 durch Barcelona-Clubkollege Paulinho (36.).
Vor dem Achtelfinale gegen Mexiko am Montag in Samara deutet wenig auf ein Scheitern hin. In vier Aufeinandertreffen auf WM-Ebene haben die Mittelamerikaner gegen Brasilien dreimal verloren und nur einmal ein Remis - in der Gruppenphase 2014 - erreicht. Tor gelang Mexiko in diesen Duellen kein einziges. Die historische Schmach des Titelverteidigers soll Brasilien aber eine Warnung sein. Das Scheitern Deutschlands hätten sie vor ihrem eigenen Sieg keinesfalls verfolgt, beteuerten die Südamerikaner unisono.
„Deutschland ist ausgeschieden? Mich interessiert nur Brasilien“, behauptete Paulinho. Dass Brasilien die Chance auf Wiedergutmachung für das 1:7 bei der Heim-WM vor vier Jahren genommen wurde, spielten die Akteure herunter. Als Neymar und seine Kollegen im Morgengrauen zurück ins Teamquartier in Sotschi flogen, schwor der Weltstar schon auf das K.o.-Duell mit Mexiko ein. „Team, Mannschaft, Freunde, Familie, oder nenn es, wie du willst: vereint und fokussiert auf das eine Ziel“, schrieb der 26-Jährige zu einem Foto aus dem Flieger.
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