Berlusconi: „Italien soll sich nicht mit Visegrad-Ländern verbünden“

Rom/Brüssel (APA) - Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi warnt die Regierung Conte vor der Gefahr eines scharfen Konfrontationskurses mit E...

Rom/Brüssel (APA) - Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi warnt die Regierung Conte vor der Gefahr eines scharfen Konfrontationskurses mit Europa. „Auf dem Spiel steht das Schicksal Europas, wie wir es kennen, das Europa, das aus dem großen Traum unserer Generation entstanden ist“, so Berlusconi in einem offenen Brief an die Tageszeitung „Corriere della Sera“.

Die neue Regierung um Premier Giuseppe Conte rief Berlusconi auf, sich nicht mit den Visegrad-Ländern zu verbünden. Es sei naiv zu denken, dass die Visegrad-Länder oder die deutsche CSU gute Verbündete Italiens sein könnten. „Sie haben nicht den Schutz der EU-Außengrenzen, sondern ihrer nationalen Grenzen als Ziel. Dies bedeutet, die Migranten in den meisten Fällen nach Italien zurückzuschicken“, warnte Berlusconi, Chef der oppositionellen Forza Italia.

Berlusconi warnte Conte vor einem Konfrontationskurs mit Brüssel. „Ohne Europa oder gegen Europa löst man die Probleme nicht, sie vergrößern sich nur. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Italien gute Resultate erhalten hat, wenn es Koalitionen und Allianzen aufbauen konnte“, schrieb Berlusconi.

Italien habe eine große Last wegen der Flüchtlingsproblematik getragen, schrieb Berlusconi. Daher sei die Kritik anderer EU-Länder über den neuen Migrationskurs der Regierung Conte zurückzuweisen. „Vor allem wenn diese Kritik von Ländern wie Frankreich kommt, das eine gravierende Verantwortung für die libysche Tragödie und für den Flüchtlingsnotstand trägt.“

Italien sei nicht mehr bereit, allein die Last des Flüchtlingsnotstands zu tragen, erklärte Berlusconi. Zugleich drängte er auf einen „Marshall-Plan“ für Afrika. Dies sei der einzige Weg, um dem afrikanischen Kontinent eine Zukunftsperspektive zu sichern.