Wifo/IHS 2 - Konjunkturdynamik lässt im zweiten Halbjahr nach

Wien (APA) - Heuer befindet sich Österreichs Volkswirtschaft im zweiten Jahr einer Hochkonjunktur-Phase, doch dürfte der Peak bereits zur Ja...

Wien (APA) - Heuer befindet sich Österreichs Volkswirtschaft im zweiten Jahr einer Hochkonjunktur-Phase, doch dürfte der Peak bereits zur Jahreswende 2017/18 erreicht worden sein, erklärten Wifo und IHS am Freitag. Auch Vorlaufindikatoren würden darauf hindeuten, dass der Höhepunkt des Aufschwungs vorbei sei, so die Experten. In der Folge werde die Konjunktur an Schwung verlieren.

Im ersten Halbjahr dürfte die Wirtschaft noch äußerst kräftig gewachsen sein, der Aufschwung sei weiterhin breit abgestützt, so das Institut für Höhere Studien (IHS). Der Privatkonsum sei im ersten Quartal - mit doch mehr als drei Prozent BIP-Anstieg als ein Jahr davor - von der guten Arbeitsmarktentwicklung getrieben worden. Seit der Steuerreform 2016 stützt der Privatkonsum das Wachstum, aktuell wird dieser durch den besseren Arbeitsmarkt und das hohe Konsumvertrauen am Laufen gehalten. Die Investitionstätigkeit sei zuletzt noch kräftig geblieben, doch lasse die Investitionskonjunktur nach, insbesondere bei den Ausrüstungsinvestitionen, heißt es. Der Preisauftrieb dürfte weiter mäßig bleiben: Das Wifo sieht für 2018 und 2019 jeweils 2,0 Prozent Inflation, das IHS je 2,1 Prozent.

Auch vom Außenhandel seien Impulse gekommen. Die Exportdynamik schwäche sich aber im Einklang mit der Weltkonjunktur leicht ab, sagt auch das Wifo. Für das zweite Halbjahr sei mit einer „spürbaren Verlangsamung der Konjunkturdynamik“ zu rechnen, so das IHS. Das internationale Umfeld habe sich in den vergangenen Monaten etwas verschlechtert, verweist das IHS etwa auf Deutschland und Frankreich - und auf die tieferen, aber weiter positiven Indikatoren. In vielen Ländern würden zunehmende Kapazitätsengpässe sowie eine allgemeine Stimmungseintrübung aufgrund steigender Risiken die Wachstumsraten dämpfen, betont das Wifo.

Belastend wirkt laut IHS „die deutliche Erhöhung der Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung, die durch handelspolitische Risiken ausgelöst wurde“. Washington sei auf einen Protektionismus-Kurs eingeschwenkt. Es gebe die Gefahr, dass es zu einer Spirale aus Aktion und Reaktion bei den handelspolitischen Instrumenten kommt: „Bereits die Sorge über eine mögliche Eskalation des Handelskonflikts, etwa zwischen den USA und China, könnte die weltweite Investitionsbereitschaft dämpfen.“

Die US-Wirtschaft sollte 2018/19 um 2,8 bzw. 2,4 Prozent zulegen, glaubt das IHS - beim Wifo rechnet man mit 2,5 und 2,0 Prozent Zuwachs. Für den Euroraum schätzt das IHS die Wachstumsaussichten nun mit 2,0 bzw. 1,8 Prozent etwas pessimistischer ein als noch im März, das Wifo geht von 2,2 und 1,8 Prozent aus. Die EU dürfte es dank Osteuropa in beiden Jahren auf etwas mehr BIP-Plus bringen. In den Schwellenländern sollte die Konjunktur aufwärtsgerichtet bleiben. Für China sieht das IHS 6,6 und 6,2 Prozent Wachstum, das Wifo 6,4 und 6,0 Prozent. Die Weltwirtschaft sollte laut IHS um 3,8 und 3,6 Prozent expandieren, nach 3,7 Prozent im Vorjahr.

Die Budgetziele der Regierung hält das IHS für erreichbar, falls der Budgetvollzug strikt und der wirtschaftliche Rahmen passend bleiben. Der Voranschlag 2018/19 sieht eine Rückführung der gesamtstaatlichen Defizits nach Maastricht-Definition von 0,7 Prozent des BIP im Vorjahr auf 0,4 Prozent im heurigen Jahr und einen ausgeglichenen Haushalt kommendes Jahr vor. Das IHS erwartet zur Zeit 0,2 Prozent Defizit für 2018 und 0,1 Prozent Überschuss 2019, das Wifo heuer 0,1 Prozent Defizit, 2019 0,2 Prozent Überschuss.

Für einen nachhaltigen Budgetkurs und eine Absenkung der Schuldenquote seien zusätzliche Strukturreformen „unbedingt notwendig“, hält das IHS fest, etwa in den Bereichen Pensionen und Föderalismus bzw. Finanzausgleich. Längerfristig müssten Potenziale zur Finanzierung von Alterung und zusätzlichen Aufgaben in Bildung, Digitalisierung und Forschung geschaffen werden.