Pitztaler Steinbock-WG wird 2019 bezogen
Bis zu 15 Steinböcke sollen in das Steinbockzentrum in St. Leonhard einziehen. Derzeit werden die letzten Weichen für das Projekt gestellt.
Von Matthias Reichle
St. Leonhard i. P. – Ans selbst Ausmisten denken die Bewohner nicht im Traum. Dafür liegen sie sich wegen jeder Kleinigkeit in der Wolle und sind vor allem im Winter kaum aus dem Bett zu bekommen. Typisch WG eben – ob’s in jener Wohngemeinschaft in St. Leonhard auch so zugehen wird, die ab kommendem Jahr das hintere Pitztal beleben soll? Dort ziehen allerdings nur tierische Bewohner ein: Steinböcke, Mufflons und Murmelen. Nach mehrjährigen Vorbereitungen steht der Baubeginn für das 2,5 Mio. Euro teure Steinbockzentrum kurz bevor. Der König der Berge wird dort aus nächster Nähe zu beobachten sein. Das Ganze firmiert unter dem Wappen des Naturparks Kaunergrat, ist dort doch auch eine Außenstelle der Natureinrichtung inklusive Ausstellung geplant.
Eröffnung ist im kommenden Juli 2019, betont der St. Leonharder Bürgermeister Elmar Haid. Sein Gemeinderat hat in den letzten Sitzungen die Weichen für den Baustart gestellt.
Zunächst will man aber mit der Errichtung des Weges, der von der Gemeinde zum Zentrum führt, beginnen sowie mit dem Bau der Gehege, die schließlich Lebensraum für die Tiere werden sollen, erklärt er. In drei abgetrennten Bereichen werden die drei fürs Pitztal typischen Tierarten unterkommen. Das größte Areal, in das die Steinböcke einziehen, kann von den Besuchern durchwandert werden. Mensch und Tier sind dabei von keinem Zaun getrennt. „Streichelzoo wird es aber keiner“, erklärt Naturpark-Geschäftsführer Ernst Partl. „Es handelt sich doch um mächtige Wesen – und wenn denen etwas nicht passt, bekommt man auch einen Knuff.“ Die Fütterungsstelle ist aber barrierefrei zu erreichen, die majestätischen Tiere sind aus nächster Nähe zu beobachten. Die Tiere kommen nicht aus der freien Wildbahn, sondern aus Zoos. Bei der Vermittlung ist der Alpenzoo behilflich. Der zoologischer Kurator Dirk Ullrich ist für die Suche verantwortlich. Die Steinböcke werden zum Teil auch aus Beständen des Alpenzoos kommen, betont er. Zum Austesten des Geländes werde man mit einem kleinen Rudel starten, zwei Böcken und drei Geißen. Bis zu 15 Tieren können später einziehen.
Beim Baustart des Steinbockzentrums selbst stehen beinahe alle Ampeln auf Grün. Die Genehmigungen der Behörden seien da, so Haid. Demnächst wird auch noch das Fördergremium tagen, weiß Naturpark-GF Ernst Partl. Das Projekt ist Leader-gefördert, die Eigenmittel bringen die Gemeinde St. Leonhard und der TVB Pitztal gemeinsam auf. Für Haid ist es ein wichtiges Infrastrukturprojekt, das dem Tourismus im ganzen Tal zugutekommt.
Parallel mit dem Bau des Steinbockzentrums will man übrigens auch mit der Restaurierung des Schrofenhofs beginnen. Das älteste heute noch erhaltene Anwesen des Pitztals, das bis ins 13. Jh. zurückreicht, steht in unmittelbarer Nachbarschaft des Steinbockzentrums. Derzeit ist man in Verhandlung mit dem Land, so Haid. Er soll wieder so hergestellt werden, wie er früher war.
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