Formel 1: Wolffs Visionen: „Alles virtuell“ - Fortnite als Wegweiser
Spielberg (APA) - Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff sieht im enorm populären Computerspiel Fortnite einen Trend, der in Zukunft auch den Sp...
Spielberg (APA) - Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff sieht im enorm populären Computerspiel Fortnite einen Trend, der in Zukunft auch den Sport immer stärker erfassen wird. „Das ist einfach die Zukunft, alles wird virtuell“, sagte der Wiener im Vorfeld des Formel-1-Rennens auf dem Red Bull Ring. Die Entwicklungen in der Formel E und der eSports-Boom sind für Wolff Schritte in diese Richtung.
„Ich glaube, dass wir auf dem falschen Dampfer sitzen“, meinte Wolff. Es sei klar, dass man in Zukunft verstärkt auf virtuelle Realität setzen müsse, um die junge Generation noch zu erreichen. Bei dem Ego-Shooter Fortnite wird „mit Comicfiguren gespielt“, wie Wolff erklärte. Man versuche, möglichst weit weg von einer realistischen Darstellung zu gehen. „Ich frage meinen Teenager-Sohn, das kann dir doch keinen Spaß machen mit Comicfiguren? Dann sagt er: Oh ja, gerade das macht dann Unterschied!“
Die Formel E zeigt laut dem Österreicher den Weg vor und dürfe nicht belächelt werden. „Ich denke mir, dass die Formel E mit all den Dingen, die sie einführt, dem Fahrerwechsel, dem Fan-Boost, dem Super-Mario-Modus, der nächstes Jahr kommt, für uns Puristen nicht richtig ist. Aber ich bin sicher, dass die nächste Generation Autorennspiele, die funktionieren wird, so etwas sein wird wie Super Mario Kart“, führte Wolff aus. Seine Sache sei das nicht, „aber die Kinder finden‘s super, die wollen es nicht ernst haben“.
Die Frage sei, „wie diese Entwicklung generell weitergeht“. Womöglich sei im Moment die letzte Ära der „alten“ Formel 1 gekommen, „wo dieser Sport global ist und wirklich breite Relevanz hat“. Wolff nannte die World Wrestling Entertainment, die für die Veranstaltung von Wrestling-Shows und -TV-Sendungen bekannt ist. „Die Wrestler haben ihre Einkünfte verdreifacht mit einem neuen TV-Deal in Amerika (mit der Fox-Gruppe/Anm.)“, sagte er. „Da weiß jeder, dass es nicht reell ist - und es zieht.“
Wie die Formel 1 der Zukunft unter der Eigentümerfirma Liberty Media aussehen wird, ist seit dem Treffen Anfang April in Bahrain nicht wesentlich klarer geworden. Das Thema wird laut Wolff aber ohnehin etwas zu heiß gekocht, da neue Regelungen „erst bis Ende März 2020“ abgesegnet werden müssen. „Da ist noch viel Zeit“, betonte der 46-Jährige. „Aber wir wollen einen klaren Pfad, wohin es gehen wird.“
Was die geplante Budgetobergrenze betrifft, ist der Liberty-Vorschlag, der bei 150 Millionen US-Dollar (129,5 Mio. Euro) liegen soll, für die Top-Drei-Teams außerhalb des Bereichs des Möglichen. „Für uns ist es super-unvorstellbar, für Red Bull ultra-unvorstellbarer, für Ferrari hyper-unvorstellbar“, nahm Wolff Anleihe bei der Reifen-Terminologie in der Formel 1. Der Betrag müsse nach oben korrigiert werden.
„Es gibt nächste Woche die Strategiegruppe, da wird diskutiert, vielleicht wird das auch wieder aufgenommen. Im Moment finden wenig Gespräche zu dem Thema insgesamt statt“, gab Wolff Auskunft. Liberty Media sei bewusst, dass sich beide Seiten um einen Kompromiss bemühen müssen. „Wir müssen da jetzt einfach alle an einem Strang ziehen, wir können uns nicht an irgendwelchen Vertragsinhalten aufreiben gegenseitig und dabei das große Ganze aus dem Auge verlieren.“
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