Fünf Mitarbeiter erschossen - US-Zeitung: „Heute sind wir sprachlos“

Annapolis (Maryland) (APA/dpa/Reuters) - Einen Tag nach dem Angriff auf eine US-Lokalzeitung in Annapolis haben trauernde Journalisten ihrer...

Annapolis (Maryland) (APA/dpa/Reuters) - Einen Tag nach dem Angriff auf eine US-Lokalzeitung in Annapolis haben trauernde Journalisten ihrer fünf getöteten Kollegen in der Freitag-Ausgabe ihres Blattes gedacht. „Wir sind untröstlich, am Boden zerstört. Unsere Kollegen und Freunde sind weg“, schrieb der Herausgeber der „Capital Gazette“, Rick Hutzell, auf der Titelseite, die schon vor dem Erscheinen über Twitter veröffentlicht wurde.

„Heute sind wir sprachlos“, heißt es in dem ebenfalls über Twitter verbreiteten Leitartikel. „Diese Seite wird heute absichtlich leer gelassen, um der Opfer zu gedenken.“ Es folgen die Namen der Getöteten.

In der Redaktion der „Capital Gazette“ in Annapolis im Bundesstaat Maryland hatte ein 38-Jähriger am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) fünf Menschen erschossen. Unter den Opfern sind zwei Frauen - vier Journalisten und eine kaufmännische Mitarbeiterin. Zwei Menschen erlitten Verletzungen. Vor den Schüssen in der Redaktion der „Capital Gazette“ hat der 38-Jährige noch seine Fingerspitzen verstümmelt, offenbar in der Absicht, seine Identifizierung über Fingerabdrücke zu verhindern. Als die Polizei ihn im Newsroom fasste, hatte er seine Schrotflinte weggelegt und sich unter einem Tisch versteckt. Der Täter soll am Freitagvormittag dem Haftrichter vorgeführt werden. Er muss sich wegen Tötung in fünf Fällen verantworten.

Nach Berichten der „Capital Gazette“ handelt es sich um einen Mann aus der rund 40 Kilometer entfernten Stadt Laurel, der mit dem Blatt seit Jahren einen erbitterten Rechtsstreit ausfocht. Das Blatt hatte 2011 über Belästigungsvorwürfe gegen den Mann berichtet. Daraufhin sei dieser vor Gericht gezogen und habe verloren. Weder der Kolumnist, der damals berichtete, noch der damalige Herausgeber und Verleger arbeiten heute noch für die Zeitung.

Der Beschuldigte dürfte sich von Justiz und Medien unverstanden gefühlt haben. Die Zeitung hatte laut US-Medien über den Mann berichtet, nachdem er eine Ex-Schulkollegin - die sich zunächst gar nicht an ihn erinnerte - über Soziale Medien gestalkt und diffamiert hatte. Vorangegangen war eine Klage der Frau gegen den jetzt 38-Jährigen, der sich schließlich vor Gericht wegen Belästigung schuldig bekannt hatte und zu 90 Tagen bedingter Haft verurteilt wurde. Die „Capital Gazette“ berichtete über den Fall in einer Meldung mit dem Titel „Jarrod will dein Freund sein“.

Der Mann, nach Angaben seines Anwalt ein IT-Techniker, hatte der Frau zunächst von persönlichen Problemen berichtet, sie bot Hilfe an. Die Inhalte seiner Nachrichten wurden schließlich widerwärtig - der Mann drohte sogar, sie zu töten. Der Beschuldigte klagte die Zeitung wegen Verleumdung - seiner Überzeugung nach war seine Sicht der Dinge nicht ausreichend berücksichtigt worden - und verlor. 2015 wurde die Entscheidung des Gerichts in zweiter Instanz bestätigt.

(Überblick)