Wifo und IHS: Konjunktur weiter gut, Tempo lässt etwas nach

Wien (APA) - Österreichs Wirtschaft wächst weiter flott, doch nimmt das Tempo im Laufe des heurigen Jahres etwas ab. Ihre Erwartungen ändert...

Wien (APA) - Österreichs Wirtschaft wächst weiter flott, doch nimmt das Tempo im Laufe des heurigen Jahres etwas ab. Ihre Erwartungen änderten Wifo und IHS gegenüber März nur unwesentlich, die Chefs der Institute warnten aber vor den Gefahren eines Protektionismus im Welthandel. Die Debatten um den 12-Stunden-Tag finden sie überzogen und lächerlich, obwohl sie beide für Arbeitszeit-Flexibilisierung sind.

Nach 3,0 Prozent 2017 rechnet das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) für heuer mit 3,2 Prozent realem BIP-Plus, für 2019 mit 2,2 Prozent Anstieg - beides unverändert gegenüber Frühjahr. Das Institut für Höhere Studien (IHS) erwartet für heuer 2,9 Prozent Plus (etwas mehr) und für 2019 dann 1,7 Prozent Wachstum, etwas weniger als zuletzt.

Wie die nachlassende Konjunkturdynamik am besten umschrieben werden kann, darüber waren sich die Chefs von IHS und Wifo, Martin Kocher und Christoph Badelt, am Freitag uneins: Auf der Tanzfläche werde „derzeit der letzte Rock ‚n‘ Roll gespielt“, dann gehe es mit einem „L‘amour-Hatscher“ weiter, meinte Kocher. Badelt dagegen meinte, er „glaube nicht, dass wir schon bei einem L‘amour-Hatscher sind - einigen wir uns auf einen langsamen Walzer.“

Träger der Expansion sind die Binnennachfrage und der Außenhandel, auch wenn dieser etwas an Dynamik verliert - entsprechend der Wirtschaftsentwicklung in Eurozone und EU. „Handelspolitische Risiken belasten die Konjunktur zusätzlich“, warnt das IHS, das und der Brexis seien „merklich abwärtsgerichtete Prognoserisiken“. Ein echter „Handelskrieg könnte sich lähmend auf die Investitionstätigkeit auswirken, und die Welthandelsorganisation WTO könnte zur Seite gewischt werden“, warnte Kocher.

Belastend wirkt laut IHS „die deutliche Erhöhung der Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung, die durch handelspolitische Risiken ausgelöst wurde“. Washington sei auf einen Protektionismus-Kurs eingeschwenkt. Es gebe die Gefahr, dass es zu einer Spirale aus Aktion und Reaktion bei den handelspolitischen Instrumenten kommt: „Bereits die Sorge über eine mögliche Eskalation des Handelskonflikts, etwa zwischen den USA und China, könnte die weltweite Investitionsbereitschaft dämpfen.“

Am Arbeitsmarkt dürfte die positive Entwicklung weitergehen - die Arbeitslosigkeit sinkt durch den weiter starken Anstieg des Arbeitskräfteangebots aber nur verhalten. Die nationale Arbeitslosenrate sieht das Wifo von 8,5 Prozent 2017 auf heuer 7,6 und 2019 auf 7,2 Prozent sinken, das IHS erwartet für 2018/19 Rückgänge auf 7,7 bzw. 7,5 Prozent.

Besorgt zeigten sich Kocher und Badelt über die Art der Debatte über den 12-Stunden-Tag - also einer „vergleichsweise kleinen Reform“, so der IHS-Chef: „Wie sollen wir dann etwa eine große Pensionsreform zusammenbringen?“ Für den Wifo-Chef ist „das wirkliche Problem, dass die politische Diskussion mit Übertreibungen arbeitet, die schon ans Lächerliche grenzen - auf beiden Seiten. Das trägt alles nicht zu einer Lösung bei“. An sich sind aber beide Experten grundsätzlich für eine Flexibilisierung, jedoch hätten sie eine Einigung unter Einbindung der Sozialpartner, also Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern, eher goutiert.

Heuer befindet sich Österreichs Volkswirtschaft im zweiten Jahr einer Hochkonjunktur-Phase, doch dürfte der Peak bereits zur Jahreswende 2017/18 erreicht worden sein, erklärten Wifo und IHS am Freitag. Auch Vorlaufindikatoren würden darauf hindeuten, dass der Höhepunkt des Aufschwungs vorbei sei, so die Experten. Die Investitionstätigkeit sei zuletzt noch kräftig geblieben, doch lasse die Investitionskonjunktur nach, insbesondere bei den Ausrüstungsinvestitionen, heißt es. Der Preisauftrieb dürfte weiter mäßig bleiben: Das Wifo sieht für 2018 und 2019 jeweils 2,0 Prozent Inflation, das IHS je 2,1 Prozent.

Auch vom Außenhandel kämen Impulse. Die Exportdynamik schwäche sich aber im Einklang mit der Weltkonjunktur leicht ab, sagt auch das Wifo. Für das zweite Halbjahr sei mit einer „spürbaren Verlangsamung der Konjunkturdynamik“ zu rechnen, so das IHS. Die Abschwächung der deutschen Wirtschaft im ersten Quartal - worauf die Institute im Nachbarland auch ihre Prognose teils massiv senkten -, sehen sowohl Helmut Hofer vom IHS als auch Christian Glocker vom Wifo als „temporär“ an. Das hänge etwa auch mit den Streiktagen im Februar und März sowie den Krankenstandstagen zusammen, man erwarte für Q1 einen Nachholeffekt, so Glocker.

Zum heimischen Staatshaushalt erwartet das IHS zur Zeit 0,2 Prozent des BIP an Maastricht-Defizit für 2018 und 0,1 Prozent Überschuss 2019, das Wifo heuer 0,1 Prozent Defizit, 2019 0,2 Prozent Überschuss. Die Steuer- und Abgabenquote wie angepeilt auf 40 Prozent zu senken werde „ohne Reformen nicht gehen“, betonte Badelt. Wolle man eine signifikante Abgabensenkung machen, würden die 0,2 Prozent Überschuss „rasch weg sein - vom strukturellen Defizit gar nicht zu reden. Die Reformen muss es geben, auch im Hinblick auf das Abgabenziel.“ Weil die Steuereinnahmen jetzt gut laufen, sollte die Zeit zur Konsolidierung genutzt werden, auch mit langfristigen Strukturreformen, um mehr Spielraum für die öffentlichen Ausgaben zu erhalten, so der Wifo-Chef.

( 0697-18, Format 88 x 100 mm)