US-Konsumenten sollen Trumps Zölle vorerst nicht spüren

Washington (APA/awp/sda/reu) - Die Zölle von US-Präsident Donald Trump auf chinesische Importe sollen die Konsumenten in den USA so wenig wi...

Washington (APA/awp/sda/reu) - Die Zölle von US-Präsident Donald Trump auf chinesische Importe sollen die Konsumenten in den USA so wenig wie möglich zu spüren bekommen. Ziel der Zölle sind vor allem Komponenten von Lieferketten. Ein ausgeklügelter Plan sieht vor, dass die Konsumenten und Wähler vorerst kaum in Mitleidenschaft gezogen werden. Diese Rechnung geht Experten zufolge aber womöglich nicht auf, wenn der Streit eskaliert.

In dem Konflikt nach dem Motto „wie du mir so ich dir“ droht Trump damit, Zölle auf Waren im Wert von 450 Mrd. Dollar (386 Mrd. Euro) zu verhängen. In einem ersten Schritt treten Anfang Juli Aufschläge auf Güter im Volumen von 34 Mrd. Dollar in Kraft. „Wenn man dann bei 200 Milliarden Dollar angekommen ist, werden Produkte betroffen sein, die von jedem Familienmitglied konsumiert werden“, sagt Hun Quach, Expertin beim Handelsverband RILA.

Der US-Handelsbeauftragte hat insgesamt 1.102 Produkte aus China im Visier. Nach einer Reuters-Analyse sind von denen, die ab dem 6. Juli schrittweise mit einem 25-prozentigen Tarif belegt werden, nur ein Prozent Konsumgüter. Die meisten der betroffenen Produkte werden nach den von der Industriestaatengruppe OECD ausgearbeiteten Kategorien entweder als Investitionsgüter oder Zwischenprodukte klassifiziert.

Die Idee der Trump-Regierung ist es, Unternehmen zu zwingen, ihre Lieferketten aus China herauszuverlagern oder die Effizienz zu steigern, um die Zollbelastungen auszugleichen. Aber letztendlich werde auch das den US-Konsumentenn schaden, sagen Industrievertreter. „Aus unserer Sicht spielt es keine Rolle, wo in der Lieferkette man die Zölle erhebt, weil es letztlich eine Steuer zulasten der Amerikaner sein wird“, warnt Josh Kallmer vom Lobbyverband ITI, der große Technologieunternehmen vertritt.

Beispielsweise wird das Thermostat Nest, das in China montiert und in den USA von Google für rund 250 US-Dollar verkauft wird, in die Investitionsgüterkategorie der Importe eingestuft und den Zöllen unterworfen. Auf einer Liste von Produkten, die in einer zweiten Runde betroffen wären, steht das sportliche SUV-Modell Buick Envision von General Motors. Gebaut in China wurden im vergangenen Jahr 41.000 Einheiten in den USA verkauft.

Chinesischen Autos des Herstellers Volvo, der im Besitz des chinesischen Geely-Konzerns ist, stehen ebenfalls Zölle bevor - obwohl Volvo kürzlich seine eigene US-Produktion in einem Werk in South Carolina gestartet hat. Handys sind bisher ausgeschlossen, teilte das Büro des US-Handelsbeauftragen jüngst mit. Demnach würde Apples in China zusammengesetztes iPhone nicht beeinträchtigt werden. Rund 61 Millionen Stück wurden 2017 importiert, wie aus Daten der Forscher Counterpoint und IHS Markit hervorgeht.

Die meisten Unternehmen, die unter der ersten Zollrunde leiden werden, sind nach Recherchen der Wirtschaftsprofessorin Mary Lovely von der Universität Syracuse im Grunde keine chinesischen Firmen. Anhand chinesischer Exportdaten fand sie heraus, dass 87 Prozent der betroffenen Elektronikprodukte von nicht-chinesischen multinationalen Unternehmen und ausländischen Gemeinschaftsfirmen stammen. Chinesische Halbleiterprodukte etwa verwenden überwiegend Chips aus den USA, Taiwan, Südkorea oder Japan. Einfache Montage-, Verpackungs- und Testarbeiten finden in China statt. „Leute, die sagen, dass wir China stärker verletzen können, weil wir so viel von ihnen kaufen, verstehen nicht wirklich, wie die Handelsströme funktionieren“, sagt Lovely.