Auf der Spur verlorener Koffer: Was tun bei Gepäckverlust?

Endlich im Urlaub angekommen, da ist das Gepäck verschwunden oder beschädigt. Dann heißt es schnell und richtig reagieren.

Foto: iStock
© iStockphoto

Von Deborah Darnhofer

Innsbruck –Sonne, Strand und Meer, Badehose, Shorts und Hemd. Urlaubszeit: Sie könnte so schön sein, gingen nicht auf der Fahrt ins gebuchte Paradies die Koffer verloren. Über Rechte und Pflichten beim Gepäckverlust klären zwei Juristen auf.

Liegt der eigene Koffer nicht am Gepäckband, dann sollten Urlauber sofort beim „Lost-and-Found“-Stand am Flughafen den Verlust melden. Vor Ort wird in der Regel das PIR-Formular (der „Property Irregularity Report“) ausgefüllt. „Davon unbedingt eine Kopie aufbewahren“, betonen die Juristen, Nikolaus Authried vom ÖAMTC und Lukas Eschlböck vom Verein für Konsumenteninformation (VKI).

Anschließend versuchen die Fluglinien den Koffer aufzuspüren und an die Passagiere nachzuliefern. Die sollten daher nicht am Flughafen warten und womöglich einen Anschlussflug oder -transfer verpassen, sondern zum Urlaubsort weiterreisen.

Für die Zwischenzeit dürfen Urlauber (nicht aber Heimkehrer) „notwendige Dinge“ (Toilettenartikel, Unterwäsche, eventuell Kleider) nachkaufen, erklärt Eschlböck, „aber unbedingt die Rechnung behalten“. Die Unternehmen würden teilweise die Kosten erstatten. „Entscheidend ist hier die Angemessenheit. Teure Waren werden eher nicht rückerstattet“, ergänzt Authried. Es handle sich um einen Ausgleich und eine Schadenminderungspflicht seitens der Fluglinie. Außerdem sei der Zweck der Reise beim Kleiderkauf entscheidend. So ist bei einem Strandurlaub eine nachgekaufte Badehose legitim, ein schicker Anzug aber nicht. „Wenn der Koffer außerdem wieder auftaucht, kann die Airline die Ausgaben der Ersatzausstattung zurückfordern“, gibt Authried zu bedenken.

Taucht der Koffer gar nicht mehr auf, hat der Fluggast Anspruch auf Entschädigung. Das so genannte Montrealer Abkommen, das die EU, USA, Japan und EU-Fluggesellschaften unterzeichnet haben, regelt u. a. Schadenersatzleistungen. „Die Haftungsobergrenzen liegen aktuell zwischen 1200 und 1400 Euro“, berichtet der ÖAMTC-Jurist. Zu beachten ist allerdings, dass der Schaden „ungefähr gleichwertig ersetzt“ wird. D. h. bei einer vor drei Jahren gekauften Jeans wird nicht der Neupreis erstattet, sondern ein um eine Abschreibung verminderter Betrag.

Wer eine Pauschalreise unternimmt, der ist besser gestellt, kann er sich doch zusätzlich beim Reiseveranstalter melden, „und der muss entsprechend helfen“, erklärt Authried. Er empfiehlt, den Veranstalter so rasch wie möglich zu informieren und das weitere Vorgehen zu besprechen. „Je nach Art der Reise kann der Urlauber Schadenersatz für entgangene Urlaubsfreuden geltend machen. Das bringt eine Preisminderung.“ Laut Eschlböck, der sich auf die so genannte Wiener Liste beruft, können das zwischen 20 und 25 Prozent pro Reisetag sein.

Kommt der Koffer beschädigt an oder ging z. B. die Fotokamera beim Transport zu Bruch, gelten ebenfalls das Montrealer Abkommen und die Haftungsobergrenzen. Ein beschädigter Koffer muss allerdings spätestens sieben Tage nach dem Vorfall bei der Airline gemeldet werden. Schäden werden dann entweder durch Subunternehmen repariert oder durch einen Geldbetrag ausgeglichen.

Vor Abflug können Urlauber selbst vorsorgen. Informieren ist dabei der erste Schritt. Denn manche Kreditkarten und andere Vereine (z. B.: Alpenverein, ÖAMTC) inkludieren einen Reiseschutz oder bieten ihn an. Hier gilt es, Bedingungen und Voraussetzungen genau zu lesen und eine schriftliche Bestätigung der Leistungen einzuholen.

Zusätzlich gibt es eigene Reisegepäckversicherungen, die könnten allerdings teuer und überflüssig sein, warnen Konsumentenschützer. „Bevor man diese abschließt, sollten Urlauber klären, was ihnen der Schutz wert ist und ob nicht andere Verträge schon einen Reiseschutz enthalten“, sagt Eschlböck.

Wer besonders wertvollen Inhalt (über der Haftungsobergrenze) mit sich führt, der sollte das bei der Fluglinie unbedingt vor der Reise deklarieren, empfiehlt Authried. Nur dann sei sichergestellt, dass man im Fall adäquaten Ersatz erhält. Für die Deklaration kann die Fluglinie aber einen Aufpreis verlangen. Wertgegenstände gehören für die Experten immer ins Handgepäck, ebenso wie Toilettenartikel und Ersatzwäsche. Dokumentieren ist vor der Reise der zweite Schritt. „Es schadet nicht, wenn sich Urlauber den Kofferinhalt merken oder mit einer Liste oder Fotos dokumentieren“, rät der VKI-Jurist. Damit könne der Airline der Verlust glaubhaft gemacht werden.

Ein möglichst auffälliger, bunter Koffer wird im Fall der Fälle womöglich besser und schneller wieder gefunden. Helfen können auch angebrachte Adresszettel. Seit zwei Jahren bietet ein europäischer Kofferhersteller sogar einen elektronischen Gepäckanhänger an. Die Daten werden von einer App gespeichert, so soll u. a. der Koffer leichter auffindbar sein.

Die gute Nachricht kommt zum Schluss: Im Flugverkehr gehen pro 1000 Passagiere rund 11,375 Gepäckstücke verloren. Binnen zwei Tagen tauchen die meisten wieder auf, berichtet die auf Luftfahrtdaten spezialisierte Organisation SITA. Lediglich 3,4 Prozent (850.000 Koffer) bleiben letztlich verschollen.


Kommentieren


Schlagworte