Stichwort - Die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und China
Frankfurt am Main (APA/AFP) - Wenn Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Chinas Regierungschef Li Keqiang sich wie am Montag ...
Frankfurt am Main (APA/AFP) - Wenn Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Chinas Regierungschef Li Keqiang sich wie am Montag in Berlin treffen, dann sitzen handelspolitische Giganten am Tisch. Die wirtschaftlichen Beziehungen sind kompliziert - auf der einen Seite verdienen deutsche Unternehmen gut in China, auf der anderen Seite schürt der chinesische Expansionsdrang zunehmend Sorgen.
WER IST EXPORTWELEISTER?
Weltweit exportiert China bereits seit 2009 von allen Staaten am meisten. Dafür hat kein anderes Land auf der Welt einen so großen Exportüberschuss wie Deutschland - allerdings nicht im Vergleich mit China. Vom wichtigsten Handelspartner importierte Deutschland im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt Waren im Wert von gut 100 Mrd. Euro. Die deutschen Exporte nach China summierten sich auf 86 Mrd. Euro - unter dem Strich ein Defizit von 14 Mrd. Euro.
KAUFT CHINA DEUTSCHLAND AUF?
Trotz anderslautender Meldungen sind chinesische Investoren in Deutschland im Vergleich zu Kapitalgebern aus anderen Ländern nach wie vor kleine Fische. Laut den jüngsten Zahlen der Bundesbank hielten Unternehmen mit Sitz in China in Deutschland 2016 rund 3,6 Mrd. Euro Investitionen (2013: 1,9 Mrd. Euro). Das betraf 211 Unternehmen (2013: 117), die insgesamt 36.000 Mitarbeiter beschäftigten (2013: 16.000). Der Umsatz lag bei 12,4 Mrd. Euro (2013: 4,9 Mrd. ).
Umgekehrt hatten deutsche Unternehmen 2016 Investition im Wert von rund 77 Mrd. Euro in China stehen (2013: 48 Mrd. Euro). Der größte Teil davon fließt in Industrieunternehmen, am meisten in die Autoindustrie. Insgesamt gibt es in China mehr als 2160 Unternehmen mit deutscher Beteiligung (2013: 1870), sie beschäftigen 730.000 Mitarbeiter (2013: 615.000) und setzen 280 Mrd. Euro um (2013: 210 Mrd. ).
Seit 2016 haben die chinesischen Investitionen in Deutschland allerdings weiter zugenommen, während die deutschen Unternehmen ihre Neuinvestitionen in der Volksrepublik eher zurückfahren.
KONTROLLIERT DER STAAT CHINESISCHE INVESTOREN?
Die chinesische Führung hatte 2015 in ihrer Industriestrategie „Made in China 2025“ zehn Felder definiert, in denen sie weltweit führend werden will. Dazu gehören Software, Roboter, Flugzeuge, Schiffe, Züge und Autos sowie Energiesysteme, Landwirtschaftstechnik, neue Werkstoffe und Medizintechnik.
Eine Auswertung der Bertelsmann-Stiftung von chinesischen Übernahmen in Deutschland kommt zum Schluss, dass die chinesischen Investoren überwiegend der staatlichen Linie folgen. Laut dem China-Experten der Unternehmensberatung PwC, Thomas Heck, verfolgen die Investoren hingegen in erster Linie betriebswirtschaftliche Motive. „Sie kaufen, wenn sie sich etwa einen neuen Marktzugang davon versprechen, eine starke Marke, neue Kunden oder Lieferantennetzwerke.“
WAS WOLLEN DIE DEUTSCHEN FIRMEN IN CHINA?
Die deutschen Firmen haben es vor allem auf den Binnenmarkt mit seinen fast 1,4 Milliarden Verbrauchern und der wachsenden Ober- und Mittelschicht abgesehen. Diese schätzen laut der staatlichen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI) die Qualität der Waren „Made in Germany“. Zugang zum chinesischen Markt wird als Argument für deutsche Unternehmen immer wichtiger, eine Produktion in China wird durch steigende Löhne hingegen immer teurer. Eine verlängerte Werkbank ist China deshalb schon lange nicht mehr.
WELCHE HINDERNISSE GIBT ES IN CHINA?
Laut GTAI ist China kein verlässlicher Rechtsstaat. Bestehende Regelungen werden oft unterschiedlich angewandt oder ändern sich schnell. Die deutschen Unternehmen dürfen in vielen Branchen nur eingeschränkt agieren und müssen sich chinesische Partner suchen. Außerdem klagen sie über Benachteiligung gegenüber Staatsbetrieben und nach wie vor hohe Produktpiraterie. Als neue Risiken identifiziert GTAI die wachsende Zensur im Internet und Angst um Geschäftsgeheimnisse.
WELCHES RISIKO GEHT VOM EXPANSIONSDRANG DER CHINESEN AUS?
Experten warnen immer wieder davor, dass Deutschland in bestimmten Bereichen abhängig von China werden könnte. So kämpfen deutsche Stahl- und Solaranlagenhersteller gegen Billigimporte aus China. Die deutschen Autohersteller verkaufen in China so viele Autos wie in keinem anderem Markt - büßen aber an Innovationsvorsprung gegenüber einheimischen Herstellern ein, die zunehmend auch exportieren. Außerdem ist China im für Elektroautos wichtigen Batteriesektor führend.
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